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„Generation Rücksitz“

SPD beobachtet Chaos vor Schulen mit Sorge – Runder Tisch gefordert

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Elterntaxis sorgen an Rüsselsheims Schulen allmorgendlich für Chaos. Die SPD hat sich das Treiben in den vergangenen Wochen angeschaut und fordert den Magistrat zum Handeln auf.

Als der silberne Mercedes plötzlich auf der Straße wendet, kommt das Auto den Kindern dahinter gefährlich nah. Ein anderer Wagen wendet erst gar nicht. Sein Fahrer dreht lieber eine Schleife um den Block – die mitten durch eine verkehrsberuhigte Zone führt. Auch er wird sich allerdings gedulden müssen, denn auch dort staut sich am Mittwochmorgen der Verkehr. Manch ein Wagen steht sogar im Halteverbot.

Für das Chaos verantwortlich sind die Eltern, die ihre Kinder zum Unterricht in die Eichgrundschule fahren. „Das ist dramatisch hier“, sagt der SPD-Stadtverordnete Olaf Kleinböhl über die allmorgendlichen Elterntaxis. Und er muss es wissen. Schließlich haben Kleinböhl und seine Genossen sich in den vergangenen Wochen die Verkehrssituation an mehreren Rüsselsheimer Schulen angeschaut.

An einer Grundschule könne er zwar noch nachvollziehen, dass Eltern ihren Kindern den Schulweg nicht allein zumuten wollen, doch besser sei es, wenn die Kinder selbst zu Fuß kommen würden. Zumal an der Eichgrundschule die meisten Kinder aus dem umliegenden Viertel kämen.

Kein Verständnis

Kein Verständnis zeigt er dagegen dafür, wenn auch noch Jugendliche von Mama und Papa kutschiert werden. „Das ist einfach Faulheit“, ärgert er sich. Auf diese Weise werde „eine Generation Rücksitz“ herangezogen. Mit Blick auf die Verkehrserziehung sei das eine gefährliche Entwicklung.

Den Lehrern an den Schulen macht Kleinböhl allerdings keinen Vorwurf. Dort werde versucht, die Eltern für das Problem zu sensibilisieren. Einige Eltern zeigten sich allerdings uneinsichtig, würden den Lehrern sogar drohen.

Stattdessen fordert Kleinböhl den Magistrat auf, eine Vorlage umzusetzen, die die SPD gemeinsam mit Grünen und Linken erarbeitete und die von der Stadtverordnetenversammlung abgesegnet wurde.

Der Vorlage gemäß soll der Magistrat zu einem Runden Tisch einladen, „der sich mit der Verkehrssituation an den Rüsselsheimer Schulen auseinandersetzt und einen Lösungsansatz erarbeitet“. Auch soll an den Schulen ein Aktionstag zur Verkehrssicherheit eingeführt werden. An dem Runden Tisch sollen unter anderem Schulamt, Schülervertretung, Stadtelternbeirat, Stadtplanung und Polizei teilnehmen.

Verbote missachtet

Von rechtlichen Sanktionen gegen die Eltern hält Kleinböhl indes wenig. Verbote würden so oder so missachtet. Auch die an der Humboldt-Schule eingeführte Elternhaltestelle, die einen zentralen Bring- und Abholplatz etablieren soll, werde nicht gut angenommen.

Warum die Situation auf den Straßen vor den Schulen derart ausgeartet ist, können sich die Sozialdemokraten nicht erklären. Früher sei es üblich gewesen, dass Kinder aus einer Nachbarschaft gemeinsam zur Schule laufen. Fest steht für Kleinböhl lediglich, dass die Elterntaxis nicht allein ein Rüsselsheimer Problem sind.

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