In Lese-Ecken sollen Flüchtlinge noch besser Deutsch lernen

Bücher sagen willkommen

In Büchern schmökern und dabei mit Spaß die deutsche Sprache lernen. Das steckt hinter einem Projekt, das sich gezielt an Flüchtlinge richtet. In Rüsselsheim gibt es jetzt dazu in drei Einrichtungen Lese-Ecken.

Abdul und Rahimi leben zwar erst seit knapp zwei Jahren in Deutschland, beherrschen allerdings schon ausgezeichnet die deutsche Sprache. Dennoch tun sich für die beiden Flüchtlinge aus Afghanistan immer wieder Fallstricke auf: Dass beispielsweise ausbaden nichts mit Körperpflege zu tun hat und dass „alles in Butter“ genauso wenig mit dem Abendbrot zu tun hat wie „Butter bei die Fische“. Und warum sagt der Deutsche „auf den Schlips treten“, wenn dieser doch immer vor der Brust hängt? Und warum kann man mitten im Hochsommer plötzlich kalte Füße bekommen?

Da kommt die von der Initiative „LitCam“ neu eingerichtete Lese-Ecke in der Gemeinschaftsunterkunft, in der Abdul und Rahimi wohnen, gerade recht. Anhand von interessanten und leicht verständlichen Büchern können die dort lebenden Flüchtlinge nun jederzeit ihre Deutschkenntnisse vertiefen. Abdul und Rahimi waren die ersten, die die spezielle Nahrung für ausländische Bücherwürmer und Leseratten unter die Lupe nahmen, noch vor Staatssekretär Jo Dreiseitel (Grüne), Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) und Sozialdezernent Dennis Grieser (Grüne). Die Politiker eröffneten die Lese-Ecke der Gemeinschaftsunterkunft in der Hans-Sachs-Straße.

Unter dem Motto „Bücher sagen willkommen“ hat die Initiative „LitCam“ bereits zahlreiche Lese-Ecken eingerichtet, drei davon jetzt in Rüsselsheim – außer in der Hans-Sachs-Straße, in der Schillerschule und in der Georg-Büchner-Schule.

„Wir haben in der Stadt mehr als 1140 Flüchtlinge. Ein nicht geringer Anteil davon sind Analphabeten“, berichteten Burghardt und Grieser. Vor diesem Hintergrund sei es eine große Herausforderung, diesen Menschen das Lesen und Schreiben beizubringen. „Eine wesentliche Voraussetzung von Integration ist, dass man die deutsche Sprache beherrscht“, ergänzte Jo Dreiseitel, Staatssekretär unter anderem für Integration.

Neben dem Deutschunterricht, den Flüchtlinge in Anspruch nehmen können, sollen nun die Lese-Ecken Spaß auf die nicht immer leichte deutsche Sprache machen. Das „Bildwörterbuch Arabisch Deutsch“ beispielsweise erklärt 16 000 Begriffe und Redewendungen.

In einem anderen Buch wird die deutsche Grammatik, an der sich nicht wenige die Zähne ausbeißen, in anschaulichen Bildern erklärt. „Hallo!“ wendet sich an diejenigen, die Deutsch bereits gut beherrschen, aber ihren Wortschatz noch erweitern wollen.

Für Kinder und Jugendliche gibt es ebenfalls entsprechendes Material. Poster zu unterschiedlichen Alltagssituationen ergänzen das Geschriebene.

Friederike Rott, Leiterin der Schillerschule, und ihre Amtskollegin Dagmar Schneberger-Splitt von der Georg-Büchner-Schule kündigten an, das Material für ihre Lese-Ecken gezielt den Schülern der Integrationsklassen anzubieten.

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