In einem kurzen Referat stellt Elisabeth Staudt vom Forum Umwelt und Entwicklung in Berlin die 17 Ziele der UN Resolution vor.
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In einem kurzen Referat stellt Elisabeth Staudt vom Forum Umwelt und Entwicklung in Berlin die 17 Ziele der UN Resolution vor.

Diskussionen im Landratsamt

Bürger helfen, die Welt zu verbessern

Auf Einladung des Kreises Groß-Gerau und des Partnerschaftsvereins Kreis Groß-Gerau – Masatepe in Nicaragua versammelten sich engagierte Bürger im Landratsamt. Neben Informationen zur Geschichte und den Zielen der Agenda 2030 wurde auch deren konkrete Umsetzung im Kreis diskutiert. Dabei gab es durchaus auch kritische Nachfragen.

Am 25. September 2015 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen (United Nations, kurz UN) die Resolution „Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ verabschiedet. „Alle Länder haben sich damit verpflichtet, die Welt im Hinblick auf nachhaltige Entwicklung zu verändern“, sagt Marta Wachowiak. Für die Koordinatorin kommunaler Entwicklungspolitik im Landratsamt ist der Diskurs besonders wichtig. Zusammen mit engagierten Bürgern aus dem Kreis soll beraten werden, wie die 17 in der Agenda formulierten Ziele umgesetzt werden können.

„Das ist einer von drei Schwerpunkten meiner Arbeit, sagt die promovierte Volkswirtin. Die anderen beiden sind die Betreuung der Partnerschaft mit Masatepe in Nicaragua und die nachhaltige Beschaffung in der Behörde. So gibt es schon jetzt im Landratsamt nur noch Fairtrade-Kaffee und Umweltpapier.

Wachowiak arbeitet in Groß-Gerau, ihre Stelle wird zu 90 Prozent vom Bund und zu zehn Prozent vom Kreis finanziert. „Mir ist wichtig, dass die Themen der Agenda 2030 in der Verwaltung ankommen“, sagt sie. Sie wolle erreichen, dass jeder im Kreis mit der UN-Resolution etwas anfangen könne. Auch die Vernetzung der entsprechenden Aktivitäten im Kreis sei Teil ihrer Aufgabe.

Einen ersten großen Schritt in diese Richtung haben die Verantwortlichen mit Ihrer Tagung im Landratsamt getan. Eingeladen waren Vertreterinnen und Vertreter von Umweltinitiativen, Wohlfahrts- und Sozialverbänden, Gewerkschaften, Kirchen, entwicklungspolitisch tätigen Gruppen, Bildungsträgern, Kreisverwaltung, Parteien und anderen gesellschaftlich engagierten Gruppen.

Schwierige Umsetzung

Vom 1992 gegründeten Forum Umwelt und Entwicklung aus Berlin war Elisabeth Staudt angereist, um die Versammelten zum Einstieg etwas genauer mit den 17 Zielen der UN-Resolution vertraut zu machen. „Der Wille ist da, die Umsetzung schwierig“, muss sie selbst in ihrem Vortrag eingestehen.

Es kommen auch kritische Fragen. Eine Teilnehmerin möchte wissen, wie Wirtschaftswachstum – eines der 17 Ziele – mit dem Ziel Umweltschutz vereinbar sei. Beziehungsweise welches Ziel Vorrang habe, wenn es um die Zukunft umweltschädlicher Wirtschaftszweige wie Atomkraft und die Automobilindustrie gehe.

„Ich habe grade die Rede von Trump in Davos gehört“, lautet eine andere Wortmeldung. Wie die Politik des amerikanischen Präsidenten mit der UN-Resolution vereinbar ist, möchte diese Teilnehmerin wissen.

Dass als Indikator des Zieles Wirtschaftswachstum in der Resolution die Veränderung des Bruttoinlandsproduktes gelte, wird von vielen kritisch gesehen. „Es gibt doch schon längst alternative Indikatoren“, wirft ein Gast ein. Staudt sieht das ähnlich, erinnert aber daran, dass für viele sogenannte Entwicklungsländer das Wirtschaftswachstum tatsächlich ein wichtiges positives Ziel sei.

Ziele zu wenig konkret

Staudt appelliert an die Zuhörer, trotz gewisser Widersprüche, an der Erreichung der Ziele zu arbeiten. Die seien, da von der UN verabschiedet, eigentlich verbindlich. „Viele Länder wollen sich auf internationalem Parkett nicht blamieren, das ist der Hebel, an dem man ansetzen kann. Wichtig ist, dass alle immer wieder nachfragen“, lautet ihr Schlusswort.

Inge Müller vom Verein Lebensalter und Mitbegründerin des Rüsselsheimer Frauenzentrums war gekommen, um zu hören, was der Kreis für Senioren und Frauen tun möchte. Sie findet es gut, dass der Abend ihr einen Überblick gegeben hat, was genau die Ziele der Agenda sind. „Es ist kompliziert und vieles hat der Kreis leider nicht in der Hand“, lautet ihr Resumee. Dennoch sei es eine interessante Veranstaltung gewesen, lobt Müller.

Dieter Baumgardt vom Umweltverband Nabu-Rüsselsheim freut sich über die Diskussion zu seinem Herzensanliegen – der Ökologie. Dennoch ist er skeptisch: „Es reicht nicht, Ideen zu formulieren.“ Der engagierte Naturschützer vermisst konkrete Handlungsangebote. „Eigentlich müssten das ja unsere Politiker machen, die werden dafür bezahlt“, beschwert er sich. Die Bürger hätten letztlich leider wenig Macht.

Heiner Friedrich vom Partnerschaftsverein Kreis Groß-Gerau – Masatepe in Nicaragua lobt die große Vielfalt der vertretenen Organisationen. „Das haben die Verantwortlichen in der Verwaltung gut organisiert“, sagt er. Auch er sieht ein Problem darin, dass die „globalen Ziele sehr allgemein und umfassend sind“. Dadurch seien sie nicht so greifbar. Er vermisst konkretere Ziele. Dennoch sei die Veranstaltung ein guter Anfang. „Jetzt ist es wichtig, dass diese Themen öffentlich werden und ein gesellschaftlicher Druck entsteht“, wünscht er sich.

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