Wahlkampf

300 Bischofsheimer protestieren gegen die AfD

Rund 300 Bischofsheimer versammelten sich am Dienstagabend zum Protest gegen die letzte AfD-Wahlkampfkundgebung im Kreis Groß-Gerau, die mit 60 Anhängern und Interessierten im Bürgerhaus stattfand. Dabei kam es auf beiden Seiten zu verbalen Provokationen. Körperliche Angriffe blieben aus.

„Wir möchten Flagge zeigen, für ein buntes Bischofsheim und gegen die rechte Hetze der AfD“, sagen Barbara und Friedhelm Scholl deutlich. Das Ehepaar steht zusammen mit Horst Senft inmitten von etwa 300 Demonstranten, die sich unweit des Eingangs zum Bürgerhaus aufgestellt haben.

Friedhelm Scholl hat sich ein Schild um den Hals gehängt, auf dem „Bischofsheim ist bunt. Für Vielfalt, Solidarität und Miteinander“ zu lesen ist. Das gleiche Schild steht auch in größerer Form an jedem Ortseingang der Gemeinde. Unter diesem Motto steht die Gegenveranstaltung zur letzten AfD-Kundgebung vor der Wahl. „Die AfD ist keine Alternative zur aktuellen Politik. Sie steht für Rassismus und Intoleranz. Ein wenig erinnert sie mich mit ihren Parolen an die Anfänge des Nationalsozialismus“, bemerkt Barbara Scholl und meint: „Das wollen wir in Deutschland nie wieder haben.“ Es sei schrecklich, dass die AfD ihre Wahlkampfveranstaltung in Bischofsheim abhalte und die Gemeindeverwaltung keine Handhabe gehabt habe, um dies zu verhindern. „Vorher sind diese Menschen weit weg. Man sieht sie nur im Fernsehen. Doch plötzlich stehen sie fast vor der eigenen Haustür.“

Viele Demonstranten der gemeinsamen Veranstaltung von Vereinen, Fraktionen der Gemeindevertretung, der Kirche und Verbände haben regenbogenfarbene Fahnen dabei. Bürgermeister der Nachbargemeinden wie Thies Puttnins von Trotha aus Ginsheim-Gustavsburg sind ebenfalls vor Ort und zeigen ihre Solidarität mit dem friedlichen Protest gegen die AfD. Bischofsheims Bürgermeister Ingo Kalweit trägt die Weste der Ordnungspolizei und stellt sicher, dass die Demonstration friedvoll bleibt.

Bis auf die Freien Wähler (BFW) haben sich alle Fraktionen eindeutig gegen die AfD ausgesprochen. In der offiziellen Stellungnahme der BFW heißt es: „Die BFW als politische Vereinigung hat sich nicht an dem Aufruf für eine Gegenveranstaltung zur AfD-Kundgebung beteiligt, was aber nicht bedeutet, dass sie ihn nicht inhaltlich unterstützt. Dies hat zwei Gründe: Zum einen ist die AfD eine demokratisch gewählte Partei, auch wenn dies nicht bedeutet, dass jeder der Abgeordneten der AfD oder deren Unterstützer ein Demokrat ist. Zum anderen ist die BFW keine Partei, die im Kollektiv denkt und Weisungen erteilt.“

Die Teilnehmer der Demonstration lauschen den Klängen einer lokalen Band, die ihre hausgemachte Musik präsentiert. Das Thema der Lieder ist Frieden und Liebe. Der Leadsänger berichtet, dass er bei der Stadtverwaltung von Mörfelden-Walldorf arbeite. Auch dort habe die AfD eine Kundgebung gehabt: „Genauso wie in Bischofsheim mussten wir das zulassen, weil wir in einer Demokratie leben. Doch heute bin ich hier, um zu zeigen, dass die AfD eine falsche und gefährliche Politik betreibt.“

Gegen 18.30 Uhr, als sich die Türen des Bürgerhauses für die Besucher der AfD-Veranstaltung öffnen, gehen immer mehr Demonstranten zum von der Polizei abgesperrten Bereich vor der Halle. Die Stimmung heizt sich langsam auf. Jeder AfD-Anhänger, der die Treppe zum Eingang hinauf geht, wird laut ausgebuht und mit dem schrillen Ton ohrenbetäubender Trillerpfeifen begrüßt.

Guido Reil, Mitglied im Bundesvorstand der AfD, wird von einigen Demonstranten als „Volksverhetzer und Hurensohn“ beschimpft. Der Politiker lässt sich davon nicht beeindrucken und filmt die aufgebrachten Protestanten minutenlang.

„Ich genieße das“

, sagt er hämisch, bevor er zurück in die Halle geht.

Anders als erwartet wird die Presse ebenfalls in die Halle gelassen und persönlich von der AfD-Direktkandidatin des Wahlkreises 48, Irmgard Horesnyi, begrüßt. Das Recht auf Pressefreiheit ignorierend, weist sie die Journalisten jedoch darauf hin, dass nur vom Podium Fotos gemacht werden dürfen, vom Saal nicht.

Das sei „wieder das übliche Empfangskomitee“ gewesen, das sich am Eingang des Bürgerhauses aufgebaut habe, stellt Horesnyi zu Beginn der Wahlkampfkundgebung sarkastisch fest und schiebt im gleichen Tonfall hinterher: „Draußen sind auch der Bürgermeister von Bischofsheim und einige seiner Amtskollegen unterwegs. Das ist höchste Prominenz. Ich bin mir sicher, sie wünschen uns für die heutige Veranstaltung viel Glück.“

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