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BI-Aktivist Horst Bröhl-Kerner spricht über die 200. Montagsdemo.

200. Montagsdemo

Bürgerinitiative gegen den Fluglärm: Warum Bedeutung des Flughafens überschätzt wird

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Vor gut fünf Jahren eröffnete am Frankfurter Flughafen die umstrittene Landebahn Nordwest. So lange gibt es am Terminal 1 die Montagsdemos, bei der Gegner gegen den Ausbau des Airports protestieren. Heute um 18 Uhr startet die 200. Montagsdemo. Das Echo hat vorab mit dem Sprecher der Raunheimer Bürgerinitiative gegen den Fluglärm gesprochen.

Wenn es um die Montagsdemos am Terminal 1 geht, stehen die Mitglieder der Raunheimer Bürgerinitiative gegen den Fluglärm (BI) vor einem Dilemma: Wie andere Initiativen sind die Raunheimer gegen den Airport-Ausbau.

Sollte eines der größten Ziele der Demos, die Schließung der Nordwest-Landebahn, jedoch erreicht werden, wird es in Raunheim wieder lauter. Denn Raunheim gehöre zu den wenigen Orten, die durch die neue Landebahn etwas entlastet wurden. Das erklärt laut Sprecher Horst Bröhl-Kerner zufolge auch die zurückhaltende Beteiligung der BI an den Demos.

Doch heute Abend wollen die Mitglieder sich solidarisch mit ihren Mitstreitern von den zahlreichen anderen Initiativen zeigen. „Es werden einige von uns hingehen“, kündigt Bröhl-Kerner an. Um ein Zeichen zu setzen gegen den „Radau über den Dächern“, wie es der BI-Sprecher nennt.

Der lasse sich im Grunde nur reduzieren, wenn auch die Zahl der Flugbewegungen abnimmt. Momentan liegt deren Zahl bei 462 000 pro Jahr. Bis 2020 sei mit mehr als 700 000 zu rechnen. Viel zu viel, meint Bröhl-Kerner. Selbst die vom Bündnis der Bürgerinitiativen genannten 380 000 Flugbewegungen lehnt er ab. „Wenn man sich anschaut, was der lokale Bedarf ist, sollten es nur 100 000 bis 200 000 sein“, fordert er.

Dass der Frankfurter Airport so zu einem Provinz-Flughafen werden könnte und dies negative Folgen für die Stadt haben könnte, glaubt er nicht: „Das ganze Geschwafel von der Bedeutung für die Region muss weniger werden.“ Von mehr Flugbewegungen profitiere einzig Fraport als Betreiber des Airports. Besonders die Menschen, die in Frankfurt nur umsteigen, brächten der Region überhaupt keinen Vorteil.

In diesem Zusammenhang ist Bröhl-Kerner vor allem der Bau von Luxuslounges für Reiche ein Dorn im Auge. „Das ist ein Geschäftsmodell, das kein Mensch braucht. Es ist völlig unverantwortlich, die Anwohner darunter leiden zu lassen“, moniert er.

Den Sinn und Zweck der Montagsdemos sieht Bröhl-Kerner vor allem darin, dass die Kritik so im Bewusstsein der Menschen verankert bleibe. Es werde dafür gesorgt, dass die Politik keine Möglichkeit habe, dem Thema auszuweichen. Als einzig wirklichen Protest-Erfolg der vergangenen Jahre benennt er das Nachtflugverbot von 23 bis 5 Uhr. Dies sei unverzichtbar. Allerdings werde das Verbot durch knapp bemessene Zeitpläne immer wieder ausgehöhlt. Bei Verspätungen gebe es dann keinen Spielraum mehr. Zuletzt habe es diesbezüglich vor allem mit Air Berlin Probleme gegeben. Für die Zukunft befürchtet Bröhl-Kerner Ähnliches bei der Billigfluglinie Ryanair.

Selbst wenn die Pläne einmal eingehalten werden, sechs Stunden seien nicht genug. Ziel müsse die Umsetzung der allgemeinen gesetzlichen Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr sein. Besonders optimistisch, dass sich auf absehbare Zeit etwas tut, ist Horst Bröhl-Kerner aber nicht. „Aktuell ist es nicht greifbar“, räumt er ein.

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