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Martina Werk (im Bild) und Beatrice Menges engagieren sich in ihrem Ortsteil - mit Erfolg. Knapp 200 Kilogramm Müll haben die beiden Initiatorinnen und ihre Mitstreiter innerhalb weniger Wochen gesammelt.

Umwelt

Bauschheim: Einsatz für ein sauberes Bauschheim

  • Stella Lorenz
    vonStella Lorenz
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Beatrice Menges und Martina Werk wurde es zu viel - zu viel Müll in ihrem Ortsteil, um genau zu sein. Über Facebook taten sie sich kurzerhand zusammen gründeten die Umweltinitiative Bauschheim.

Bauschheim -Eine Plastiktüte hier, ein Herrenschuh dort, Styropor-Packungen am Wegesrand, abgepackte Würstchen im Gebüsch - die Liste an Dingen, die Menschen achtlos mitten in der Natur wegwerfen, ist kurios und lang. Davon kann Beatrice Menges ein Lied singen. Die Naturschützerin klaubt seit Sommer 2019 quasi täglich Müll im Vorbeigehen auf. Bisher war sie gefühlt allein mit ihrem Kampf gegen den Abfall. "Der Aufruf auf Facebook war quasi meine letzte Hoffnung", sagt sie. Eine derjenigen, die sich meldet, ist Martina Werk. Und was dann folgt, kann durchaus als kleine Erfolgsgeschichte gesehen werden, die sich mit Sicherheit noch entwickelt.

Gemeinsam für die gute Sache

"Ich hatte Bea schon öfter im Ort gesehen", erinnert sich Martina Werk. Zu Beginn der Corona-Pandemie war sie es, die mit einem allgemeinen Aufruf zahlreiche Menschen zum Masken-Nähen motiviert hatte - sie weiß, wie gut es tut, nicht alleine für eine Sache zu kämpfen, und mehr noch: Sie hat zum Zeitpunkt von Menges' Aufruf bereits ein großes Netzwerk. Die Frauen gründen eine Whats-App-Gruppe, später eine eigene Facebook-Gruppe. Ein Name ist auch schnell gefunden: die Umweltinitiative Bauschheim ist geboren. "Anfang Oktober hatten wir ein Dutzend Leute", sagt Werk. Außerdem ist auch gleich die Stadt Rüsselsheim an Bord, die die Truppe mit Greifzangen und Müllsäcken ausstattet, die bei den Streifzügen ausgegeben werden. "Das ist wirklich toll, die Stadt kümmert sich auch um die Entsorgung nach den Sammelaktionen", so Menges. Organisiert werden die Treffen über WhatsApp. Das laufe recht spontan, aber auch relativ regelmäßig, berichten die beiden Aktivistinnen.

Corona diente vielleicht auch etwas als Katalysator für die gute Annahme der Initiative: Schließlich findet das Ganze im Freien statt und man verteilt sich weiträumig; noch dazu sind viele aufgrund von Kurzarbeit flexibler. "Wir haben natürlich noch mehr Ideen", sagt Menges augenzwinkernd. Zum Beispiel sollen selbstgebaute Wildbienenhäuser aus Hartholz angefertigt werden, die gegen eine Spende erstanden werden können. Die Erlöse fließen in weitere Materialbeschaffung. Auch Sponsoren hat die Gruppe schon gefunden, darunter der Bauschheimer Globus-Markt, der Lions Club Cosmopolitan oder der Raiffeisenmarkt Bauschheim, die Müllsammel-Utensilien spenden.

Bereits 200 Kilo Müll gesammelt

Die Initiative sieht sich als Untergruppe des Natur- und Vogelschutzvereins Bauschheim (NVB), in dem beide Frauen aktiv sind. Wie wichtig Synergien sind, wissen die Bauschheimerinnenn ganz genau. ""Ich allein konnte nicht so viel bewegen, aber sobald wir zu zweit waren, ging alles viel besser. Wir ergänzen uns super", sagt Beatrice Menges fröhlich. Das gemeinsame Ziel eint sie: "Wir können vielleicht nicht sofort die Welt retten, aber wir können Bauschheim ein bisschen sauberer machen", sagt Martina Werk. Dabei sind beide Realistinnen: "Diejenigen, die ihr Zeug einfach wegschmeißen, können wir vermutlich nicht bekehren", so Werk. "Aber", ergänzt Menges, "wir können Aufmerksamkeit generieren und auch die Kinder dafür sensibilisieren." Aufgeben oder die Frustration siegen zu lassen, komme jedenfalls nicht infrage. "Wer so denkt, braucht gar nicht erst anfangen", sagt Werk und schmunzelt.

Der Plastik-Horror, den viele nur von Bildern verendeter Tiere in den Ozeanen kennen, sei längst hier angekommen, so Menges. Verendete Spitzmäuse in Flaschenhälsen oder in Kunststoffschnüre verhedderte Krähen, die kopfüber aus dem Nest baumeln, seien keine Einzelfälle. "Ich finde es grausam, wie das die Tierwelt belastet", sagt Menges. Vom Mikroplastik wolle sie gar nicht anfangen. "Das treibt uns an", bekräftigen beide Frauen. "Ich glaube, man braucht einfach Menschen, die das organisieren", sagt Menges. Dann zögen die anderen nach. Das funktioniert gut: 200 Kilogramm Müll wurden bisher gesammelt, bei der letzten Aktion am vergangenen Sonntag engagierten sich 30 Menschen. Stella LorenZ

Selbst mitmachen: Wer sich in der Umweltinitiative Bauschheim engagieren oder mehr darüber erfahren möchte, kann sich per Mail an umweltinitiative.bauschheim@gmail.com wenden oder direkt in der Facebook-Gruppe unter dem Suchwort "Umweltinitiative Bauschheim" nachschauen. lor

Zangen hoch: Beatrice Menges im Einsatz gegen die Vermüllung.

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