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Hübsch anzusehen, selbst bei Bauarbeiten auf dem Marktplatz im Jahr 2016: Geranien in den Rathaus-Blumenkästen. archivfoto: Matthias Hoffmann

Magistrat

Bohnenkraut statt Geranien am Rathaus?

  • Olaf Kern
    vonOlaf Kern
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Rote Blüten sind out, die Stadt will lieber insektenfreundliche Blumenkästen und ein "naturnahes Erscheinungsbild" am Rathaus. Ob das bei allen so gut ankommt?

Rüsselsheim -Ein gewohntes Bild wird wohl bald der Vergangenheit angehören. Geht es nach dem Magistrat der Stadt Rüsselsheim, sollen die Geranien in den Balkonkästen, die mit ihrer üppigen Blüte der Rathaus-Fassade jedes Jahr aufs Neue rote Farbtupfer verleihen, künftig nicht mehr gepflanzt werden. Anstelle der Geranien sollen insektenfreundliche Pflanzen in den Blumenkästen verwendet werden.

Zur Begründung in einer Vorlage, die in dieser Woche erstmals im Bau-Ausschuss Thema sein soll, heißt es: Geranien würden durch ihren Duft und ihr Aussehen ein zwar vielversprechendes Nahrungsangebot für Insekten versprechen, jedoch trüge der Anschein.

Geranien überzeugten durch ihre langandauernde und ansehnliche Blüte, seien zwar ausdauernd und sehr pflegeleicht, böten aber Insekten kaum bis gar keine Nahrungsquelle. Außerdem müssten die Pflanzen jedes Jahr neu gekauft und nach der Blüte wieder weggeworfen werden. Die Stadt verspricht sich mehr Nutzen durch Dauerblüher, Gräser und Kräuter. Erste Erfahrungen hätten überzeugt. Etwa während einer bereits laufenden Testphase unter dem Arbeitstitel "Bienenfreundliche Balkonkästen" am Westflügel des Rathauses. Was dort probeweise gehegt und gepflegt wurde, habe sich bewährt und soll auf das ganze Rathaus vom Frühjahr 2021 an ausgedehnt werden.

Von Mai bis Oktober

Die Pflanzenauswahl der Balkonkästen werde so zusammengestellt, dass die neu entdeckte Biodiversität voll zum Tragen komme und immer etwas in Blüte steht, somit auch als Nahrungsquelle für Insekten ab Mai bis zur Abholung der Kästen im Oktober bereitstehe.

Auch eine Auswahl der Arten wurde schon getroffen: Zur Verwendung kommen der Storchschnabel, die Katzenminze, der Blumen-Dost, auch Heidegünsel genannt, Thymian, Honig-Salbei, kriechender Rosmarin, Zwerg-Berg-Bohnenkraut und die Prachtkerze.

"Kleinere Einbußen in der Außenwirkung der Blütenpracht der Geranien sind in Bezug auf das dann bereitstehende Nahrungsangebot, gerade im dicht bebauten innerstädtischen Bereich, vollkommen vertretbar", heißt es dazu weiter in Magistratsvorlage. Das Erscheinungsbild des Rathauses verändere sich von einem klassischen, mit Geranien geschmückten Rathaus hin zu einem vielfältig bunten und naturnahen Erscheinungsbild. Ob das die Stadtverordneten genauso sehen, müssen sie bei der Abstimmung darüber zeigen. Die Alternative wäre, alles beim Alten zu lassen.

Ach ja, zu berücksichtigen sei jedoch, dass es im Bereich der Dauerblüher keinen ebenbürtigen und pflegearmen Ersatz für die verwendeten Geranien gebe. Jedoch habe sich innerhalb der Testphase bewiesen, dass durch die Mithilfe der Büroinhaber in Form von Bewässerung mittels Gießkanne und das gelegentliche Ausputzen der Pflanzen auch eine insektenfreundliche Bepflanzung etablieren lasse. Auch eine Geranie komme nicht ohne das zusätzliche Wässern aus.

Mitarbeiter sollen gießen

Die Pflege in Form von Gießen (ein- bis zweimal pro Woche ist dafür in dem Vorschlagstext veranschlagt) und dem gelegentlichen Ausputzen und Schneiden von vertrockneten Blüten und Pflanzenteilen sollen wie bei den Geranien von den entsprechenden Büroinhabern durchgeführt werden. Dadurch entstünden - auch immer ein wichtiger Aspekt in krisengeschüttelten Zeiten - über das Jahr keine weiteren Kosten der Pflege durch den Städteservice. Auch daran ist gedacht: Eine Pflegeanleitung für die Mitarbeiter werde jedes Jahr neu verteilt.

Gut, eine Anfangsinvestition ist vorgesehen: Die einmaligen Mehrkosten für die Bepflanzung aller am Rathaus vorhandenen Balkonkästen belaufe sich auf rund 25 Euro pro Balkonkasten. Das macht rund 2625 Euro Mehrkosten fürs erste Jahr der Pflanzenanschaffung aus.

Die insektenfreundlich bepflanzten Balkonkästen würden dann beim Städteservice überwintern und aufgearbeitet, so dass die gleiche Bepflanzung dann im darauffolgenden Jahr bestehen bleibe. Lediglich ausgefallene Pflanzen sollen im Winter innerhalb der Balkonkästen ergänzt werden. ok

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