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Apotheke geht in erfahrene Hände

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Apothekerin Christiane Lorenzkowski geht Ende des Jahres in den Ruhestand. Ihre Brunnen-Apotheke übernimmt Gerhard Zibulak.
Apothekerin Christiane Lorenzkowski geht Ende des Jahres in den Ruhestand. Ihre Brunnen-Apotheke übernimmt Gerhard Zibulak. © Ralph Keim

Die langjährige Bauschheimer Apothekerin Christiane Lorenzkowski geht Ende des Jahres in den Ruhestand. Ihre Brunnen-Apotheke übernimmt Gerhard Zibulak aus Kelsterbach.

Von RALPH KEIM

„Bei mir hat mal mitten in der Nacht ein Mann geklingelt, um einen Schnuller zu kaufen. Er meinte, dass er sich lieber kurz anhört, wie ich fluche, als dass er sich noch stundenlang anhören muss, wie sein Baby schreit.“ Wenn man, so wie Apotheker Gerhard Zibulak (61), jahrzehntelang Notdienst geschoben hat, kann man einige Anekdötchen erzählen. „Die Kondome, die die Kids bei uns noch schnell vor der Party kaufen, gehören ebenfalls dazu“, ergänzt Christiane Lorenzkowski (65), nicht minder erfahren im Geschäft der oftmals bitter schmeckenden Arzneimittel.

Doch im Gegensatz zu ihrem Kollegen kann Christiane Lorenzkowski jetzt ganz gelassen in die Zukunft schauen. Denn sie geht Ende des Jahres in den Ruhestand. Seit 1980 führt sie in Bauschheim die Brunnen-Apotheke. Damit ist jetzt Schluss. „Ich will jetzt meinen Ruhestand genießen“, bekräftigt die erfahrene Apothekerin, die nach all den Jahrzehnten in Bauschheim praktisch jeden und speziell jedes Wehwehchen kennt. Doch die Bauschheimer müssen sich keine Sorgen machen. Die Brunnen-Apotheke bleibt bestehen. Gesichert sind auch die vier Arbeitsplätze. Denn der Kelsterbacher Apotheker Gerhard Zibulak hat die 1974 eröffnete Apotheke übernommen. Der Geschäftsbetrieb geht nach dem 1. Januar nahtlos weiter.

„Ich bin über einen Makler darauf aufmerksam geworden, dass das Geschäft von Frau Lorenzkowski zur Übernahme zur Verfügung steht.“ Gerhard Zibulak führt in Kelsterbach seit 1984 die 1958 gegründete Kronen-Apotheke, auf die er auch weiterhin seinen beruflichen Schwerpunkt legt. „In Bauschheim werde ich aber hin und wieder ebenfalls anzutreffen sein.“

Die Marge ist

nur gering

So kurz vor ihrem Ruhestand blickt Christiane Lorenzkowski gerne auf die vergangenen knapp vier Jahrzehnte zurück, in denen sie als Apothekerin unzählige Rezepte eingelöst hat. „Bis heute hält sich ja hartnäckig das Gerücht, dass sich ein Apotheker automatisch eine goldene Nase verdient“, schmunzelt sie. Früher habe man durchaus mit einer Apotheke ein gutes Einkommen erzielen können. Doch die gesetzlich festgelegte Marge bei den rezeptpflichtigen Medikamenten sei stetig zurückgegangen. Sie liege aktuell bei rund 36 Euro pro 1000 Euro Umsatz. Hinzugekommen sei ein Übermaß an Bürokratie. Auch aus diesen Gründen komme es immer häufiger vor, dass Apotheken schließen, so auch in der Rüsselsheimer Innenstadt.

Weniger

Nachtdienste

Eine Apotheke in der Frankfurter Fußgängerzone oder am Flughafen mache zwar noch immer glänzende Umsätze. „Aber auf dem Land muss der Apotheker für sein Einkommen durchaus 50 bis 60 Stunden in der Woche arbeiten“, ergänzt Nachfolger Zibulak. Wenigstens habe die Frequenz der berühmt-berüchtigten Nachtdienste deutlich nachgelassen. „Ich komme derzeit an jedem 23. Tag an die Reihe“, erläutert der Kelsterbacher Apotheker. Früher sei es üblich gewesen, sich jede dritte Nacht um die Ohren zu schlagen – beziehungsweise um die Ohren schlagen zu lassen.

„Ich würde allerdings den Beruf der Apothekerin jederzeit wieder ergreifen“, bekräftigt Christiane Lorenzkowski und verweist auf die vielfältige Ausbildung. Zudem komme man zwangsläufig mit vielen Menschen in Kontakt. Besonders bei den Stammkunden bilde sich da schnell ein wichtiges Vertrauensverhältnis. „Man hat ja auch eine große Verantwortung gegenüber den Bürgern“, unterstreicht Apotheker Zibulak und berichtet von dem typischen Kunden, der mit dem Gang zur Apotheke um die Ecke den eigentlich dringend notwendigen Besuch beim Arzt umgehen will. „Soweit darf es natürlich nicht kommen.“ Auch komme es immer wieder vor, dass Kunden ein rezeptpflichtiges Medikament ohne Rezept haben wollen. „Das geht überhaupt nicht“, stellen beide Apotheker klar. Wer dabei erwischt werde, bekomme eine Geldstrafe im hohen fünfstelligen Bereich aufgebrummt.

Und noch eines will die scheidende Apothekerin Lorenzkowski einmal klarstellen: „Das mit den viel geschmähten Apotheken-Preisen ist ebenfalls ein Mythos. Es hat sich schon herausgestellt, dass ich sogar günstiger als der große Lebensmittelmarkt war.“ Wer also eigentlich nur eine Tube Zahnpasta braucht, kann also durchaus zur Apotheke um die Ecke gehen und muss nicht unbedingt den nächsten Supermarkt auf der grünen Wiese ansteuern.

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