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Wegen der spärlichen Beleuchtung meidet manch einer den Verna-Park.

Sicherheit

Bürger und Politiker sehen Handlungsbedarf bei Innenstadt, Mainvorland und Parks

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Um das Sicherheitsgefühl zu stärken, beteiligt sich die Stadt an einem Landesprogramm . Das ist aber nur der Anfang.

Das Mainvorland gehört zu den schönsten Ecken, die Rüsselsheim zu bieten hat. Doch wer abends sein Auto auf dem dortigen Parkplatz abstellt, dem geht es womöglich so wie der Freundin von Sieglinde Baumann. Die Freundin wohnt in Klein-Gerau. Einmal im Monat fährt sie mit dem Auto zur Rüsselsheimerin Baumann, um mit ihr zu essen. Weil die Freundin aber in der Innenstadt, wo das Stammlokal der beiden älteren Damen ist, keinen Parkplatz findet, stellt sie ihren Wagen am Mainvorland ab. Nach dem Abendessen begleitet Baumann ihre Freundin stets wieder dorthin zurück. „Allein kann ich sie im Dunkeln nicht gehen lassen“, erzählt Baumann. Das liege auch daran, dass sie am westlichen Rand des Parkplatz immer wieder Leute antreffe, die ihr nicht geheuer seien. Deshalb würde sie es befürworten, den Parkplatz mit Videokameras zu überwachen. „Zumindest abends“, sagt Baumann. Den Verna-Park einige Meter weiter betritt sie wegen der vielen dunklen Ecken schon gar nicht mehr. Auch dort könnten Kameras zumindest für mehr gefühlte Sicherheit sorgen.

Um das Sicherheitsgefühl in der ganzen Stadt zu stärken, ist Rüsselsheim kürzlich dem darauf ausgerichteten Landesprogramm „Kompass“ beigetreten. Bei der Vorstellung des Programms machte der südhessische Polizeipräsident Bernhard Lammel, einst bei der Kriminalabteilung in Rüsselsheim tätig, deutlich, dass er sich den Einsatz von Videoüberwachung in der Opel-Stadt vorstellen könne. Damit habe man bereits beim Hessentag gute Erfahrungen gemacht.

Nachdem die WsR-Fraktion in der Vergangenheit bereits mit dem Vorhaben scheiterte, will sie nun abermals über einen Antrag in der Stadtverordnetenversammlung abstimmen lassen, demzufolge der Magistrat beauftragt werden soll, mit der Polizei ein Konzept zur Videoüberwachung zu erarbeiten und es schnellstmöglich umzusetzen. Die WsR beruft sich auf eine Passage eines gemeinsamen Positionspapiers des Deutschen Städte- und Gemeindebunds sowie der Gewerkschaft der Polizei. Dieses Papier wiederum verweist auf Studien, die belegt hätten, dass Videoüberwachung vor allem an Kriminalitätsschwerpunkten erfolgreich sei. Einen solchen Schwerpunkt sieht Fraktionschef Joachim Walczuch „ganz klar in der Innenstadt, mit den Brennpunkten Bahnhofsvorplatz und Fußgängerbereich der Stadtunterführung“. Zudem nennt er Verna-Park und Ostpark, wo etwa die Beleuchtung verbessert werden müsste. Große Hoffnungen setze man in das „Kompass“-Programm.

Videoüberwachung wird auch von der CDU befürwortet. Diese könne Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos) sogar ohne die Stadtverordneten veranlassen, da es sich um eine „Ordnungsangelegenheit“ handele. Bei „Kompass“ will CDU-Chef Thorsten Weber die Erfahrungen der Bürgern in Sachen Sicherheitsgefühl abfragen. Bei ihm würden in Gesprächen vor allem in der Dunkelheit kritische Orte angesprochen. „Die Sophienpassage, der Parkplatz am Mainvorland und der Berliner Platz“, berichtet Weber. Am Mainvorland seien es vor allem Autofahrer, die mit „Startsprints“ und durchdrehenden Reifen auffielen.

Abdullah Sert (FDP) zufolge hängt das Sicherheitsempfinden mancher Bürger vielmals mit den örtlichen Begebenheiten in puncto Sauberkeit, Beleuchtung im Dunkeln und Präsenz von Polizei zusammen. Das Mainvorland sieht Sert als Positiv-Beispiel. Nach der Erneuerung des Platzes sei dieser zu neuem Leben erwacht. Er werde jetzt als besser und sicherer empfunden.

Für die Linke/Liste Solidarität geht es nicht nur um Sicherheitsgefühle, sondern um die „Reduzierung von Ursachen für reale Unsicherheiten aufgrund begründeter Ängste“. Der „im Kapitalismus grundlegenden und oftmals gewollten Angst“ wegen der Unsicherheit des Arbeitsplatzes lasse sich auf kommunaler Ebene nur begrenzt begegnen.

Dies solle aber nichtsdestotrotz durch sichere Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst und durch die Bereitstellung von mehr Ausbildungsplätzen geschehen. Wachsende Kommerzialisierung und Politik der Sparsamkeit schafften eine ungenügende Situation in Krankenhäusern und bei der Pflege, das erzeuge besonders bei älteren Menschen Angst und Unsicherheit. Hier solle die Stadt als Träger des GPR-Klinikums entgegenhalten. „Und einige dunkle Ecken besser auszuleuchten, kann natürlich auch nicht schaden, ja sogar Unsicherheiten abbauen und das Sicherheitsgefühl heben“, sagt Heinz-Jürgen Krug.

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