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Viele Fahrzeuge, große Hallen: Was mit dem Nauheimer Bauhof wird, ist weiterhin unklar.

Weitere Analysen gefordert

Bauhof: Machbarkeitsstudie für Fusion fällt durch

Händeringend verteidigt Erik Schmidtmann seine Machbarkeitsstudie für die Fusion der Bauhöfe von Nauheim und Trebur. Vergeblich: Nach 140 Minuten Debatte fällt sein 62-seitiges Papier ebenso durch wie die Beschlussvorlage des Gemeindevorstands.

Die Fraktionen von Grünen, SPD und FDP haben im Haupt- und Finanzausschuss der bislang geplanten und mit Trebur abgestimmten Vorgehensweise für die mögliche Zusammenlegung ihrer Bauhöfe einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie bescheinigten der Machbarkeitsstudie gravierende Mängel und halten es für verfrüht, die vom Gemeindevorstand gewünschten weiteren Schritte einzuleiten. Die FDP hält den Plan sogar jetzt schon für gescheitert.

Grünen-Fraktionsvorsitzender Marco Müller spricht zu dem Thema mehr als eine halbe Stunde. Er begründet in erster Linie einen Änderungsantrag seiner Fraktion, beklagt fehlende Detailschärfe der Studie, Lücken bei wichtigen Angaben, unzureichende Analysen und falsche Fahrzeug- und Personallisten. Müller fordert eine Vorabgenehmigung des Standorts und wünscht aufgrund schon gefasster Beschlüsse Alternativlösungen für Nauheim mit einer eigenen Bauhofverlagerung.

Müller stellt außerdem die in Aussicht gestellten 300 000 Euro Ersparnis pro Jahr in Frage, zumal ein Bauhofneubau an der Gemarkungsgrenze zwischen Nauheim und Trebur 4,6 Millionen Euro kosten solle. Zweifel an einer Anstalt des öffentlichen Rechts als sinnvolle Betriebsform werden ebenfalls geäußert. Die sozialen Aspekte der Mitarbeiter seien noch gar nicht diskutiert.

Vertreter von SPD und FDP machen es kürzer, aber nicht weniger folgenreich: Den Sozialdemokraten fehlen etliche Informationen, eine Entscheidung käme ihnen jetzt viel zu früh. „Ich lass’ mir nicht die Pistole auf die Brust setzen, hopp oder topp“, sagt Sozialdemokrat Frank Schmitz. Gerd Petersen (FDP) hält einen Folgebeschluss für eine sechsstellige Summe für unnötig. Mit den vorliegenden Zahlen sei jetzt schon klar: Das Projekt sei gescheitert.

Schmidtmann hört sich die Schelten zunächst ruhig an, wird aber mit zunehmender Dauer ebenso impulsiv wie seine Kritiker. „Hier wird mit völlig unterschiedlichen Halbwahrheiten argumentiert“, sagt er. Mehrfach verweist er auf seine Erfahrung („20 Jahre mit Kommunalbetrieben“), um sich über mangelndes Vertrauen zu beschweren. Er widerspricht der Anschuldigung, nicht ergebnisoffen an das Thema rangegangen zu sein. Vorschläge für einen effizienteren Bauhof in Nauheim seien nicht Sinn der Studie gewesen.

Die nun verlangten Lösungen und zusätzlichen Angaben seien nicht möglich, weil Daten fehlten. Aufhorchen lassen Bemerkungen zu seinem Honorar, das rund 40 000 Euro betrage. „Mit dem Geld, was sie uns zur Verfügung stellen, wird es eine Überarbeitung mit mir nicht geben, es ist nicht machbar“, wehrt er sich. Nur Fehler könnten verbessert werden, mehr nicht. Hätte er 80 000 Euro für seine Arbeit verlangt, wäre das seiner Meinung nach „unseriös“ gewesen. Dann wären vielleicht alle Fragen beantwortet worden, aber das hätte den beiden Kommunen „keinen Mehrwert geboten“.

Nicht zielführend wirkt Schmidtmanns Aussage: „Die erste Scheibe ist gegessen, sie müssen zur nächsten gehen. Ein Abbruchkriterium gibt es auch noch später.“ Die Aufforderung des Unternehmers aus Rodgau korrespondiert mit einer rhetorischen Frage des CDU-Fraktionsvorsitzenden Winfried Rehm: „Sind wir zukunftsorientiert oder wollen wir mal irgendwo ein bisschen stehen bleiben?“ Auch Wolfgang Schmall von der FLN würde lieber schon jetzt die Weichen für die Fusion stellen. CDU und FLN sind allerdings in der Minderheit.

Was bleibt, wenn die Gemeindevertretung am Donnerstag, 2. November, dem Hauptausschuss folgt? Abbrechen will außer der FDP das Projekt noch niemand, obwohl diese Möglichkeit im nun obsoleten Beschlussvorschlag des Gemeindevorstands alternativ aufgeführt war. Der Mehrheitsbeschluss sagt nun: Die Studie muss verbessert werden. Doch das will und kann Schmidtmann nach bisheriger Aussage nicht leisten.

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