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Richard Daum gehört zu denjenigen beim OGV Bauschheim, die sich jetzt um den Winterschnitt der Apfelbäume kümmern.

Tag des deutschen Apfels

Die Bäume sind im Sparmodus

Der 11. Januar ist der Tag des deutschen Apfels. Das Obst kauft der Verbraucher in der Regel im Supermarkt oder auch beim regionalen Erzeuger. Doch wegen zweier Extremjahre in Folge könnte die Apfelernte dieses Jahr geringer ausfallen.

In sieben Monaten ist es wieder soweit. Sollte es während der Blütezeit im Frühling zu keinem unerwarteten Frosteinbruch kommen, werden die Apfelbäume ab August wieder Früchte tragen. Glücklich kann sich derjenige schätzen, der einen Apfelbaum im Garten stehen hat. Glücklich kann sich auch derjenige schätzen, in dessen Nähe noch regional angebaute Äpfel verkauft werden.

Auf der Streuobstwiese oder im Garten wachsen in der Regel noch die alten Apfelsorten. Die können vielleicht nur knapp so groß werden wie ein Tennisball oder die Ausmaße einer Grapefruit annehmen. Sie kommen auf keinen Fall so „gestylt“ daher wie die Äpfel aus dem Supermarkt. Wer aber einmal in einen Roten Jonathan, einen Gravensteiner oder in einen Pfannkuchenapfel gebissen hat, der weiß den Unterschied zu schätzen.

Die Anlage des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Bauschheim: An diesem grauen Januartag sehen die Apfelbäume aus wie surrealistische, tote Gerippe. Und doch ist bereits der Grundstock für die Ernte 2019 gelegt. „Man kann jetzt schon am Austrieb der Äste erkennen, dass die Apfelernte in diesem Jahr geringer als 2018 ausfallen wird.“ Richard Daum gehört zu den Aktiven des OGV, die sich regelmäßig um die Obstbäume kümmern. Derzeit steht der Winterschnitt an.

Ungewollte Regeneration

„Und dabei gehen wir in diesem Jahr weniger umfangreich vor als sonst“, erläutert der Fachmann, der Mitte Februar für Hobbygärtner Baumschnitt-Kurse geben wird. Der Grund liegt im unerwarteten Frosteinbruch im April 2017. Damals erfroren auch beim OGV die Apfelblüten. Es gab so gut wie keine Früchte. Für die Bäume war dies jedoch eine ungewollte Regeneration. „Umso mehr Äpfel hatten wir im vergangenen Sommer, der ja zudem besonders warm war“, ergänzt OGV-Vorsitzende Marion Ullmann. Somit gehen die Bäume jetzt von selbst in den Sparmodus über.

Auch wenn die Bäume auf der OGV-Anlage erst in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre gepflanzt wurden, so handelt es sich doch um alte Sorten wie Berlepsch, Landsberger Renette, Alt Oldenburger, Topaz und Reglindis. Wenn am letzten Sonntag im September der OGV zum Erntefest einlädt, wird es wieder – sofern es zu keinem Frosteinbruch im Frühling kommt – ein Fest für den Gaumen geben.

„Aus unseren Äpfeln machen wir Most, den wir am Erntefest ausschenken. Auch eigenen Schnaps lassen wir brennen“, lässt Marion Ullmann schon jetzt Vorfreude aufkommen. Apfelwein ist bei den Bauschheimern allerdings nicht angesagt. „Dafür besteht anscheinend kein Bedarf.“

16 verschiedene Sorten

Ganz anders wenige Kilometer Luftlinie entfernt, wo der Apfelwein made in Haßloch die Produkte alteingesessener Keltereien alt aussehen lässt. Der Apfel spielt auch bei „Mir Haßlischer“, dem Haßlocher Verein für Brauchtums- und Heimatpflege, eine große Rolle. „Auf unserem Vereinsgelände stehen 20 Apfelbäume mit 16 verschiedenen Sorten“, erläutert Vereinsvorsitzender Friedel Roosen.

Er kann sich bestens an seine Kindheit erinnern, als Streuobstwiesen und große Gärten mit vielen Obstbäumen das damals dörfliche Haßloch prägten, genauso wie im früher ebenfalls noch mehr bäuerlich geprägten Bauschheim. „Mit der zunehmenden Bebauung sind die alten Bäume mehr und mehr verschwunden“, bedauert Roosen. In Bauschheim wurden zugunsten des heutigen Globus-Areals unter anderem unzählige Apfelbäume aufgegeben.

Wer „Mir Haßlischer“ kennt, der weiß, dass bei den Veranstaltungen des Vereins immer ein exzellenter Apfelwein ausgeschenkt wird. Und der stammt von den vereinseigenen Äpfeln. „2017, als der Frosteinbruch die Apfelblüten zerstört hat, mussten wir allerdings die Äpfel einkaufen“, erläutert Roosen. Der apfelfreie Spätsommer hat allerdings dazu geführt, dass sich die Bäume in Haßloch ebenfalls erholen konnten.

Das Ergebnis: Gut 45 Zentner an Äpfeln haben die „Mir Haßlischer“-Aktiven im vergangenen Jahr geerntet und zu 1300 Litern Apfelwein verarbeitet. „Und aus dem Fallobst haben wir Apfelbrei und Apfelkuchen zubereitet.“ Außer Haus werden „Mir Haßlischer“-Äpfel sogar zu hochprozentigem Apfelbrand verarbeitet.

von RALPH KEIM

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