Kultur

Sie basteln eine Landkarte für die Kunst

Nach der Art-Map kommt nun die Culture-Map. Die Rüsselsheimer Künstler Sam Khayari und Daniel Vargas haben sich für das Projekt zusammengetan.

Wenn Sam Khayari und Daniel Vargas von der Culture-Map sprechen, schwingt in jedem Satz eine Menge Idealismus mit. Sie reden von Rüsselsheims Potenzial, von der kulturellen Vielfalt und den zahlreichen Künstlern, die in der Stadt und den umliegenden Gemeinden leben und arbeiten. Wo diese zu finden sind? An diesem Punkt setzt die Culture-Map an.

Die beiden Rüsselsheimer Künstler wollen mit ihrem Projekt eine Übersicht schaffen. „Für jemanden, der neu hierher kommt, gibt es einfach keine Plattform, die gesammelt die hier ansässigen Künstler vorstellt“, erzählt Khayari.

Der „Kreativnomade“, wie er sich selbst nennt, hat es sich im letzten Jahr bereits zur Aufgabe gemacht, Rüsselsheims öffentliche Kunstwerke und Denkmäler auf einer Online-Karte zugänglich zu machen. „Die ArtMap fand ich cool“, sagt Daniel Vargas. Der Musiker, der schon früher mit Khayari zusammengearbeitet hat, will die Idee weiterentwickeln und kommt auf Sam Khayari zu. „Wie wäre es, wenn wir so etwas für Künstler machen?“, schlägt er im November vor.

Die beiden erarbeiten ein Konzept und treffen wichtige Entscheidungen: Nach welchen Kriterien werden die Künstler vorgestellt? Welche Darstellungsform ist die passende? Letztendlich ist klar: Die Culture-Map soll genreoffen sein – vom Maler über Bands bis hin zu Tattoo-Künstlern. Dabei dürfen sich alle mit kleinen Videos selbst präsentieren, moderiert durch Vargas und Khayari. „Wichtig war uns, dass die Künstler einen besonderen Zugang, eine besondere Hingabe zur Kunst haben“, sagt der Initiator der Art-Map.

Visuell soll ein Zusammenhang entstehen, der die Videos verbindet. „Deshalb haben wir uns entschieden, die Filme in schwarz-weiß zu produzieren“, so Vargas.

Viel entstehe im Prozess, Khayari beschreibt das Projekt als „organisch“. Das erste Video ist bereits veröffentlicht, vorgestellt wird dort die Malerin Svenja Badeck. Unterlegt ist der Film mit Beats von Vargas, der selbst auch DJ ist.

„Für die Culture-Map stehen für uns stark an Kultur Interessierte als Zielgruppe im Fokus“, verrät Sam Khayari. „Uns ist aber auch wichtig, dass für jeden etwas dabei ist“, ergänzt Daniel Vargas. „Ich glaube, in jedem schlummert ein Interesse an Kultur“, sagt er. Die Leute müssten nur wissen, welche Kunst wo zu finden sei. Außerdem soll das Projekt Künstler zusammenführen. „Hier in Rüsselsheim fehlt leider bislang die Möglichkeit für Künstler, zusammenzukommen“, sagt Khayari. „Es gibt keine Räumlichkeit zum Austausch.“ Künstlertreffen oder Symbiosen verschiedener Kunstformen soll die Culture-Map anstoßen. Wie das gehen kann, wollen Khayari und Vargas auch beim Kultursommer zeigen: Sam Khayaris Vernissage wird dort von Vargas am DJ-Pult begleitet.

Karl-Heinz Becker vom Kunstverein Rüsselsheim, dem viele lokale Künstler angehören, unterstütze die Idee. „Wir sehen uns nicht als Konkurrenz“, versichert Khayari. Vielmehr sei man auf Synergien aus und wolle sich ergänzen.

Dass in Rüsselsheim oft vieles schlechtgeredet werde, nervt die beiden Culture-Map-Entwickler. „Wir sehen, dass es viele Leute von hier auch international geschafft haben“, sagt Khayari und verweist damit beispielsweise auf Andrei Koschmieder und Michael Riedel. „Weiter an die eigene Kunst zu glauben, ist unser Hauptantrieb“, so der Künstler weiter. Die nächsten Interviews sind bereits in Planung, darunter mit Mario Hergueta, Bengt Foßhag und Pascal Hix, der für die Breakdance-Veranstaltung Royal Battle verantwortlich zeichnet.

„Wir wollen jetzt erstmal Content schaffen, damit es interessant wird“, erzählt Khayari. Dadurch sollen junge Künstler auch ermutigt werden, sich aktiv bei Culture-Map zu melden und so sichtbar zu werden.

Motiviert sind Sam Khayari und Daniel Vargas in jedem Fall. „Es ist der falsche Ansatz, aufzugeben“, sagt Vargas. Das findet auch Khayari: „Rüsselsheim braucht sich nicht in den Schatten stellen lassen.“

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