Kalt macht lustig: Bewohner, Besucher und Mitarbeiter nutzen die letzte Chance zum Wassertreten vor der Winterpause.
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Kalt macht lustig: Bewohner, Besucher und Mitarbeiter nutzen die letzte Chance zum Wassertreten vor der Winterpause.

Angebot weiter ausbauen

Auch Kneippen will gelernt sein

Die Raunheimer Seniorenresidenz ist jetzt eine vom Kneipp-Bund anerkannte Senioreneinrichtung. Beim Herbstfest wurde das Gütesiegel offiziell überreicht – und natürlich wurde auch gekneippt.

„Jetzt fängt langsam der Schmerz an, sie haben gewonnen Frau Löbert.“ Alltagsbegleiter Roland Sixtus gibt sich geschlagen. Länger als Edeltraut Löbert hält er es im kalten Wasser nicht aus. Anerkennend reicht er der Seniorin die Hand, beide haben ihren Spaß an dem kleinen Wett-Kneippen aus Anlass des sogenannten Abtretens. So heißt der letzte Gang durch die Anlage vor der Winterpause.

Trotz des herbstlich kühlen Wetters wagen viele noch einen letzten Abhärtungsgang durch das kniehohe Nass. Auch Dr. Georg Roth, Vorsitzender des Kneipp-Bund-Landesverbandes Hessen lässt sich das nicht nehmen. Dass er dieses Jahr zum Herbstfest der Seniorenresidenz gekommen ist, hat einen besonderen Grund. Im Gepäck hat er eine Urkunde, denn die K+S Residenz ist jetzt vom deutschen Kneipp-Bund offiziell zertifiziert.

Dass das weit mehr bedeutet, als den Bau eines Bassins zum Wassertreten, davon zeugen die vier hauseigenen Kneipp.Gesundheitstrainer und Mentoren, die ein zeitaufwendiges Kneipp Gesundheitstraining absolviert haben. Während die zwei Trainer 150 Lerneinheiten absolvieren mussten, waren es bei den Mentoren immerhin noch 50.

Ab ins Becken

Rita Wagner ist eine von den Mentorinnen. Jeden Tag von 9.30 bis 11.30 Uhr finde der Kneipp-Treff statt, Sommer wie Winter, erzählt sie. Im Winter träfen sich die gesundheitsbewussten Senioren in einer kleinen Küche im Gebäude. Im Pflegebad nebenan würden dann, je nach Bedarf, Waschungen und Kniegüsse für Hände, Arme oder Beine verabreicht.

Kneipp-Trainerin Ingrid Müller berichtet von den positiven Wirkungen dieser Maßnahmen. Speziell bei Ein- und Durchschlafstörungen hätten sich Wechselbäder und Leibwaschungen bewährt, auch bei dementen Patienten. „Kneipp ist viel mehr als dieses Tretbecken“, sagt sie mit Überzeugung und zählt die fünf Säulen der Kneippschen Lehre auf: Wasseranwendungen, Ernährung, Lebensführung, Bewegung und Heilkräuter. Letztere ziehen die engagierten Altenpflegerinnen auch in einem eigenen Kräutergarten. Besonders mit dem Lavendel habe sie gute Erfahrungen gemacht, der Duft habe eine beruhigende Wirkung, erläutert Müller, und man brauche dann auch nicht mehr so viele Medikamente. So brächten die Anwendungen auch Entlastung für den regulären Pflegebetrieb.

Positive Effekte zeigten sich aber nicht nur auf der Ebene des körperlichen Wohlbefindens, auch menschlich kämen sich Bewohner und Pfleger näher. „Jede Anwendung ist auch eine Zuwendung“, ist ein Satz, der an diesem Tag immer wieder zu hören ist. Und schließlich ist das Treffen auch ein Beitrag zu einer sinnvollen Strukturierung des Tagesablaufs, oder wie es eine Bewohnerin ausdrückt:„ Ich bin jeden Tag im Kneipp-Treff. Ich muss mich beschäftigen, dass ich keine Langeweile kriege.“

„Gewinn für die Bewohner“

Ziel sei ein täglicher Kneipp-Treff in jedem der vier Wohnbereiche. Weitere Schulungsmaßnahmen für die bisherigen und noch zusätzliche Mitarbeiter seien schon geplant. Die Leiterin der Einrichtung, Carmen Völker, zieht ein positives Fazit: „Es ist ein echter Gewinn für die Pflege und die Bewohner.“ Auch sie selbst habe schon von dem neuen Wissen ihrer Kolleginnen profitiert. Als sie kürzlich über Halsschmerzen geklagt habe, sei ihr sofort mit Tee und Quarkwickeln geholfen worden. „Ihr macht das toll“, lobt sie ihr Team.

Nach der Abschlussrunde durch das Tretbecken im Anschluss an die feierliche Überreichung des Kneipp-Gütesiegels sitzen und stehen Bewohner, Mitarbeiter und Besucher noch bei Sekt und Punsch beisammen. „Das wird jetzt richtig warm an den Füßen“, bezeugt Edeltraut Löbert. Schon seit zwei Jahren sei sie regelmäßig bei den täglichen Kneipp-Treffen dabei. „Das ist wie eine Kur“, schwärmt sie.

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