Ingrid Biedert von den Bücherfreunden schätzt die Räume der Stadtteilbücherei in Königstädten. Das Gebäude im EKZ ist ein Treffpunkt für Menschen jeden Alters, den der Verein erhalten möchte. Ein Neubau kommt für die Mitglieder nicht infrage.
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Ingrid Biedert von den Bücherfreunden schätzt die Räume der Stadtteilbücherei in Königstädten. Das Gebäude im EKZ ist ein Treffpunkt für Menschen jeden Alters, den der Verein erhalten möchte. Ein Neubau kommt für die Mitglieder nicht infrage.

Stadtteilbücherei

Bücherfreunde wollen ihre Räume im EKZ behalten

  • Dorothea Ittmann
    vonDorothea Ittmann
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Abriss und Neubau steht im Bauausschuss zur Debatte

Königstädten -Das Einkaufszentrum (EKZ) in Königstädten ist in die Jahre gekommen. Der Flachbau aus den 1970er Jahren leiste allerdings noch gute Dienste, sind Ortsvorsteher Karl-Heinz Schneckenberger (Linke/Liste Solidarität) und Ingrid Biedert, erste Vorsitzende der Bücherfreunde, überzeugt. Die Königstädter Bücherfreunde kümmern sich um das Medienangebot in der Stadtteilbücherei, organisieren Aktionen und Angebote in und rund um die Bibliothek, neben der auch das Büro des Ortsvorstehers, das Ortsgericht und der Jugendtreff in dem Gebäude untergebracht sind.

Anlass zur Sorge gibt ein Antrag der CDU-Fraktion, der den Abriss des eingeschossigen Baus und Neubau eines mehrgeschossigen Mehrzweckgebäudes durch die Gewobau vorsieht. Im Obergeschoss sollen Wohnungen entstehen und auf diese Weise einen "architektonischen und städtebaulichen Impuls für eine nachhaltige belebende Entwicklung" im Einkaufszentrum Königstädten geben.

Wie das neue Gebäude aussehen wird, soll ein städtebaulicher Wettbewerb für das EKZ zeigen. Doch vorab müsse der Magistrat mögliche Optionen der Nutzung prüfen sowie den Raum- und Wohnbedarf in Königstädten mit der Gewobau erörtern. Die Planungen könnten aber erst 2024 beginnen, heißt es in der Vorlage.

Und was passiert in einem solchen Fall mit der Bücherei und dem Kinder- und Jugendtreff? Die müssten erst einmal umziehen. Ersatzräume ließen sich in Königstädten nur schwer finden, stellt der Magistrat fest. Sollte bis zum Beginn des Bauprojekts das angedachte Nachbarschafts- und Familienzentrum fertiggestellt sein, könnte die Bücherei dort zeitweise unterkommen.

Sozialer Mittelpunkt

Ingrid Biedert und Karl-Heinz Schneckenberger plädieren für eine Ertüchtigung des bestehenden Gebäudes. Denn ist die Stadtteilbücherei einmal ausgezogen - und wenn auch nur für einen begrenzten Zeitraum -, verliere sie womöglich ihre Funktion als sozialer Mittelpunkt des Ortsteils, befürchtet Biedert. "Man kann etwas Gewachsenes leicht zerstören, aber nur sehr langsam wieder aufbauen", mahnt sie mit Blick auf die Vielzahl von Angeboten.

Da wären zum einen der wöchentliche Bücherflohmarkt, die Gesprächskreise, Lese- und Ferientreffs, die Hausaufgabenbetreuung und vieles mehr. Zum anderen nutzten Senioren die Räume für ihre regelmäßigen Bewegungsübungen. Auch Integrationsarbeit leisteten die Bücherfreunde unter dem Dach der Bibliothek. "Wir sind Kümmerer", sagt Biedert, und als solche hätten sie im Herzen Königstädtens eine hervorragende Bleibe.

Würde die Bücherei in Containern weiter außerhalb untergebracht, kämen weniger Leute. Angebote müssten reduziert oder ganz eingestellt werden, die Bücherflohmärkte, die sonst auf dem Parkplatz vor dem Gebäude stattgefunden haben, gäbe es dann wahrscheinlich nicht mehr. Das bedeute für die Bücherfreunde weniger Einnahmen. Jedes Jahr kaufe das Team für rund 8000 Euro neue Medien. Fehlt das Geld, leidet der Bestand.

"Wir können uns einen anderen Standort nicht vorstellen", sagt Biedert mit Nachdruck, "auch nicht vorübergehend." Das Einkaufszentrum mit seinen Geschäften und Laufkundschaft sorge auch immer dafür, dass Menschen spontan in der Bücherei vorbeischauen. Kein anderer Standort könne dies bieten. "Wir werden für den Erhalt unserer Stadtteilbücherei kämpfen", kündigt Biedert an, sollte die Magistratsvorlage, die den CDU-Antrag aufgreift, eine Mehrheit bekommen. Dorothea Ittmann

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