Patrick Burghardt (r.) gratuliert seinem Nachfolger Udo Bausch. SPD-Chef Nils Kraft (l.) hatte Bausch zur Kandidatur bewogen.
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Patrick Burghardt (r.) gratuliert seinem Nachfolger Udo Bausch. SPD-Chef Nils Kraft (l.) hatte Bausch zur Kandidatur bewogen.

Neuer Oberbürgermeister

Udo Bausch gewinnt die OB-Stichwahl

  • vonRobin Göckes
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Die Rüsselsheimer Wähler wollten einen Wechsel. Mit knapper Mehrheit und nach einer echten Zitterpartie hat Herausforderer Udo Bausch die OB-Stichwahl für sich entschieden.

Rüsselsheim bekommt einen neuen Oberbürgermeister. In der Stichwahl setzte sich Herausforderer Udo Bausch (parteilos) gegen Amtsinhaber Patrick Burghardt (CDU) durch. Bausch konnte 50,7 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinen, Burghardt kam lediglich auf 49,3 Prozent. Bei einer Wahlbeteiligung von 37,8 Prozent machten am Ende 226 Stimmen den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage aus.

Dem Ergebnis gingen für die beiden Bewerber um den Chefposten im Rathaus bange Stunden voraus. Burghardt verfolgte die Übermittlung der Ergebnisse aus den einzelnen Wahlbezirken im Kreise vieler Anhänger und zusammen mit seiner Frau Stefanie in der Rotunde des Rathauses. Bausch hatte sich mit seinen Unterstützern wie schon beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen zurückgezogen.

Weder die beiden Kandidaten noch deren Unterstützer waren überrascht davon, dass zwischen Burghardt und Bausch den ganzen Wahlabend über nur vergleichsweise wenige Stimmen lagen. „Wir sind mit einem guten Gefühl in den Abend gegangen, aber dass es knapp werden würde, war uns klar“, sagte Udo Bausch, nachdem Burghardt ihm zu seinem Sieg gratuliert hatte. Bausch hatte eine einfache Erklärung für seinen Sieg. „Ich denke, dass wir die richtigen Themen hatten“, sagte er und nannte die Entwicklung der Innenstadt, die Schaffung neuen Wohnraums sowie Sicherheit und Sauberkeit. „Die Wähler haben mir geglaubt, dass ich diese Dinge angehen möchte.“ Er habe von der Verlängerung des Wahlkampfes um zwei Wochen nach dem ersten Wahlgang am 24. September profitieren können. „Ich war ja der Unbekannte, da habe ich zuletzt noch zulegen können.“

Patrick Burghardt zeigte sich als fairer Verlierer des Wahlkampfes. „Wenn man hier in Rüsselsheim kandidiert, dann weiß man vorher, dass es genauso schnell vorbei sein kann, wie es angefangen hat“, sagte Burghardt. Er sei immer davon ausgegangen, dass es eng werden würde.

Während bei der Rüsselsheimer CDU Traurigkeit ob des Ergebnisses des Abends vorherrschte, waren die Unterstützer Bauschs in Feierlaune. „Viele Rüsselsheimer haben das Gefühl gehabt, dass mit Udo Bausch mehr Ruhe und Sachlichkeit in das Rathaus kommen wird. Er kann Brücken bauen, dass haben viele in ihm gesehen, denke ich“, sagte SPD-Chef und Baustadtrat Nils Kraft. Zudem sei Bausch kein klassischer Politiker wie er oder Burghardt, was wohl auch geholfen habe. Auch eine gewisse Unzufriedenheit mit der Amtsführung habe nach seiner Einschätzung eine Rolle gespielt.

„Der Wähler hat den Reset-Knopf gedrückt“, kommentierte Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne) das Wahlergebnis mit einem Verweis auf eine Äußerung Burghardts während des Wahlkampfes. Er habe bereits in den letzten Tagen gespürt, dass die Stimmung in der Stadt zugunsten Udo Bauschs gekippt sei. „Er ist unaufgeregt und setzt auf Inhalte. Das war ein Kontrastprogramm und es hat funktioniert“, meinte Grieser.

Thomas Jühe (SPD), der Bürgermeister der Nachbarkommune Raunheim, fürchtet indes, dass mit der Wahl Bauschs die weitere interkommunale Zusammenarbeit der Städte Rüsselsheim, Raunheim und Kelsterbach schwieriger wird als bisher. „Im Wahlkampf hat Herr Bausch davon gesprochen, sich etwa in Richtung Frankfurt orientieren zu wollen. Von Raunheim oder Kelsterbach habe ich da nichts gelesen“, sagte Jühe.

Burghardt kündigte an, nach dem langen Wahlkampf in den vergangenen Wochen nun erst einmal Erholung zu suchen. Ein kurzer Urlaub ist geplant, nach Möglichkeit ganz ohne Politik, dafür mit viel Zeit für die Familie. Nach Kreta soll es für ihn und seine Frau gehen.

Udo Bausch indes will die kommenden Monate dafür nutzen, seine Amtsgeschäfte in Bad Kreuznach, wo er bislang noch Dezernent ist, abzuwickeln und sich zudem schon soweit wie möglich in die Rüsselsheimer Prozesse einzuarbeiten. Am 1. Januar 2018 steht dann die Übergabe der Amtsgeschäfte vom alten an den neuen Oberbürgermeister der Stadt Rüsselsheim an.

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