Systemrelevant: Besonders in der Pflege hatte das Personal im öffentlichen Dienst alle Hände voll zu tun. FOTO: DPA
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Systemrelevant: Besonders in der Pflege hatte das Personal im öffentlichen Dienst alle Hände voll zu tun. FOTO: DPA

Arbeit

Applaus alleine reicht nicht

  • Stella Lorenz
    vonStella Lorenz
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Die Gewerkschaft Verdi in Rüsselsheim fordert mehr finanzielle Wertschätzung für den Öffentlichen Dienst. Demnächst ist eine neue Verhandlungsrunde angesetzt. Schon jetzt wird auch ein Streik nicht ausgeschlossen.

Rüsselsheim-4,8 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro mehr im Monat mit einer Laufzeit von einem Jahr. Monatlich 100 Euro mehr für Auszubildende. Eine Übernahmeregelung für Auszubildende und Praktikanten. Entlastung durch freie Tage. Das sind die Kernforderungen der Gewerkschaft Verdi, die seit gestern eine neue Tarifrunde bestreitet. Wie dringend diese Forderungen auch in Rüsselsheim umgesetzt werden müssen, haben die stellvertretenden Vertrauensleute der Stadt im Gespräch deutlich gemacht.

Zwar umfassen die Forderungen alle Tarifbeschäftigten, aber besonders die von Corona belasteten Gruppen, beispielsweise aus dem öffentlichen Pflegebereich, der Gesundheitsvorsorge, der Erziehung oder der Sozialarbeit seien betroffen, betont Patrick Butsch, stellvertretender Vertrauensleutesprecher. "Gerade in der Pandemie hat sich gezeigt: Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes sind systemrelevant und unverzichtbar", betont sein Kollege Lars van Venrooy. Schon im Juni sei man auf die Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) zugegangen, um eine Übergangslösung aufgrund der Krise zu finden. "Die Arbeitgeber haben uns beklatscht, aber wollten nicht dafür zahlen", so Butsch.

Er geht nicht davon aus, dass die VKA schnell auf die Forderungen eingeht - schließlich hätte sie sich schon bei der Sondierung im Juni quergestellt. Butsch schließt deshalb Streiks nicht aus. "Das wäre unser allerletztes Mittel. Wir wollen die Eltern nicht zusätzlich belasten", sagt er mit Blick auf die streikberechtigten Erzieher. Der Stadtelternbeirat sei bereits über die Möglichkeit informiert.

Streik ist nicht ausgeschlossen

Die zweite Verhandlungsrunde ist für den 19. und 20. September angesetzt - ein Warnstreik könnte direkt daran anschließen, so die Verdi-Vertreter. Der Stadtelternbeirat sei bereits informiert, sagt Alexandra König, ebenfalls Verdi-Vertrauensfrau. Sie hofft auf Verständnis seitens der Eltern, gerade nach der teils sicher anstrengenden Zeit ohne Schule und Kitas. Ein Streik, das stellen alle drei klar, könne selbstverständlich nur unter absoluter Einhaltung der Hygieneregeln stattfinden. "Man muss kreativ werden", sagt König.

Die Situation in Rüsselsheim sei in den letzten Monaten für viele Kollegen prekär gewesen: Neben dem öffentlich beschäftigten Pflegepersonal haten vor allem die Sozialarbeiter mehr zu tun, auch das Ordnungsamt war verstärkt im Einsatz. Auch in der Verwaltung sei man aufgrund der Bearbeitung der ständig neuen Verordnungen vom Land rotiert.

Anerkennung und Job-Attraktivität

Die Forderungen sind auch nötig, so Butsch, weil sie den öffentlichen Dienst attraktiver machen. "Einerseits schaffen bessere Arbeitsbedingungen ein Gefühl der Anerkennung, andererseits locken sie neues Personal." Und das fehle an vielen Stellen, sagt der Vertrauensmann kritisch. Er hofft, dass mit dem öffentlichen Druck früh Erfolge erzielt werden können. Applaus reiche einfach nicht aus. Von Stella Lorenz

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