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Kurt Beck und Klaus Franz erinnern sich noch gut an die Auseinandersetzungen während der Krise.

Autor Klaus Franz

Buchvorstellung: „Im Schmelztiegel der Gefühle“

Zwei Streiter für den Erhalt von Opel erinnern sich zurück: Zur Präsentation des neuen Buchs von Klaus Franz über die Opelrettung kam auch Kurt Beck, Ministerpräsident a.D. von Rheinland-Pfalz, nach Rüsselsheim.

Zwei Punkte zogen sich wie ein roter Faden durch die Reden von Klaus Franz, oberster Arbeitnehmervertreter während der Opel-Krise und Kurt Beck, Ministerpräsident a.D. von Rheinland-Pfalz. Beide sprachen im Rahmen einer Pressekonferenz im Stadt- und Industriemuseum von Rüsselsheim zum neusten Buch von Franz. Das trägt den Titel „Die Rettung von Opel vor der Insolvenz. Das Beispiel gelebter Mitbestimmung.“ Franz erklärte, er habe während der Krise eng mit Beck zusammengearbeitet und auch im Rahmen des Buchprojekts das Feedback des nun Vorsitzenden der Friedrich-Ebert-Stiftung eingeholt.

Punkt eins war das Thema der aktiven Mitbestimmung und Einmischung durch die Arbeitnehmer bei wirtschaftspolitischen Prozessen und insbesondere die Mitbestimmung der Opel-Mitarbeiter beim Rettungsprozess. Die Rettung des Opelkonzerns vor der Insolvenz sei ein Erfolgsbeispiel der deutschen Mitbestimmung, sagten Franz und Beck. „Die Mitbestimmung im Falle der Opelrettung vor der Insolvenz in den Jahren 2008 bis 2011 durch die Arbeitnehmer zeigt, dass den Mitarbeitern viel zugemutet werden kann, wenn für Transparenz gesorgt wird“, sagte Klaus Franz. „Wir sind Opel“ sei dabei der Slogan gewesen, der in diesen Krisenzeiten im Unternehmen geherrscht habe, so der Autor. „Wenn wir Opel nicht aus dem GM Konzern herausgelöst hätten, wäre Opel insolvent gegangen“, ist sich der ehemalige oberste Arbeitnehmervertreter sicher.

Punkt zwei waren das Verantwortungsgefühl und die aktive Unterstützung des Rettungsprozesses von Opel durch die damalige und noch heute amtierende Bundesregierung. „Gott sei Dank konnten wir die Pläne des damaligen Bundeswirtschaftsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, die Forderung nach einer gesteuerten Insolvenz, durchkreuzen“, erklärte Franz.

Kurt Beck formulierte seine Erinnerung emotionaler. „Es macht mich noch heute wütend wenn ich daran denke, wie sich zu Guttenberg bei den Verhandlungen im Kanzleramt eingelassen hat. Zu Guttenberg wollte sich lediglich als Marktwirtschaftler profilieren, anstatt Lösungswege zur Rettung von Opel zu suchen.“ Beck bezeichnete zu Guttenberg in seinen Ausführungen weiter als „kaltschnäuzig“ und gab zu: „Wir haben uns angeschrien.“ Beck bemängelte zudem, dass die Kanzlerin zu Guttenberg in Schutz genommen habe, was selbst in den eigenen Reihen für Verwunderung gesorgt habe.

Zu Kurt Becks Rolle bei der Rettung von Opel vor der Insolvenz führte Klaus Franz aus: „Kurt Beck hat im Hintergrund über die Parteigrenzen hinweg für Solidarität für Opel geworben, während die Kanzlerin noch gesagt hat, Opel sei nicht systemrelevant.“ So sei es dann möglich gewesen, in Zeiten, „als die Belegschaft im Schmelztiegel der Gefühle war“, internationale Aktionstage in den verschiedenen Werken Europas zu organisieren, in deren Rahmen die Arbeitnehmer streikten.

Allgemein sei der Weg bis zur finalen Rettung Opels vor der Insolvenz ein nervenaufreibendes Auf und Ab gewesen, dass sich in Teilen bis zu „einem Politkrimi“ ausweitete, formulierte Franz.

Dabei sei vor allem der 3. November 2009 zu nennen, an dem GM beschloss, dass Opel doch nicht verkauft werden solle, was einen herben Rückschlag im Kampf darstellte. „Wir haben uns dann aber trotzdem entschlossen weiter zu machen und Opel aus GM heraus zu lösen“, erinnerte sich der Arbeitnehmervertreter.

Rheinland-Pfalz habe nur eine sekundäre Rolle bei der Opel-Rettung gespielt, stellte Kurt Beck fest. Er sei vor allem auch im Opelwerk in Kaiserslautern aktiv gewesen. Dabei sei es immer schwer gewesen, die verantwortlichen Manager des Unternehmens zu erreichen. „Das Unternehmen hing lange in Bezug auf die Unternehmensverantwortung in der Luft“, stellte Beck fest. Doch schließlich habe alles ein gutes Ende gefunden.

Das Buch von Klaus Franz stelle ohne Überheblichkeit die wirtschaftspolitischen Entwicklungen und die Dramatik der Situation dar, sagte Beck zum Ende seiner Ausführungen.

Am heutigen Freitag liest Klaus Franz ab 20 Uhr in der Villa Herrmann in Gustavsburg für alle Interessierten aus seinem Buch, wie Hans J. Jansen von der Villa Herrmann mitteilte. Der Eintritt beläuft sich inklusive einem Getränk auf sechs Euro. dan

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