Rüsselsheim - Nie zuvor hatte das Thema Umwelt- und Naturschutz wohl so einen hohen Stellenwert, wie derzeit. Für Reinhard Ebert, der seit 15 Jahren Leiter des Bereichs Natur- und Umweltschutz im Rüsselsheimer Rathaus ist, gäbe es noch eine Menge zu tun. Machen, gestalten, in Fragen der Ökologie was bewegen, das wollte er schließlich schon immer, wie er sagt.

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Amtsleiter Ebert sagt Adé

  • Olaf Kern
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Ruhestand nach 15 Jahren im Dienst des Natur- und Umweltschutzes: Reinhard Ebert hat vieles bewegt. Oft auch gegen viele Widerstände.

Rüsselsheim-Nie zuvor hatte das Thema Umwelt- und Naturschutz wohl so einen hohen Stellenwert, wie derzeit. Für Reinhard Ebert, der seit 15 Jahren Leiter des Bereichs Natur- und Umweltschutz im Rüsselsheimer Rathaus ist, gäbe es noch eine Menge zu tun. Machen, gestalten, in Fragen der Ökologie was bewegen, das wollte er schließlich schon immer, wie er sagt.

Nun soll aber Schluss sein. Der Forst-Oberamtsrat geht in den Ruhestand. Amtsleiter Ebert sagt Adé. Der 7. August wird sein letzter Arbeitstag sein. Am Mittwoch, einen Tag nach Eberts 65. Geburtstag, würdigte Umweltdezernent Nils Kraft (SPD) noch einmal seinen "langjährigen und verdienten" Mitarbeiter.

Kraft, der heute sein Vorgesetzter ist, hatte schon Ende der 1990er Jahre seinen späteren Bereichsleiter kennengelernt, ohne dass beide natürlich ahnten, wie die beruflichen Wege sich später einmal kreuzen würden.

Das erste Aufeinandertreffen fand bei einer Veranstaltung der Nauheimer Bürgerinitiative gegen den Flughafenausbau statt. Kraft war Mitglied der BI. Ebert war als Referent eingeladen und hielt einen Dia-Vortrag über die Bedeutung des Waldes im Rhein-Main-Gebiet.

Das Thema Flughafenausbau

Den Flughafenausbau mit der 2800 Meter langen Landebahn Nordwest konnte man letztlich nicht verhindern. Ganz umsonst waren die Bemühungen aber dennoch nicht, wie Ebert rückblickend weiß.

Immerhin sei das spätere Nachtflugverbot nur durch die Arbeit der Anwälte aus dem Regionalen Dialogforum, in dem Ebert ebenfalls Mitglied war, zustande gekommen. Bis in die letzte Instanz sei man gegangen.

Als Rüsselsheimer Leiter des Bereichs Natur- und Umweltschutz, zu dem Ebert 2005 durch den damaligen Dezernenten Ernst-Peter Layer gemacht wurde, war Flugverkehr auch in der Folge immer wieder ein vieldiskutiertes Thema. Die Anzahl der Fluglärmbeschwerden, die nach der neu eingeführten Flugroute über Rüsselsheim bei ihm eingingen, sei enorm gewesen.

Die Flugschneise sei von den zahlreich zuvor vorgeschlagenen Varianten aber noch "die verträglichste" gewesen, sagt Ebert heute, der auch an die 13 Millionen Euro für den passiven Schallschutz für das Rüsselsheimer Stadtgebiet erinnert, die man immerhin bekommen habe.

Doch immer wieder kam es zu Maschinen, die von der Route abwichen. Immer wieder musste sich Ebert dann mit der Deutschen Flugsicherung auseinandersetzen, um die Ursache zu ermitteln.

Arbeitsreich und dennoch spannend sei die Zeit gewesen. Überhaupt habe er nicht einen Tag erlebt, an dem er mit Widerwillen ins Büro gekommen sei, so Ebert, der in Marburg geboren wurde, später ein Studium als Diplom-Forstingenieur in Göttingen abschloss und über Stationen im Regierungspräsidium Darmstadt und im Forstamt Mörfelden-Walldorf zur Rüsselsheimer Verwaltung kam.

"Hier ließ man mir die Freiheit, neue Wege zu gehen", sagt Ebert. Auf seine Initiative geht die Gründung der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Rhein-Main zurück, zu der mittlerweile sieben Kommunen und auch Privatwaldbesitzer gehören.

Rüsselsheim brachte die größte Waldfläche in die Betriebsgemeinschaft ein. Dabei gehe es nicht nur um eine gemeinsame Bewirtschaftung aus monetärer Sicht, sondern die ökologische Seite stehe dabei "massiv im Vordergrund". Schon 2007 habe Ebert begonnen, über "Anpassungsstrategien" an den Klimawandel intensiv nachzudenken, die später auch umgesetzt wurden.

Neue Wege und viele Widerstände

Zehn Prozent oder andersherum 800 Hektar seien aus der Nutzung genommen worden. Vor allem der ganz alte Bestand mit Buchen und Eichen, die bis zu 240 Jahre alt seien, sollten erhalten bleiben. "Alles andere wäre ein Frevel gewesen", so Ebert.

Die Widerstände gegen solche neuen Wege und Projekte seien immer groß gewesen. Doch es habe sich gezeigt, wer einen langen Atem besitze, der könne auch etwas umsetzen.

Nach diesem Prinzip gelang ihm auch das neue Konzept der Jagdverpachtungen durchzusetzen, das unter Eberts Führung erarbeitet wurde und seither gut funktioniere. Ebert erinnert in diesem Zusammenhang an die Zeit, als Wildschweine im Stadtgebiet ihr Unwesen trieben.

Aber auch an den Ausbau des Mainvorlands zum Naherholungsgebiet, auch wenn die Untere Naturschutzbehörde, die zu Eberts Fachbereich gehört, zuletzt dem Techno-Festival "Love Family Park" ein schlechtes Zeugnis im Sinne des Umwelt- und Naturschutzes ausstellte.

Ein Nachfolger für Ebert wird laut Dezernent Kraft derzeit noch gesucht. Auf die Expertise von Reinhard Ebert wolle Kraft aber auch in Zukunft nicht verzichten und sich bei dem ein oder anderen Thema den Rat des erfahrenen Fachmanns holen. Von Olaf Kern

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