Polizeieinsatz am 19. Juni 2020 in der Löwenstraße, nachdem ein Mann auf zwei Menschen einstach. foto: 5visionmedia
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Polizeieinsatz am 19. Juni 2020 in der Löwenstraße, nachdem ein Mann auf zwei Menschen einstach.

Prozess

Blutige Auseinandersetzung im Drogenmilieu

  • vonWalter Scheele
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Ein Mann sticht am hellichten Tag zu. Zwei Schwerverletzte gibt es bei dem versuchten Tötungsdelikt in der Rüsselsheimer Innenstadt. Die Tat vom Juni 2020 soll nun juristisch aufgearbeitet werden. Am Dienstag ist Prozessbeginn. Vier Verhandlungstage sind vorgesehen.

Rüsselsheim -Während sich die meisten Rüsselsheimer auf den Feierabend freuten, lief bei der Polizei in Rüsselsheim der Notruf heiß. Zahlreiche Anrufer meldeten an diesem warmen Frühsommerabend, es war der 19. Juni 2020, ab 17.50 Uhr: "Messerstecherei in der Löwenstraße. Alles ist voll Blut, kommt schnell". Das ließ sich die Polizei nicht zweimal sagen, Rettungsdienst und Ordnungshüter rückten mit "großer Besetzung" an.

Was sich auch schnell als nötig erwies. Ein junger Mann lag blutüberströmt und leblos am Boden, eine junge Frau stand stark blutend dabei. Die Rettungskräfte begannen umgehend mit ihrer menschenfreundlichen Tätigkeit, während die Polizei versuchte herauszubekommen, was los war. So viel war ganz schnell klar: Der Täter war auf der Flucht.

Jetzt wird die Bluttat vor dem Schwurgericht am Landgericht in Darmstadt verhandelt. Am Dienstag, 23. März, um 8.30 Uhr wird das Verfahren losgehen. Danach stehen noch vier weitere Verhandlungstage bis Ende April fest. Dann soll jeden Mittwoch bis zum bitteren Ende verhandelt werden, legte der Vorsitzende Richter der 11. Großen Schwurgerichtskammer die Marschrichtung fest.

Hubschrauber über der Innenstadt

Schnell wurden am Tattag starke Polizeikräfte aus der ganzen Umgebung zusammengezogen. Ein Polizeihubschrauber kreiste über der Rüsselsheimer Innenstadt. Schnell erhärtete sich nach ersten Angaben von Augenzeugen der Tatverdacht gegen das Mitglied eines polizeibekannten Clans, dessen Mitglieder ihren Lebensunterhalt vorwiegend mit Drogenhandel und von Hartz-IV-Unterstützung bestreiten.

Der Augenschein zeigte den Beamten, dass es an diesem Freitagabend auf offener Straße zu einer Auseinandersetzung zwischen drei Personen gekommen war. In ihrem Verlauf wurde ein 20-jähriger Mann durch Messerstiche schwer verletzt. Eine 25 Jahre alte Frau erlitt ebenfalls durch Messerstiche weniger schwere Blessuren. Mehrere Passanten waren Augenzeugen der Auseinandersetzung geworden, hatten die Polizei dann über den Notruf informiert.

Die Hintergründe der Tat in der Löwenstraße wurden relativ schnell aufgedeckt. Die erfahrenen Polizisten merkten noch vor Ort, dass es sich hierbei wohl um eine blutige Auseinandersetzung ein aus dem Ruder gelaufenes Drogengeschäft sein könnte. Denn die Opfer wurden der Drogenszene zugerechnet.

Die Staatsanwaltschaft in Darmstadt und die Kriminalpolizei übernahmen sofort die Ermittlungen. Sie sprachen, was offenkundig war, noch am Tatabend von einem versuchten Tötungsdelikt. Ansonsten hüllten sich die Ermittler erst einmal in Schweigen.

Regelmäßig am Europaplatz

Der Angeklagte, ein 26-jähriger Mann, soll laut Anklageschrift regelmäßig am Europaplatz in Rüsselsheim Betäubungsmittel verkauft haben. Als er erfuhr, ein Kunde sei "abgesprungen", wurde er sauer. Weil sich der Niedergestochene einem anderen Dealer zugewandt hatte, wollte er ihm, so die Anklage, einen Denkzettel verpassen.

Deswegen soll der Angeklagte das Opfer zuerst mit einem Handy geschlagen haben. In die Auseinandersetzung soll sich aufseiten des 26-Jährigen ein weiterer Angeklagter (24), ebenfalls aus Rüsselsheim, eingemischt haben.

Als sich das Opfer des Duos dem 24-Jährigen zugewandt hat, soll der 26-jährige Täter laut Anklageschrift ein Messer gezogen und mehrfach auf den Wehrlosen eingestochen haben.

Die Freundin des Schwerverletzten sei jetzt, so die Anklage weiter, auf die Situation aufmerksam geworden. Sie habe versucht, den Angeklagten 26-Jährigen wegzuziehen, um ihren Freund zu schützen. Dabei soll die 25-jährige Frau ebenfalls Stichverletzungen erlitten haben.

Das Leben des Geschädigten konnte mit einer Notoperation gerettet werden. Die 25-Jährige hatte es weniger schwer erwischt. Nach Angaben der Polizei wurde sie ebenfalls im Krankenhaus medizinisch versorgt. sc

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