Der Mainzer Athlet zusammen mit dem Chef des Rüsselsheimer Autobauers: Niklas Kaul (rechts) und Michael Lohscheller bei einem gemeinsamen Lauf-Treff in Mainz-Finthen. Kurz vor den wichtigen Wettkämpfen nahmen sich beide noch etwas Zeit für einen lockeren Austausch. foto: opel
+
Der Mainzer Athlet zusammen mit dem Chef des Rüsselsheimer Autobauers: Niklas Kaul (rechts) und Michael Lohscheller bei einem gemeinsamen Lauf-Treff in Mainz-Finthen. Kurz vor den wichtigen Wettkämpfen nahmen sich beide noch etwas Zeit für einen lockeren Austausch.

Menschen

Auf dem Weg nach Tokio

  • Olaf Kern
    vonOlaf Kern
    schließen

Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul aus Mainz hat ein großes Ziel: Die Olympischen Sommerspiele. Der Rüsselsheimer Autobauer Opel unterstützt ihn schon länger auf seinem Weg. Das Echo besuchte den Spitzenathlet bei einem gemeinsamen Lauf mit Opel-Chef Michael Lohscheller.

Herr Kaul, die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio steht kurz bevor. Wie groß ist die Anspannung bereits?

KAUL: Ich freue mich wahnsinnig darüber, dass es wieder losgeht. In den zwei Testwettkämpfen, die bisher waren, habe ich gemerkt, wie sehr mir das fehlt.

Werden jetzt nur noch die Füße hochgelegt? Oder gibt es noch spezielle Trainingseinheiten?

KAUL: Speziell habe ich in den vergangenen Monaten am allgemein athletischen Bereich gearbeitet. Vor dem ersten Zehnkampf passiert aber nicht mehr viel. Wir sagen immer: Die letzten zwei Wochen gibt es die Alligator-Technik: Auf die faule Haut legen und warten bis die Form kommt.

Da hat man vielleicht auch mehr Zeit zum Nachdenken über einen optimal laufenden Wettkampf. Welche Punktzahl geht Ihnen da durch den Kopf vor Götzis?

KAUL: Natürlich wäre es schön, wenn es mal für eine Punktezahl reicht, die in die Nähe des deutschen Rekords kommt. Das ist das ganz große Punkteziel, das da oben steht. Aber ich weiß nach ein paar Jahren Zehnkampf-Erfahrung auch, dass es einen Wettkampf, der von den 100 Metern bis zu den 1500 Metern am Ende perfekt funktioniert, nicht gibt. Und den wird es auch nicht geben. Wenn doch einmal, sollte man am besten aufhören.

Sie waren ja beide eben zusammen eine Runde laufen. Herr Lohscheller, sind Sie noch außer Atem oder geht's wieder?

LOHSCHELLER: Ganz ehrlich: Für mich war es am Limit. Wir wollten uns ja dabei noch etwas unterhalten. Das ging gerade noch gut.

Für die Laufspezialisten unter uns: Wie schnell sind Sie gelaufen?

LOHSCHELLER: So etwa fünf Kilometer, das Tempo lag bei etwas über fünf Minuten pro Kilometer.

KAUL: Ich war auch ganz froh, dass wir fünf Kilometer gelaufen sind. Alles, was länger geworden wäre, wäre dann auch für mich wieder schwieriger geworden. Wir haben uns da ganz gut angepasst an das jeweilige Sportlerprofil.

Sie sprechen es an: Herr Lohscheller, Sie sind nicht nur CEO von Opel, sondern auch passionierter Marathonläufer. Können Sie sich in die Anstrengungen eines Zehnkämpfers hineinversetzen?

LOHSCHELLER: Ich bin ja kein Leistungssportler, ich kann es höchstens erahnen.

Wie oft kommen Sie in der Woche noch zum Laufen?

LOHSCHELLER: Ich laufe ungefähr 50 Kilometer in der Woche. Drei Mal in der Woche für morgens und einmal am Samstag eine längere Strecke, rund 25 Kilometer.

Was heißt bei Ihnen früh morgens?

LOHSCHELLER: Los geht es meistens gegen 6 Uhr. Das hat sich so eingespielt. Aber Gewohnheiten haben auch ihre guten Seiten, gerade auch in Corona-Zeiten. Der Ausgleich zum Beruf ist doch sehr wichtig für mich. Meine Frau sagt samstags immer: Bloß raus mit Dir! Ich achte auch sehr darauf, dass ich mich nicht verletze. Wenn ich mal vier Wochen nicht laufen könnte, wäre das ein Problem.

Apropos Corona. Herr Kaul, für einen Wettkampfsportler wie Sie sind die vergangenen Monate sicher nicht einfach gewesen. Wie motivieren Sie sich da überhaupt noch?

KAUL: Ich habe den großen Vorteil, dass ich ja nicht alleine trainieren muss. Da kann man sich gegenseitig motivieren. Trotzdem standen wir im November, Dezember mit vielleicht nur noch fünf Leuten in einer großen Halle, in der normalerweise vielleicht noch 60, 70 Kinder um einen herum sind. Das ist schon eine komische Stimmung gewesen.

Wie wichtig ist da, einen Partner wie Opel an der Seite zu haben, der Unterstützung leistet? Viele Unternehmen überlegen sich in Corona-Zeiten ganz genau, was sie dafür noch bereit sind zu investieren ...

KAUL: Ich freue mich natürlich über das Vertrauen gerade in der Corona-Zeit. Weil sie daran glauben, dass es nach wie vor eine gute Partnerschaft ist. Es ist gut zu wissen: Der Partner steht hinter mir und ist für mich da. Das gibt mir die Sicherheit in der Olympia-Vorbereitung.

LOHSCHELLER: Wenn wir eine Partnerschaft eingehen, dann gehen wir durch gute und auch durch schlechte Zeiten. Corona war jetzt eine schwierige Zeit, aber das gehört dazu. Ich glaube, wir sind dankbar, dass ein paar Sachen überhaupt möglich sind. Dass die Olympischen Spiele stattfinden, dass die Bundesliga stattfinden kann. Ich wurde auch bei Jürgen Klopp mal gefragt, als er mit Borussia Dortmund auf dem letzten Tabellenplatz war, ob er noch der richtige Markenbotschafter für uns wäre. Da habe ich nur gesagt: Das wird schon wieder besser werden, und heute freuen wir uns sehr, dass wir schon so lange eine so starke Partnerschaft haben.

Was muss ein Sportler mitbringen, dass Opel überhaupt ein Sponsoring eingeht?

LOHSCHELLER: Für uns ist es wichtig, dass ein Sportler zur Marke Opel passt. Nahbar und bodenständig. Genauso wie Jürgen Klopp. Zu uns passen keine Menschen, die abgehoben sind. Niklas Kaul ist hier aus unserer Region und immerhin Weltmeister im Zehnkampf. Dass er dabei so bodenständig geblieben ist, spricht für ihn.

Herr Kaul, was macht Opel für Sie aus?

KAUL: Opel ist eine Marke, die vielleicht immer ein bisschen unterschätzt wird, die aber in den vergangenen Jahren richtig gute Autos baut.

Okay, kleine Typ-Abfrage: Wenn Sie sich zwischen einem Cora, einem Mokka oder einem Grandland entscheiden müssten, welchen würden Sie wählen?

KAUL: Den Mokka. Da passt auch einiges rein, was ein Zehnkämpfer so braucht. Wir sind die, die zehn Disziplinen machen und 15 Paar Schuhe dabei haben.

Vor kurzem hat man bei Opel einen alten Manta modifiziert und mit einem Elektromotor versehen. Das Experiment sorgt schon nach den ersten Bildern für Aufsehen, sogar in den USA. Können Sie sich auch dafür begeistern?

KAUL: Ich habe die Bilder gesehen. Finde ich auch schön, muss ich ehrlich sagen.

Plant Opel eventuell mit einem Re-Design des Manta mit einem E-Motor mal in Serie zu gehen? Die Resonanz auf das Experiment Manta GSe ElektroMod muss Ihnen doch Rückenwind geben?

LOHSCHELLER: Ich bin auch freudig überrascht, wie wahnsinnig positiv das Feedback ist. Es sprechen uns viele Leute drauf an. Wir haben bei Opel die Idee von "Zurück in die Zukunft": Die Sachen, die bei Opel gut waren, wollen wir in die Zukunft transportieren. Da gehört der Manta natürlich dazu. Aber mit Elektrifizierung. Wir zeigen den Manta GSe ElektroMod dann auch der Öffentlichkeit und gucken uns das Feedback weiter ganz genau an. Im Wesentlichen geht es darum, wie wir die Marke Opel weiter nach vorne bringen. Wie machen wir sie attraktiv auch für jüngere Leute?

Zurück in die Zukunft gilt wohl auch für die Leichtathletik, es gibt wieder viele gute deutsche Spitzensportler in den Disziplinen. Woran liegt das?

KAUL: Zum Mehrkampf kann ich nur sagen: Es läuft seit Jahren wieder sehr gut. Vorbilder sind da sehr wichtig. Ich kann mich noch an meinen ersten Lehrgang mit 15 Jahren erinnern. Ich saß mit Jungs zusammen wie Rico Freimuth oder Michael Schrader, die damals schon Medaillen gewonnen hatten. Diese Verbindung von Top-Athleten und Jugend ist entscheidend, um immer wieder Nachwuchs in den Erwachsenenbereich zu bringen.

Herr Lohscheller, was erwarten Sie und was wünschen Sie Niklas Kaul für die Olympischen Spiele?

LOHSCHELLER: Ich erwarte natürlich gar nichts. Dabei sein ist in Tokio doch alles. Alle bei Opel sind aber ganz sicher sehr aufgeregt, wenn es endlich losgeht und drücken am Fernseher die Daumen. ok

Michael Lohscheller (52) ist selbst passionierte Langstreckenläufer und hat mittlerweile über 100 Marathons absolviert.
Niklas Kaul beim Stabhochsprung 2019 in Doha, wo er bislang jüngster Weltmeister in der Geschichte des Zehnkampfs wurde.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare