Installation in Trauerhalle

Blick hinter den letzten Vorhang

In der Trauerhalle des Friedhofs Waldstraße lädt die Installation „Seelentor“ zur Reflexion über letzte Dinge zwischen Leben und Tod ein: Die Logotherapeutin Patricia Richert beschäftigt sich seit 2012 mit künstlerischer Ausdruckssuche um „die letzte Reise“.

Von CHARLOTTE MARTIN

 Wenn der letzte Vorhang fällt – oder sich hebt – wo werden wir stehen? Fragen um die Schwelle zwischen Leben und Tod lösen oft eher Angst denn Zuversicht aus, verführen zu tröstenden Visionen oder zur Flucht vor dem Thema.

Nichts ist gewisser als die Tatsache, dass wir sterben werden. Jeder von uns. Patricia Richert aus Framersheim ermutigt als Installationskünstlerin und Logotherapeutin, den zentralen Fragen und Bedrängnissen um dieses existenzielle Themenfeld nicht auszuweichen. Jetzt hat sie ihr „Seelentor“ in der Trauerhalle des Friedhofs Waldstraße installiert, wo es einlädt, die Schleier zu heben: Mannshoch steht es linker Hand der Eingangspforte, ein fein ziselierter Rundbogen, dessen Durchgang mit faltenreichem, weißem Damast verschlossen ist. Kordeln mit verspielten Troddeln animieren, den Vorhang zur Seite zu schieben.

Schleier vor einer spiegelnden Wand

Der Damast entspricht dem Stoff, mit dem Bestatter den Sarg auskleiden. Durch ihn hindurch führt der Weg ins Licht. Er gibt einen silbernen und einen goldenen Vorhang frei, bevor sich der letzte Schleier vor spiegelnder Rückwand hebt. „Sie zeigt uns unsere Umrisse, doch mittig ist eine Geschichte zu lesen, die dem Sinn des Lebens in seiner Sterblichkeit nachgeht“, erläuterte Patricia Richert. Die Geschichte, vor der mancher Besucher der Vernissage am Donnerstag lesend innehielt, hat Petra Pauls geschrieben – eine Schriftstellerin und Freundin, so Richert.

Doch versperren Worte nicht eher den Blick? Mindern sie nicht die Betroffenheit in der Spiegelbegegnung mit sich selbst? Richert dazu: „Ich erlebte anfangs, als ich das Seelentor ohne Literatur ausstellte, eine Erschrockenheit der Betrachter, die dem zuwider läuft, was Ziel ist: Mit Michelangelo lässt sich sagen, dass uns, die wir am Leben hängen, der Tod nicht abstoßen sollte, denn er kommt aus der Hand desselben Meisters.“

Stadtrat Horst Trapp würdigte das „Seelentor“ in der Trauerhalle, einem Ort der Besinnung sowie der Verbundenheit mit anderen Trauernden, als inspirierendes, ermutigendes Moment. Richert: „Das Seelentor ist entstanden, nachdem ich den Verlust nahe stehender Menschen erlebt habe. Ich fragte mich: Wo gehen wir hin? Und dann ist mir der Plan des Tores im Traum erschienen. Ich bin die Ausführende – woher die Idee kommt, vermag ich nicht zu sagen.“

Koffer für die letzte Reise

Flankiert wird das geheimnisvolle Tor vom „Koffer für die letzte Reise“, der anregt, darüber nachzudenken, was man selbst auf dem letzten Weg bei sich tragen würde: Gar nichts? Eine Bibel? Eine Fotografie? Das Objekt einer Erinnerung? Und noch eine dritte Installation fasziniert: In weißem Holz ragt der Lebensbaum auf, breitet seine Äste aus, die mit Kärtchen bestückt werden können, auf denen ein jeder individuell Antwort sucht auf die Frage: „Wenn heute dein letzter Tag wäre – was würdest du tun?“

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