Abenteuer Pferd

„Arbeit mit Tieren kann viel bei Menschen bewirken“

Eigentlich sollte der dritte Teil des Winter-Jugend-Reitwettbewerbs des Kreis-Reiterbunds auf dem Gelände des Reitsportvereins bereits am 4. Februar stattfinden. Doch da machte der Schnee einen Strich durch die Rechnung. Am Sonntag konnte das Turnier wiederholt werden. Mit dabei waren zum ersten Mal Reiter aus dem therapeutischen Reitbetrieb des Vereins.

Anke Lorig und Cora Feldmann aus dem Vorstand des Reitsportvereins Rüsselsheim (RSVR) wirken erleichtert. „Alles hat gut geklappt. Die ersten Prüfungen laufen bereits“, sagt Lorig. „Es ist zwar richtig kalt, aber die Sonne scheint und alle Teilnehmer sind gut angekommen“, informiert die Pressewartin.

Vor drei Wochen sah die Situation ganz anders aus: Starker Schneefall zwang die Organisatoren damals, das Turnier kurzfristig abzusagen. Denn viele der Teilnehmer konnten ihre Tiere in den großen Hängern aufgrund der rutschigen Straßen nicht nach Rüsselsheim transportieren. Doch am Sonntag läuft beim Nachholtermin alles glatt.

Insgesamt 25 junge Reiter treten beim Wettbewerb an. Drei weitere Pferdesportler absolvieren die Caprilli-Prüfung, eine Einstiegprüfung im Springen. Und zum ersten Mal zeigen vier Reiter aus dem therapeutischen Reitbetrieb des RSVR, was sie können. Darauf sind Lorig und Präsidentin Feldmann besonders stolz. „Wir haben pro Woche 80 therapeutische Reiter in den Übungsstunden. Da ist es toll, wenn einige auch bei den Turnieren mitmachen“, sagt Cora Feldmann.

Zumal sich erst wenige Tage vor dem Turnier eine neue Gruppe innerhalb des Vereins gegründet habe. „Daran war unser Vereinsmitglied Alexandra Herford maßgeblich beteiligt. Sie engagiert sich schon lange für unsere therapeutischen Reiter und arbeitet selbst bei dem Verein ,Basis’ mit behinderten Menschen zusammen.“

Die Gruppe habe sich erst wenige Tage vor dem Turnier einen Namen überlegt. Sie heißt „Abenteuer Pferd“. „Bisher besteht die Gruppe aus drei Mitgliedern mit Handicap“, informiert Herford. „Wir würden uns natürlich über viele weitere Mitglieder freuen.“

Therapeutisches Reiten biete „ein Komplettpaket“, das die Sinne von Menschen mit Handicap stärke. „Ich habe hier im Verein einmal eine junge Reiterin kennengelernt, die vor ihren Reitstunden kein Wort gesprochen hat. Nach ein paar Wochen konnte sie bereits kurze Sätze bilden. Es ist vielen Leuten gar nicht klar, wie viel die Arbeit mit Pferden bei Menschen bewirken kann“, betont Herford.

Sie seien nun kurz davor, den Lift für das therapeutische Reiten zu bestellen, verkündet Feldmann. Seit einem Jahr sammelt der RSVR Geld für einen Lift, mit dem Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte auf die Pferde gehoben werden können. Im Herbst hat der Verein dafür sogar ein Benefizkonzert veranstaltet.

Anfang des Jahres leisteten die Stadtwerke mit einer Spende einen Beitrag zum Erwerb des Lifts. „Wir haben erst vor Kurzem 1000 Euro für die Anschaffung der Hebehilfe von einem Kinderarzt bekommen, der unseren Verein gar nicht kennt. Er sagte jedoch, dass er den gesundheitlichen Erfolg des therapeutischen Reitens an seinen eigenen Patienten bemerkt habe und uns deshalb unterstützen wolle“, erzählt Feldmann.

„So viele Menschen unterstützen unser Konzept. Das ist wirklich toll“, erklärt die Präsidentin sichtlich gerührt.

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