Heimatmuseum

Mit alten Postkarten in Erinnerungen schwelgen

In einer Sonderausstellung zeigt das Heimatmuseum Ginsheim (Hauptstraße 25) Ansichtskarten aus fast einem Jahrhundert. Die Motive riefen bei den Besuchern der Ausstellung viele Erinnerungen hervor. Am 12. August zwischen 12 und 18 Uhr kann die Schau ein weiteres Mal besichtigt werden.

Alte Ansichtskarten, normalerweise im DIN-A6-Format, hat Erwin Dürr vom Heimatmuseum eingescannt und auf DIN- A4 vergrößert, sodass Details besser erkannt werden können. Die Karten stammen aus den Jahren zwischen 1897 und 1990. Sie zeigen Landschaftsmotive, Gebäude und Gastwirtschaften, manche handkoloriert.

Vor einer typischen, gleich mehrere Fotografien zeigenden Ansichtskarte des Hotels „Rheinischer Hof“ erinnert sich Elke Guthmann. „Da habe ich kellneriert, meinen Mann kennen gelernt, zwei Taufen und zwei Konfirmationen gefeiert.“ Die gebürtige Treburerin heiratete nach Ginsheim.

Erstaunt zeigt sich Guthmann darüber, wie viel Gastronomie es damals vor Ort gab. „Hier hat es mehr Kneipen gegeben, als man sich vorstellen kann. Und obwohl die Leute damals kein großes Einkommen hatten, hatten die Gastronomen trotzdem ihr Auskommen“, sagt sie. Aber, fügt sie an, das liege auch an den günstigen Preisen. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg habe ein Rumpsteak auch nur 85 Pfennige gekostet.

Die Originale der Ansichtskarten liegen im Archiv, berichtet Erwin Dürr, der die einzelnen Motive chronologisch an Stellwänden in der Mitte des Museumsraumes angebracht hat. Die Karten entstanden als Werbematerial für Gaststätten und Kolonialwarenläden. Auch Fotografen hatten ihr Auskommen durch die Herstellung von Ansichtskarten. Zu ihnen gehörte der Ginsheimer Fotograf Wilhelm Fauth, der sehr häufig den Ort als Motiv wählte. Aus einigen seiner Fotos entstanden dann auch Ansichtskarten, die für Historiker und Ortschronisten heute wertvolles Forschungsmaterial sind.

Manche Motive wurden auch retuschiert, sodass weniger schöne Bauten durch einen Rasen ersetzt wurden. Was heute mit der entsprechenden Software ein Klacks ist, muss damals in der Dunkelkammer noch Schwerstarbeit gewesen sein, die nur wahre Könner beherrschten. Auf jeden Fall gab es schon vor hundert Jahren sogenannte „Fakes“, also Fälschungen, die die Dinge anders zeigen, als sie in der Realität existieren. Fast so interessant wie die Motive der einzelnen Postkarten sind die Erinnerungen der Ausstellungsbesucher, die am Sonntag vorbeischauen. Da entstehen regelrechte Diskussionen über Details eines Fotos. Längst vergangene Zeiten leben in den Gesprächen, inspiriert durch die Motive, wieder auf.

Neben den Vorderseiten sind in einigen Fällen auch die Rückseiten einiger Karten, die als Postkarten verwendet wurden, zu sehen. Der Aufkleber „Feldpost“ deutet darauf hin, dass es sich um Nachrichten an die Lieben daheim handelt. Die flüssige Handschrift kann jedoch nur von Menschen gelesen werden, die noch Sütterlinschrift beherrschen. Für einige Besucher ist das aber gar kein Problem. Ein weiteres Stück Nostalgie ist die Postleitzahl Ginsheims, die in den sechziger Jahren noch vierstellig war und die überall auf den Ansichtskarten von Gastwirtschaften zu finden ist.

Das Heimatmuseum ist nur jeden zweiten Sonntag eines Monats geöffnet. Daher gibt es die nächste Möglichkeit, sich die Sonderausstellung anzusehen, erst wieder am 12. August zwischen 14 und 18 Uhr. Dürr rechnet mit 50 Besuchern. So viele Menschen kämen eigentlich immer, sagt seine Erfahrung. Für November ist bereits eine neue Sonderausstellung in Planung. Thema wird das Kriegsende am 11. November 1918 sein, das sich in diesem Jahr zum hundertsten Mal jährt.

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