Buchhändlerin Sara Vazquez mit einer Ausgabe des heißbegehrten Hessen-Monopolys, in dem auch Rüsselsheim einen Platz gefunden hat. foto: maraike stich
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Buchhändlerin Sara Vazquez mit einer Ausgabe des heißbegehrten Hessen-Monopolys, in dem auch Rüsselsheim einen Platz gefunden hat.

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Bittere Pille für Lokalpatrioten

  • vonMareike Stich
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Im Rüsselsheimer Buchladen Kapitel 43 ist das neue Hessen Monopoly stark nachgefragt - obwohl Raunheim vor Rüsselsheim steht.

Rüsselsheim -"Ich habe gleich nachgeguckt als die ersten Spiele im Laden ankamen - hoffentlich sind wir nicht braun", berichtet Buchhändlerin Sara Vazquez von Kapitel 43 mit einem Grinsen. Braun? Für alle, die sich in der Monopoly-Welt nicht so gut auskennen: Braun sind die billigsten Straßen des Brettspiel-Klassikers. Und davon ist das Rüsselsheimer Feld sogar weit entfernt. Bebildert mit der Festung findet es sich neben Bad Hersfeld und Wetzlar bei den roten Straßen. Rüsselsheim ist mit 240 Monopoly Dollars sogar die teuerste der drei Mittelzentren.

Damit rangiert die Opelstadt sogar weit vor Offenbach, das schon für 60 Dollar zu erwerben ist und auch vor der Documenta-Stadt-Kassel, für die man 200 Einheiten der Spielwährung berappen muss. Warum man sich für die Festung und nicht die Opelwerke entschieden hat, wird sicher den ein oder anderen Rüsselsheimer verwundern. "Aber die Festung ist doch wirklich ein tolles Wahrzeichen der Stadt", sagt Vazquez.

Raunheim kostet mehr

Eine bittere Pille für manch einen Lokalpatrioten wird vielleicht sein, dass Raunheim von den Spielmachern noch höher eingestuft wurde. 320 Dollar und somit 20 mehr als Darmstadt, kostet die Nachbarstadt. Neben vielen hessischen Städten finden sich auch der Edersee, die Wasserkuppe, der Frankfurter Römer und die Grube Fortuna auf dem Spielbrett. Die teuersten Städte sind erwartungsgemäß Wiesbaden und Frankfurt, sie ersetzen die Schloßssallee und Parkstraße der Originalversion.

Für die Rüsselsheimer Buchhändlerin ist das rote Feld auf dem Hessen-Monopoly-Spielbrett auf jeden Fall ein gutes Geschäft. Der Run auf das Spiel sei von Anfang an groß gewesen, berichtet die Buchhändlerin. Seit rund zehn Tagen ist es im Verkauf, und man habe schon ungefähr 20 Stück verkauft. "Dabei ist das kein billiges Spiel", verrät Vazquez. 50 Euro kostet die hessische Monopoly-Edition. Grundsätzlich seien Artikel mit Bezug zur Region immer sehr beliebt.

Erfunden vor 100 Jahren

Das wissen auch die Monopoly-Macher. Neben der Hessen-Edition gibt es zum Beispiel auch ein Saarland- und ein Dresden-Monopoly. Und für alle, die sich auf der Erde nicht heimisch fühlen, gibt es gleich mehrere Varianten Star-Wars-Monopoly. Die Regeln sind dabei fast immer identisch, ob Hessen oder Todesstern. Erfunden wurde das Spiel vor über 100 Jahren. Im Jahr 1904 entwickelte die Quäkerin Elizabeth Magie Phillips das Ur-Monopoly, damals unter dem Namen "The Landlords Game". An unterhaltsame Familienabende hatte die Anhängerin des Sozialreformers Henry George eigentlich nicht gedacht. Sie hatte das Spiel als Warnung vor den Gefahren des monopolistischen Landbesitzes entwickelt. "Ich hoffe, dass Männer und Frauen sehr schnell begreifen, dass ihre Armut daher kommt, dass Carnegie und Rockefeller mehr Geld haben, als sie ausgeben können", erklärte sie 1906 in einem Interview. Wer also beim nächsten Spieleabend viel Geld blechen muss, weil seine Spielfigur auf Raunheim landet und sich denkt "das ist doch alles ungerecht", der kann sich mit dem Gedanken beruhigen, dass das alles genau so geplant war. maraike stich

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