Die Enthüllung des Etikettenmotivs ist jedes Jahr ein Höhepunkt der Weinpräsentation. FOTO: rapp
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Die Enthüllung des Etikettenmotivs ist jedes Jahr ein Höhepunkt der Weinpräsentation.

Genuss

Anstoßen auf den neuen Jahrgang

  • VonDr. Susanne Rapp
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Winzerfreunde präsentieren den Rüsselsheimer Riesling 2020

Rüsselsheim -Erlesene Weine, ein Drei-Gänge-Menü und ein ganz besonderer Riesling, den es nur in Rüsselsheim gibt. Am Freitagabend stellten die Winzerfreunde im Festungskeller den Jahrgang 2020 ihres Wingerts vor. Und dies just an dem Ort, von dem eine Kellereirechnung stammt, die im Jahr 1435 zum ersten Mal den Rüsselsheimer Riesling erwähnt.

Vorsitzender Albrecht Schmidt, der die rund 80 Besucher des Abends begrüßte, hatte zum ersten Mal seine Glocke, mit der er zur Ruhe ruft, vergessen. Dafür aber einen Stock mitgebracht, der später am Abend noch zum Einsatz kam.

Rüsselsheims Oberbürgermeister Udo Bausch - seine Frau ist Winzerfreundin - nannte die Winzerfreunde einen Vorzeigeverein, da er wisse, was der Verein so alles leiste und welche Kraftanstrengung es sei, den Weinberg zu bearbeiten. Bausch sprach den Wunsch aus, dass die Winzerfreunde eine Weinkneipe in der Stadt eröffnen sollten. Die sei sicher immer gut besucht.

Winzermeister Stefan Bigus vom Hochheimer Weingut Künstler sprach davon, dass der Jahrgang 2020 mengenmäßig "furchtbar klein" sei, der Geschmack aber dafür sehr gut. Bei der Lese für den Jahrgang 2021 habe er regelrecht seelsorgerische Arbeit leisten müssen, da die Ausbeute praktisch nicht existent gewesen sei und das Jahr kein gutes für den Riesling war.

Spende für das Ahrtal

Eine unetikettierte Flasche Rotwein wurde auf die Tische der Gäste gestellt. Über ihre Bedeutung berichteten Götz Drewitz vom "International Wine Institute" und der Kassierer der Winzerfreunde, Horst Schneider. Die Flaschen seien aus der Ahr gebaggert worden und stammen vom Weingut Bertram-Baltes.

Was im Ahrtal passierte, sei ja den meisten bekannt. Auch Winzer der Gegend gehörten zu den Flutopfern. Da die Winzerfreunde auch Freunde von Winzern seien, war schnell ein Spendenaufruf ergangen, der 2000 Euro ergab.

Deutlich gerührt und den Tränen nahe berichtete Winzerfreund Schneider darüber, dass die Spende nur ein Tropfen auf den heißen Stein sei. Doch statt das Geld in einen großen Topf zu geben, habe man entschieden, das Weingut Bertram-Baltes zu unterstützen. Diesem seien die Jahrgänge 2019 in Flaschen und 2020 in Fässern verloren gegangen. Nur eben einzelne Flaschen des völlig zerstörten Weinkellers seien geborgen worden. Ein kleiner Geldbetrag, doch er zeige den Willen zu helfen. Julia Baltes habe dazu gesagt: "So was hat uns den Arsch gerettet."

Ein weiterer Höhepunkt des Abends war die Präsentation des Gemäldes von Rosi Ebert, das das Etikett des Jahrgangs 2020 ziert.

Zwei Motive hatte sie zur Verfügung gestellt, von denen die Winzerfreunde sich gemeinsam für eines entschieden. Das Original wurde für 600 Euro versteigert. Das Geld wird ebenfalls dem Weingut im Ahrtal zugutekommen. Mit viel guter Laune ging es zu guter Letzt darum, wie viele Flaschen des edlen Tropfens die Winzerfreunde als Pächter an ihren Oberbürgermeister zahlen müssen.

OB muss auf die Schulbank

Wie bereits in den Vorjahren bekam er den Wein nicht einfach so, sondern musste dafür arbeiten. Die Aufgaben hatte, wie immer, Albrecht Schmidt sich einfallen lassen. Und hierfür kam nun der Stock zum Einsatz. Für Bausch hieß es wieder die Schulbank zu drücken und Tests in den Fächern Rechnen, Heimatkunde, Schreiben und Zeichnen zu bestehen.

Im Fach Schreiben war der OB gar nicht gut und Schmidt machte sich mit viel Genuss daran, die vielen Fehler zu korrigieren und auf jeden mit seinem Stock zu deuten. Ganz fair war die Sache aber auch nicht.

Denn die seltsamen Wörter gaben erst beim Rückwärtslesen einen Sinn. Beim Zeichnen hingegen, zeigte sich der OB recht gut, während ihm bei der Heimatkundeprüfung ein Joker beistand.

Nach der Benotung kamen 48 Punkte heraus. Und entsprechend viele Flaschen bekam der Magistrat dann auch als Pachtzins zugestanden. Einige Buhrufe, die nicht ganz so ernst gemeint waren, musste sich OB Udo Bausch dennoch anhören, da die Winzerfreunde nicht. susanne rapp

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