+
So wollen sie in der Großsporthalle diese Woche jubeln: Moritz Reichert (rechts) und Florian Ringseis.

United Volleys

Der Aufsteiger ist längst feste Größe

Zwei Auftritte innerhalb von sechs Tagen werden die United Volleys in dieser Woche in der Großsporthalle absolvieren. Am Dienstag gegen Roter Stern Belgrad, am Sonntag gegen Bundesliga-Tabellenführer Berlin. Die Vorbereitung auf die Spiele steht ein wenig auch unter dem Eindruck der Nachricht, dass Kapitän Christian Dünnes im Sommer geht.

Mitspieler wie Verantwortliche waren sich einig gewesen: Christian Dünnes sei nicht nur der geeignete Mann für das Amt des Sportdirektors des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV); man sollte und wollte dem Kapitän der United Volleys Rhein-Main diese berufliche Chance auch nicht verbauen, obwohl der Vertrag des 32-Jährigen beim Bundesligazweiten noch bis 2018 laufen würde. „Natürlich ist es schade, wenn ein Sportler mit so einer Persönlichkeit nicht mehr zur Verfügung steht“, sagt Moritz Reichert mit Blick auf den Abgang des Leitwolfs nach dieser Saison. Aber der Weg, den Dünnes jetzt gehe, sei wichtiger.

Dass der Verlust des ligaweiten Topscorers und wertvollsten Spielers der vergangenen Saison mittlerweile etwas leichter zu verkraften sein wird, liegt daran, dass sich die jüngeren Akteure im Team in der gemeinsamen Zeit gut entwickelt haben. Die Last der Verantwortung, von der Dünnes in der Premierenspielzeit den größten Teil auf dem Feld getragen hatte, hat sich mehr verteilt. „Das war von Anfang an die Idee“, bestätigt der 21-jährige Reichert. Nach dem hoffentlich erfolgreichen Abschluss, den die Mannschaft ihrem Kapitän in den nächsten Monaten bescheren will, erwartet der Außenangreifer weitere Rollenwechsel, unabhängig davon, dass Manager Henning Wegter sich optimistisch zeigt, einen passenden Ersatz für den Abgänger zu finden.

Reichert selbst gehört zu denen, die seit Beginn des Rüsselsheimer Projektes einen deutlichen Leistungssprung verzeichneten. Begleiteten den früheren Schüler des Frankfurter Volleyball-Internats bei seinen ersten Auftritten in der Beletage des deutschen Volleyballsports noch Unsicherheiten und Nervosität, sind die Ligaspiele zur Routine geworden. Was nicht heißt, dass er sie einfach abspult – im Gegenteil: Es zeichnet die Volleys aus, dass sie stets mit hundertprozentigem Engagement ans Netz gehen, und Reichert selbst konnte sich dabei zuletzt immer mehr hervortun. Allein in diesem Jahr ging er zweimal als Topscorer vom Feld, erst beim Auswärtserfolg im CEV-Pokal in Brcko, dann zuletzt auf nationaler Ebene beim Sieg gegen Rottenburg. Zudem rangiert der „Aufsteiger der Saison 2016/2017“ auf Platz zwei der Liste der besten Aufschläger.

Vor allem dort, also in der Spieleröffnung, aber auch in der Annahme sei er konstanter geworden, sagt Reichert. Neben den regelmäßigen Einsätzen bei seinem Verein, in dem er längst fester Bestandteil der Startformation ist, führt der nach einer Saison beim VfB Friedrichshafen nach Hessen zurückgekehrte Volleyballer seine Fortschritte auch auf die zwei Monate zurück, die er im Sommer bei der Nationalmannschaft verbringen durfte. „Dort mit den Topspielern zu trainieren, hat mich weiter gebracht“, sagt er.

Doch obwohl auch Vereinstrainer Michael Warm ihm zuletzt Lob zollte, bleibt der frühere U19-Weltmeister im Beachvolleyball selbstkritisch. „Der Block ist beispielsweise noch eine kleine Baustelle“, da müsse er sich deutlich verbessern. Entsprechend ist dem ehrgeizigen Sportler jede Möglichkeit recht, die ihn voranbringt. In dieser Saison zählen dazu die Partien im CEV-Pokal, wo die Volleys am Dienstag um 19.30 Uhr im Achtelfinalhinspiel in der Rüsselsheimer Großsporthalle auf die Mannschaft von Roter Stern Belgrad treffen.

Obwohl anders als vor dem ersten Duell gegen Brcko den Hessen diesmal Videomaterial vom Gegner vorliegt, wisse man doch weitaus weniger über die internationalen Teams als über die in der eigenen Liga, bei denen man so gut wie jeden Spieler kenne, erklärt Reichert. Zudem seien die Partien zweiteilige K.o.-Spiele, was die Herausforderung ebenfalls steigere.

Das volle Programm hat Reichert, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, noch keine Zeit gelassen, über seine eigene Zukunft nachzudenken. „Im Frühjahr wird man sich zusammensetzen und darüber reden“, sagt er nur. Bis dahin liegt sein Fokus allein darauf, mit seinem scheidenden Kapitän noch einmal eine richtig gute Saison zu erleben. kaja

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare