Sprechender Mülleimer in Rüsselsheim

Applaus für eine Pizza-Pappschachtel

Kein Aprilscherz im Oktober: Am Mainvorland wird der wohl bislang intelligenteste Mülleimer in der Rüsselsheimer Stadtgeschichte aufgestellt. Er kann bei erfolgreichem Wegwerfen applaudieren. Oder das Geräusch eines Reißwolfs imitieren.

Tagsüber belohnt das Gerät Einwürfe von Abfall mit Applaus und anderen Soundeffekten: Am Rüsselsheimer Mainvorland hat der Städteservice Raunheim Rüsselsheim (STS) einen neuartigen, interaktiven Mülleimer installiert. Die Anlage kann Leichtmüll – beispielsweise Kaffeebecher und andere Verpackungen – auf mehr als die Hälfte ihres Volumens komprimieren. Mit einem fröhlichen Jingle belohnt der neue Mülleimer am Rüsselsheimer Mainvorland außerdem etwa den Einwurf einer Pizza-Pappschachtel. Wenn ein Kaffeebecher in die silberne Klappe wandert, lässt die in sattem Rot lackierte Box das Geräusch eines gefräßigen Reißwolfs folgen. So soll es Passanten „richtig Spaß machen“, wenn man seinen Abfall ordnungsgemäß zu entsorgen, heißt es beim Städteservice

Für die Entsorgungs-Mitarbeiter ist der Mülleimer mit Klappmechanik aber nicht nur ein Werkzeug gegen das so genannte Littering, das Hinterlassen von Abfällen im öffentlichen Raum.

Der „Solar-Press“-Behälter, den das Unternehmen Stummer aus der Zoeller-Gruppe in Deutschland vertreibt, soll auch die Leerung des Abfallbehälters erleichtern, erklärt André Priebe vom Städteservice: Das neue Schmuckstück unter den schnöden Abfalleimern kommuniziert nämlich nicht nur mit ihren Benutzern, sondern auch mit den Betreibern.

So meldet der Behälter per Mobilfunk seinen Füllstand und seinen Standort an die Einsatzzentrale. Denn das Gerät, das von dem niederländischen Hersteller Procomat entwickelt worden ist, misst den realen Füllstand durch einen Ultraschallsensor.

Damit soll die Frequenz der Leerungen optimal auf die tatsächliche Nutzung der Station angepasst werden können Auch bei einem Manipulationsversuch meldet sich der Behälter. Zwei Stationen des Mülleimers hat der Städteservice für eine Testphase gemietet. Das erste Gerät ist seit Anfang Oktober am Mainvorland installiert, über den Standort für den zweiten Solar-Press werde gerade entschieden. Die Station kommt trotz ihrer Soundeffekte ohne Anschluss an Strom- und Kommunikationsnetze aus. Stattdessen sorgt ein Photovoltaikpaneel auf der Oberseite für die Versorgung mit Energie, der Datenaustausch läuft über Mobilfunk. Im Innern des Kastens steht übrigens eine handelsübliche Mülltonne mit 120 Liter Fassungsvermögen. Beim Leeren muss der Städteservice nicht einen speziellen Einsatz herausnehmen und entleeren. Vielmehr wird die Tonne einfach an die Schüttung eines der beiden kleinen Müllsammelfahrzeuge gehängt.

„Diese Fahrzeuge sind sowieso regelmäßig in den engen Innenstadtlagen unterwegs,“ erklärt Städteservice-Vorstand Jens Will, „somit können die Leerung der Müllstationen extrem effizient in unsere üblichen Abläufe mit integrieren“. red

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare