Kritik und Lob

Ausgewilderte Vögel wegen Mobbing flussabwärts angesiedelt

  • schließen

Die zehn geretteten Jungschwäne sind, nach einigen Startproblemen, jetzt flussabwärts angesiedelt worden. Eine Tierschützerin bemängelt den frühen Zeitpunkt der Freilassung.

Langsam kehrt Ruhe ein um die zehn ausgewilderten Schwäne vom Main – das jedenfalls hofft ihre Ziehmama Bianca Menssen, die vor zwei Wochen gemeinsam mit ihrem Mann Mathias die Tiere vom Wildtierzentrum in Saarburg-Wiltingen zurück nach Rüsselsheim gebracht hat.

In der Anfangszeit hätten es die Vögel nicht leicht gehabt: „Direkt am Tag nach dem Aussetzen gab es mit der ansässigen Schwanenfamilie Knatsch“, erzählt Bianca Menssen. Das Schwanenpaar, das seine Territorialherrschaft geltend machen wollte, habe die zehn Neulinge attackiert, kurzzeitig voneinander getrennt, sogar versucht sie zu ertränken. „Das war schon heftig“, erzählt sie.

Dass das passiert, sei abzusehen gewesen, meint Carmen Weitzel. Die Vorsitzende des Vereins Schwanenschutz-Komitee war seit Beginn der Schwanen-Saga im April in Kontakt mit der Familie Menssen. Von der Auswilderung habe sie allerdings nichts gewusst. Weitzel hält die Entscheidung für unverantwortlich, weil laut Bundesnaturschutzgesetz die Tiere erst freigelassen werden dürften, sobald sie selbst fähig sind, zu überleben. „Solange sie noch nicht fliegen können, ist das nicht der Fall!“, sagt Weitzel.

Dagegen hält Jürgen Meyer, Vorsitzender des Wildtierzentrums. „Wären die Tiere flugfähig, würden sie bei der kleinsten Störung wegfliegen – und sonst wo landen. Die kennen sich ja nicht aus hier“, meint er.

Noch bis zum Frühjahr mit der Auswilderung zu warten, wie Carmen Weitzel es vorschlägt, hält er für problematisch. „Bis dahin sind die Tiere völlig fehlgeprägt“, meint er.

Ein weiteres Problem sieht Weitzel darin, dass die Altschwäne, sobald die Mauser vorbei ist und sie wieder fliegen können, auf Nahrungssuche gehen. Bei Konkurrenz würde sich schlichtweg der Stärkere durchsetzen, und die jungen, flugunfähigen Schwäne würden unterliegen. „Es sind ja Handaufzuchten – die kommen aus einer heilen Welt“, meint sie.

Dass eine Attacke nicht ausbleibt, habe Meyer den Menssens ebenfalls prophezeit. „Aber die Tiere sind groß genug, sich zu wehren“, ist er sich sicher. Sie seien ausreichend sozialisiert, hätten im Zentrum mit Altschwänen zusammengelebt.

„Die Bedingung, dass wir die Tiere jetzt schon in Rüsselsheim freilassen, war: Es muss Leute vor Ort geben, die sich kümmern“, erläutert Meyer. Das geschehe – „vorbildlich sogar.“ Das Wildtierzentrum stehe ständig in Kontakt mit der Familie Menssen.

Zur Sicherheit der Schwäne hat das Ehepaar die Tiere nun weiter flussabwärts angesiedelt. Dort kümmert sich ein Angler, der dort wohnt, mit um die Tiere. „Er unterstützt uns beim Füttern, sagt sie. Drei Mal am Tag bekommen die Tiere Futter, mindestens ein Mal täglich schaut Menssen persönlich vorbei. „Das finde ich gut – und es ist die einzige Möglichkeit, wie die Tiere überleben können“, lobt auch Weitzel. Dennoch sei es wichtig, wachsam zu bleiben.

Menssens könne sie nur raten, die Tiere oft zu beobachten und vor allem harte Brötchen und kleine Zweige bereitzuhalten. „Wenn einer der Altschwäne versucht, einem Jüngeren auf den Rücken zu steigen, sollten die Menssens versuchen, ein Brötchen oder einen Zweig auf den Rücken des Altschwans zu werfen – natürlich ohne ihn zu verletzen“, rät sie. Dadurch würden die Tiere sofort ablassen. Sicherheit gebe es aber erst, sobald die jungen Schwäne fliegen können. Bianca Menssen ist in dieser Hinsicht zuversichtlich: „Die Kleinen machen eifrig ihre Flugübungen.“

Und glücklich darüber, dass es den Tieren gut geht, sind alle beteiligten Schwanen-Freunde. „Den Schwänen geht es super“, sagen Menssen und Meyer, und auch Carmen Weitzel ist zumindest erleichtert: „Ich bin unheimlich froh, dass die Schwänchen in Sicherheit sind“, erklärt Carmen Weitzel.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare