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Allgäuer Puppenbühne gastiert auf dem Rathausplatz

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Wenn der Vorhang aufgeht und auf der Bühne die Holzfiguren ihre Geschichten erzählen, schauen Kinder mit großen Augen zu. Aber so viele Zuschauer wie in früheren Zeiten gewinnt ein Puppenspiel nicht mehr, erzählt Michael Fischer von der Allgäuer Puppenbühne.

Groß ist es nicht, das Zelt. Acht mal acht Meter in der Fläche. Unter der Plane haben Joana Zelinka und ihr Lebensgefährte Michael Fischer aus Memmingen viel zu bieten. Die beiden bilden die Allgäuer Puppenbühne und wollen ihre Zuschauer von heute, Freitag, bis Sonntag mit dem Grüffelo begeistern. In dem Stück geht es um eine Maus, die sich bei ihrem Spaziergang durch den Wald das namensgebende Ungeheuer erst nur einbildet und dann wirklich trifft.

Seit zwei Jahren führen sie ihre Geschichten in einem Zelt auf, berichtet Fischer. Sie haben das Puppenspiel von den Eltern Zelinkas übernommen. Die hauchten ihren Holzfiguren immerhin 30 Jahre lang Leben auf der kleinen Bühne ein.

Die Allgäuer Puppenbühne hat mit dem Froschkönig, den Schlümpfen, dem Grüffelo und dem Grüffelo-Kind vier Geschichten im Repertoire. Bei ihren Stücken lassen die beiden insgesamt 38 handgefertigte Stab- und Handfiguren sprechen.

Was reizvoll klingt, erlangt aber nicht immer den erwarteten Zuspruch. „Der Zulauf ist nicht so riesig, wie wir es von den Eltern gehört haben“, berichtet Fischer offen. Die Vorgänger spielten vor 100 bis 150 Kindern und Erwachsenen. Sie selbst müssen mit durchschnittlich 50 Zuschauern im 70 Plätze fassenden Zelt vorlieb nehmen. „Es ist nicht ganz so einfach wie früher“, stellt der 25-Jährige fest. Damit meint er aber nicht etwa ein schwindendes Interesse am Puppenspiel. Vielmehr macht er die wirtschaftliche Situation der Familien als Grund für den zurückgegangenen Zuspruch aus.

Zeit fehlt

Acht Euro kostet ein Platz im Zelt für Kinder und Erwachsene. „Für manche ist das schon Geld“, ist sich Fischer sicher. Günstiger kann die Allgäuer Puppenbühne aber den Eintrittspreis nicht gestalten, sonst reicht es für den eigenen Lebensunterhalt nicht mehr.

Hinzu kommt die Zeit, die manche Eltern heutzutage nicht mehr aufbringen, um mit ihren Kindern ein Puppenspiel zu besuchen. Außerdem verbringen viele Kinder den Nachmittag in den Kindertagesstätten.

Dass die frei gebliebenen Plätze nicht mit fehlendem Interesse im Zusammenhang stehen, macht Fischer an der Reaktion der Kinder fest, wenn er bei den Kindertagesstätten Plakate für die Vorstellungen aufhängt. „Da freuen sich die Kinder, aber auch die Eltern“, schildert er seine Erfahrung.

Vom Reiz überzeugt

Er ist davon überzeugt, dass das Puppenspiel nach wie vor seinen Reiz hat. Denn die Geschichten mit den Holzfiguren seien nicht alltäglich. „Das Puppentheater ist für die Kinder etwas Neues“, meint Fischer. Sie erleben die Puppen und die Geschichten live.

Abgesehen davon animieren Fischer und Zelinka die Mädchen und Jungen zum Mitmachen. „Die Kinder sollen mit ihren Rufen der Maus helfen, an den Tieren vorbeizukommen“, erzählt er.

Viele Eltern seien ebenfalls begeisterte Zuschauer und lachen mit, hat Fischer festgestellt. Für sie ist ein Puppentheater manchmal auch ein Blick auf ihre eigene Kindheit. Fischer selbst hat als Kind ebenfalls Puppentheater besucht und erinnert sich gerne daran zurück. „Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal selbst mache“, sagt er schmunzelnd.

Das Puppenspiel ist für die Akteure hinter der Bühne mitunter eine stressige Angelegenheit. Das Sprechen, die Führung der Puppen, die Lichttechnik und die Musik müssen zusammenspielen. Puppenspiel und Schauspielerei könnten fast auf eine Stufe gestellt werden, findet Fischer. Denn der Puppenspieler müsse sich wie ein Schauspieler in die Figur hineinversetzen und mit ihr fühlen. Wenn sich die Kinder freuen und amüsieren, hat sich der Aufwand für Fischer gelohnt. Eine große Herausforderung ist es, auch gelangweilt dreinschauende Kinder zum Lachen zu bringen. „Wenn das gelingt, bin ich glücklich“, sagt er.

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