Prozess

Bewährungsstrafe für jugendlichen Gewalttäter

18 Monate auf Bewährung ? so lautet das Urteil für einen zum Tatzeitpunkt 19-jährigen Rüsselsheimer, der sich jetzt vor Gericht verantworten musste. Der Vorwurf: Schwere Körperverletzung und versuchte sexuelle Nötigung. Seine beiden Opfer leiden noch heute.

„Er schlug mir mit der Faust ins Gesicht, warf mich zu Boden und versuchte, meine Hose herunter zu ziehen,“ sagte unter Tränen eine 46-jährige Griechin heute vor dem Schöffengericht in Groß-Gerau. Dort wurden die Taten eines zum Tatzeitpunkt  19 Jahre alten Mannes aus Rüsselsheim verhandelt. Er musste sich jetzt wegen schwerer Körperverletzung und versuchter sexueller Nötigung in zwei Fällen verantworten.

Dass es in beiden Fällen letztlich nicht zum Äußersten kam, ist der heftigen Gegenwehr der Frauen und Passanten zu verdanken, die auf das Geschehen aufmerksam geworden waren. Der jugendliche Täter Mohamed B flüchtete mit dem Fahrrad, konnte aber schließlich durch DNA-Spuren von der Polizei überführt werden. Wie ein Häufchen Elend saß er nun vor seinem Richter Ulrich Eisfeld.

An einem Sonntag, dem 17. Juli des vergangenen Jahres, radelte Mohamed B. in aller Frühe in Richtung Königstädten; Im Tierheim musste er Arbeitsstunden ableisten, zu denen er wegen kleinerer Straftaten verurteilt worden war. Da sah er eine zierliche 46-jährige Frau aus Griechenland, die mit ihrem blonden Pferdeschwanz sehr jugendlich wirkte. Später erklärte Mohamed, er habe sie für 22 gehalten.

„Ich war auf dem Weg zu meiner Arbeitsstelle und in Gedanken versunken“, sagte die  Frau vor Gericht unter Zuhilfenahme eines Dolmetschers, weil sie nur schlecht Deutsch spricht. Deshalb habe sie den jungen Mann zunächst gar nicht war genommen. Doch plötzlich wendete der und tauchte mit seinem Rad hinter ihr auf, um zu fragen: „Wieviel Uhr ist es?“.

Genau 6.39 zeigte das Handy der Frau an, als sie plötzlich zum Opfer wurde. Mohamed B. schlug mit der Faust zu, umfasste sie von hinten und versuchte, ihr den Mund zu verschließen. Doch die zierliche Frau entwickelte mehr Kraft, als der Täter glaubte. Es kam zu einem Gerangel, bei dem beide zu Boden gingen. „Er versuchte, mir die Hose zu öffnen und schlug mir mit der Faust mehrmals ins Gesicht“, sagte die Frau mit leiser Stimme aus. Und weiter: „Ich habe mich heftig gewehrt und laut geschrien, da lies er von mir ab und flüchtete mit dem Fahrrad.“

Ein Taxifahrer, ebenfalls Grieche, brachte die Frau zur Polizei, dolmetschte dort und fuhr sie anschließend in das GPR-Klinikum. Dort stellten die Ärzte Prellungen und eine blutende Wunde fest. Vier Wochen war die Frau krank geschrieben und verlor deshalb ihren Arbeitsplatz. Aber noch heute leide sie unter den Folgen der Attacke und befinde sich in psychiatrischer Behandlung. Ob sie dem Täter in die Augen blicken könne, wurde sie vor Gericht gefragt. „Ich habe selbst Kinder, die älter sind als er – ich kann ihn nicht verstehen“, sagte sie.

Neun Monate später, am 3. April 2017, kam es zum zweiten Vorfall: Die 13-jährige Jessica führte gegen 21.30 Uhr ihren Hund in der Feuerbachstraße spazieren. Mohamed attackierte sie auf ähnliche Weise wie die Frau aus Griechenland. Doch auch das Mädchen wehrte sich heftig, bis zwei Frauen aus einem benachbarten Hochhaus auf das Geschehen aufmerksam wurden und dem Kind zu Hilfe eilten. Wiederum flüchtete der Täter mit seinem Rad, konnte nun aber von der Polizei ermittelt werden.

Durch sein Geständnis vor Gericht  ersparte der Täter dem Mädchen eine Aussage. Doch für das Kind sind die Folgen ohnehin schwerwiegend: „Sie war fröhlich und aufgeschlossen“, sagte der Vater. Doch nun habe sie Angst, alleine das Haus zu verlassen. Auch im Gymnasium seien ihre Noten deutlich abgefallen und sie habe Mühe, das Ereignis zu verarbeiten.

Mohamed B selbst verfolgte schniefend und mit gesenktem Kopf das Verfahren. Man müsse ihm zugute halten, dass er aus schwierigen familiären Verhältnissen komme, fügte die Vertreterin des Rüsselsheimer Jugendamtes hinzu. Auffällig geworden sei er schon im Kindergarten.

Staatsanwalt Michael Pehle sprach von „Verbrechens-Tatbeständen“: „Ein erwachsener Straftäter würde diesen Saal nicht als freier Mann verlassen“. Mohamed B. allerdings erhält nochmals eine Chance: Richter Ulrich Eisfeld verurteilte ihn zu 18 Monaten Gefängnis auf Bewährung – wenn er sich einer Therapie unterzieht, bei der ihm das Aggressionspotential ausgetrieben wird.

miko

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