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Wenn es gut werden muss: Sylvia Schmidt (links) und Natascha Klaffke in ihrem Element als Raumausstatterinnen.

Beruf

Von der Beratung bis zur Montage mit der Bohrmaschine liegt bei Raumausstatterin Sylvia Schmidt alles in Frauenhand

Raumausstatterin Sylvia Schmidt beschäftigt vier Frauen, ihr Geschäft Schöne Aussichten wird damit nur von Frauen getragen. Das ist in dieser Männerdomäne eher ungewöhnlich - aber erfolgreich.

Raumausstatter ist nach wie vor ein klassischer Männerberuf. Dies sagt Sylvia Schmidt, die Inhaberin der textilen Raumausstattung Schöne Aussichten. Bei ihrem Laden verkehrt sich die Realität allerdings in das Gegenteil. Sie ist als Frau die Chefin und sie beschäftigt noch vier weitere Frauen in dem klassischen Männerberuf. Die zwei männlichen Aushilfen verschweigt sie nicht, aber sie sind eben nicht für das Tagesgeschäft verantwortlich.

„Ich habe nicht gezielt nach Frauen gesucht“, macht sie gleichwohl deutlich. Schmidt ließ sich allerdings in der Nische Gardinendekoration nieder, einen von der körperlichen Belastung her eher leichten Bereich. Hier sind dann doch eher Frauen zu finden. „Die meisten Männer sind als Handwerker in den Bereichen Boden- und Wandbelag unterwegs“, sagt Schmidt.

Polster und Teppiche

Sie bietet aber auch Sonnenschutz, Polster und Teppiche an. An dieser Stelle betont Schmidt, dass in ihrem Geschäft alles von Frauen erledigt wird: Von der Beratung bis zur Montage mit der Bohrmaschine.

Sie und ihre vier Mitarbeiterinnen, Christiane Wehrle-Machill, Michaela Schneiker, Katja Schneider und Natascha Klaffke, sind ausgebildete Raumausstatterinnen. „Der klassische Raumausstatter verlegt Bodenbeläge“, sagt Schmidt. Die Ausbildung ist eher handwerklich geprägt. Zum Belegen des Bodens kommt beispielsweise das Tapezieren hinzu.

Schmidt hatte den Laden 2011 eröffnet. Sie leitete die Textilabteilung des Raumausstatters Karl Seibert. Der habe sich verkleinern wollen und unter den Mitarbeitern gefragt, ob jemand die Abteilung übernehmen wolle. Schmidt sagte zu, weil sie nicht wollte, dass die Abteilung eingestampft wird, sie es aber auch interessant fand, ihren eigenen Laden zu eröffnen und auf sich selbst gestellt zu sein. Schneiker und Wehrle-Machill übernahm sie aus dem alten Laden, als sie ihr Geschäft in der Königstädter Straße eröffnete.

Grundsätzlich sollten die Mitarbeiter in das Team passen, sagt sie. Diese persönliche Vorgabe traf bei ihrer Suche auf ihre Frauen zu. Sie sucht übrigens noch nach Verstärkung und das kann durchaus auch ein Mann sein. Gemeinhin wird gesagt, dass sich Frauen auch mal gerne anzicken. Schmidt verhehlt das nicht. „Hier wird auch mal gezickt“, beichtet auch Klaffke lachend. Andererseits sei das Zusammenarbeiten mit Frauen auch sehr angenehm. Probleme lösen sie selbst. Schmidt erzählt, dass manche Kunden durchaus überrascht seien, in dem Laden nur Frauen anzutreffen. Das geht insbesondere den beiden Monteurinnen Schneider und Schneiker so, wenn sie mit der Bohrmaschine vor der Tür stehen und die Kunden eigentlich einen Mann erwarteten.

Skeptische Damen

Besonders die älteren Menschen seien überrascht, die Damen würden jedoch länger skeptisch bleiben als ihre Männer, ob sie die Montage als Frau hinbekomme. Junge Frauen gestünden ihr häufig, dass sie selbst für diese Arbeit nicht fähig wären. Männer böten auch mal Hilfe an, die sie gerne annimmt, wenn es notwendig wird. Insgesamt nähmen die überraschten Gesichter aber ab.

Das Rollenschema in der Berufswelt sei durchaus nach wie vor erhalten, meint Schmidt. Gleichzeitig habe das Handwerk ein Nachwuchsproblem. Die jungen Männer würden das Handwerk nicht anstreben. Frauen wollten gestalterisch arbeiten, wüssten aber nicht, dass die körperliche Arbeit beim Raumausstatter Teil des Berufes ist. Abgesehen davon sei die Vereinbarkeit von Frau und Beruf immer noch ein Problem, sagt Klaffke, selbst Mutter eines Kindes. Es sei schwierig, die Arbeitszeiten mit den Betreuungszeiten der Kindertagesstätte in Einklang zu bringen. Sie hatte nach der Elternzeit drei Tage gearbeitet und ihr Kind bei den Großeltern geparkt.

von RÜDIGER KOSLOWSKI

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