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Die Kunststücke auf der Bühne sorgen für donnernden Beifall aus den Reihen des Publikums.

Fest in der Innenstadt

Was war los beim Rieslingsonntag in Rüsselsheim?

Rieslingsonntag bedeutet: viele Menschen in der Innenstadt und belebte Fußgängerzonen. Die Menschen wissen aber, dass das eben nicht der Alltag in der City ist.

Den Rieslingsonntag auf einer Baustelle feiern – warum nicht? Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Und Wege bahnten sich die vielen hundert Besucher am Sonntag tatsächlich, vorbei an Absperrungen, über ausgelegte Schutzteppiche und auf der provisorisch asphaltierten Frankfurter Straße. So ein bisschen hatte das Ganze Pioniercharakter. Es war der erste große Andrang in der halbfertigen, neu gestalteten Innenstadt vor dem dann erhofften Massenansturm beim Hessentag.

Ein wenig Obacht zu geben hatten die Besucher aber durchaus. „Da muss man aufpassen, dass man nicht hinfällt“, entfuhr es einer älteren Frau, als sie am Friedensplatz vorsichtig einen Fuß vor den anderen setzte, um nicht über die Ränder der ausgelegten Teppiche zu stolpern.

Baustelle hin oder her: Rieslingsonntag und Candlelight-Shopping sind nach wie vor die Magnete für die Menschen. Dann ist es besonders in den nördlichen Abschnitten der Marktstraße und der Bahnhofstraße schwer, noch das Pflaster zu sehen, weil sich Menschen dicht an dicht drängen. Im Gegensatz zu den Werktagen, wenn in der Innenstadt dann doch deutlich weniger los ist.

Ayse Simsek kann davon ein Lied singen. Sie hat ihre nach ihrem Vornamen benannte Smoothie-Bar im Januar eröffnet. „Hier ist nur in der Mittagszeit etwas los“, berichtet sie. Mit nur einem Viertel des Publikums vom Rieslingsonntag auch an den normalen Werktagen wäre sie zufrieden. „Die Stadt hat aber nichts zu bieten“, nimmt sie kein Blatt vor den Mund. Sie selbst fährt in die Großstädte, wenn sie Kleidung kaufen will. Die Baustelle am Marktplatz und in der Frankfurter Straße ist für sie eine Katastrophe. Dass sie ihr Lokal mit Beginn der Bauarbeiten eröffnete, war ein Zufall. Die Laufkundschaft habe bisher gefehlt. „Und hier fahren jeden Tag die Bagger durch“, ist sie entsetzt.

Bagger waren am Sonntag nicht zu sehen, stattdessen Menschen, die sich an den Ständen den Riesling schmecken ließen, mit Kleinigkeiten ihren Gaumen verwöhnten, aber auch die Vereine besuchten, die die Gelegenheit für eine Präsentation nutzten.

Der Marktplatz ist zum Teil fertiggestellt. Auch hier ließen sich vor der Bühne die Menschen nieder. Johnny Klinke war mit seinem Varietétheater Tigerpalast in Rüsselsheim. Er wird im kommenden Jahr am 10. und 11. Juni in der Halle K48 der Firma Opel seine Show präsentieren. Einen ersten Eindruck gewannen die Gäste vor der Bühne mit dem Diabolo-Künstler Chu Chuan Ho und den Akrobaten Grynchenko Brothers.

Doch zurück zu den Geschäftsleuten und ihren Erfahrungen. Susanne Junginger, Geschäftsführerin des gleichnamigen Mode-Geschäfts, freut es, dass die Baustelle bald Geschichte sein wird. Seit Beginn der Bauarbeiten hat sie Umsatzeinbußen von 15 Prozent hinnehmen müssen, sagt sie offen.

Ihre Stammkunden konnte sie durchaus weiterhin begrüßen, dies aber auch, weil sie die Initiative ergriff und die Kunden anschrieb oder sogar anrief, wenn sie etwas Neues anbot. Die Laufkundschaft fehlte ihr aber. Seit die Frankfurter Straße wieder provisorisch begehbar ist, hätten nun auch die älteren Leute mit Rollatoren wieder die Möglichkeit, ihr Geschäft aufzusuchen. Vom Hessentag erhofft sich Junginger, dass er ihr den Umsatz bringt, den sie jetzt verloren hat.

„Heute geht es sehr gut“, freut sie sich über den Zuspruch am Rieslingsonntag. Sie glaubt, dass das Ambiente der Innenstadt die Rüsselsheimer von einem Besuch an den normalen Tagen abhält.

Auch Thomas Hartmann bringt die ausgebliebene Laufkundschaft der vergangenen Monate mit den Baustellen in Verbindung. Einen Umsatzverlust hat der Inhaber von Hartmann Moden und Vorsitzende des Treffpunkt Innenstadt ebenfalls hinnehmen müssen. Er könne ihn aber schwer beziffern.

Dass die Innenstadt in der Regel nicht gut besucht sei, wollte er so nicht stehenlassen. „Aber am Sonntag haben die Leute eben Zeit“, stellt er fest. Auf den Hessentag freut er sich, „das wird schön“, ist er sich sicher. Er erwartet einen Imagegewinn, auch weil der Marktplatz und der Friedensplatz neu gestaltet wurden.

Ein paar neue Geschäfte gibt es ja auch in der City. „Da hat jetzt auch noch ein Asiate aufgemacht“, bemerkt eine Passantin in der Bahnhofstraße. Selina und Stefan Rimbel sind mit ihrem zwei Jahre alten Sohn unterwegs. Sie sind eher seltene Besucher der Innenstadt, weil sie sich zuletzt nicht mehr von ihr angezogen fühlten. „Es ist aber wieder sehenswert“, hat die 26 Jahre alte Mutter notiert.

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