+
Ein Postbote erlebt mitunter auf seinen Touren interessante Dinge und Personen kennen, von denen er später erzählen kann.

Kurzgeschichten

Amüsante Anekdoten aus dem Alltag bei Lesereihe „Geschichten im Dicken Busch“

Nicht berühmten Autoren, sondern noch weniger bekannten aber talentierten Verfassern von Kurzgeschichten bietet die Lesereihe „Geschichten im Dicken Busch“ eine Plattform. Drei Autoren und ein Musiker waren im Buschcafé zu hören.

Für Gerhard Schüpfer-Maciolek, der die Idee zu dem besonderen Leseformat hatte, sind Kurzgeschichten etwas Kompaktes mit Anfang, Mittelteil und Ende. Gerade für den Zuhörer sei dies, so seine Meinung, befriedigender als ein offenes Ende. Bereits im April gab es zum ersten Mal eine Lesung dieser Art im Nachbarschaftszentrum. Zweimal im Jahr, so Schüpfer-Maciolek, soll es auch weiterhin Kurzgeschichtenlesungen geben.

Neben ihm lasen am Donnerstagabend auch Gerhard Steil und Claudia Rügner Selbstverfasstes vor. Achim Felka war mit seinem Saxophon als musikalische Begleitung zwischen den Kurzgeschichten zu hören.

50 Jahre lang war Gerhard Steil als Postbote tätig und sammelte kleine Begebenheiten aus dem Alltag, die er in Gedichtform oder als Kurzgeschichten niederschrieb. Wortwitz und genaue Beobachtungsgabe machen den Reiz seiner Texte aus. So schreibt er über eine Kaffeefahrt, bei der er gemeinsam mit einigen Kollegen teilnimmt und die, wie nicht anders zu erwarten, nicht hält, was sie anfangs verspricht. Das angekündigte Buffet reduziert sich auf belegte Brötchen, die Verkaufsangebote sind überteuert und auch am Kaffee hapert es. „Der Kaffee und sein einstmals vorhandenes Aroma“, umschreibt er etwa die dargereichte Brühe. Mit Erzählungen über Gewinne in der Lotterie, überdimensionierte Bratwürste, und vielen weiteren Begebenheiten direkt aus dem Leben gegriffen erfreute Steil die Zuhörer an diesem Abend.

Weiter ging es mit einer kriminalistischen Erzählung von Claudia Rügner, die den Titel „

Der Duft der Pilze

“ hatte. Ebendieser ist es, der die Protagonistin an Geschehnisse aus ihrer Vergangenheit erinnert, die mit einem Mord endeten, den sie selbst verschuldet hatte, angespornt von ihrer skrupellosen Freundin Jill. Bis zum unerwarteten Ende der Geschichte lauschten die Besucher atemlos den Worten der Autorin, die für ihre Texte die Methode des kreativen Schreibens verwendet.

Etwas länger geraten war die Geschichte aus der Feder von Schüpfer-Maciolek mit dem Titel: „Die kaputte Jeans“. Ein älteres Ehepaar sieht drei Frauen, die löchrige Jeans tragen, weil das derzeit Mode ist.

Der Anblick weckt Erinnerungen an die Nachkriegsjahre, in denen auch Rentner Egon die Kleidung seiner älteren Geschwister und somit auch alte und löchrige Hosen tragen musste, die von der Mutter mit Flicken ausgebessert wurden. Erst beim Älterwerden führte die Erfahrung den heutigen Rentner dazu, besonders auf einwandfreie Kleidung zu achten. Ob armutsbedingt oder von der Mode vorgeschrieben bildet sich eine Kluft im Denken der Generationen, die nicht überwindbar ist.

Als Schmakerl zum Schluss lieferte Steil mit „Mord im Ostpark“ einen weiteren kleinen Krimi an diesem Abend, der sozusagen direkt vor der Haustür, im Ostpark spielte. Unterschiedlichste Texte, sowohl den Schreibstil als auch die Themenwahl betreffend, kombiniert mit musikalischer Begleitung durch bekannte Melodien wie „Route 66“ oder auch „Fly me to the moon“ boten ein abwechslungsreiches Programm, das die Zuhörer mit viel Applaus belohnten. Voraussichtlich im April wird es die nächste Lesung von „Geschichten im Dicken Busch“ geben. Der genaue Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare