Nach nur einer Amtszeit

Bürgermeister Dennis Grieser muss gehen

Bürgermeister Dennis Grieser (Grüne) scheidet schon nach einer Amtszeit aus. Nur 22 Stadtverordneten stimmten gestern für seine Wiederwahl, 23 dagegen. Eine Zäsur in der Rüsselsheimer Politik.

So viele Zuschauer nehmen selten auf der Besuchertribüne des Rüsselsheimer Plenarsaals Platz: Zahlreiche Verwaltungsmitarbeiter sind gekommen, dazu Erzieher, Lehrer, Kulturtreibende. Die Wiederwahl des amtierenden Bürgermeisters Dennis Grieser (Grüne) steht auf dem Programm der Stadtverordnetenversammlung. Ein enges Ergebnis wird erwartet.

Zu Beginn der Sitzung unterstreicht Grieser am Pult seinen Wunsch, seine vor sechs Jahren begonnene Arbeit fortzuführen. 500 Betreuungsplätze seien in dieser Zeit etwa geschaffen worden, dazu rund ein halbes Dutzend neue Kitas. Zahlreiche weitere Betreuungsangebote sind in Planung. Doch weiß auch Grieser, dass seine Arbeit im Parlament umstritten ist. Die Entwicklung der Sophie-Opel-Schule und die Umsetzung des Kunstpfads brachten starken Gegenwind. Selbstkritisch sagt er: „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich würde alles wieder genau so machen.“ Große Herausforderungen habe die Stadt zu meistern, es müssten Lösungen für demografische Entwicklungen gefunden werden. „Ich würde mich freuen, wenn Sie mir erneut das Vertrauen schenken“, schließt er seine Rede. Fraktionsübergreifender Applaus.

Doch täuschen diese positiven Vorzeichen. Rund 30 Minuten später verkündet Stadtverordnetenvorsteher Jens Grode (SPD) das Ergebnis der geheimen Wahl: 22 Abgeordnete stimmen für eine erneute Amtszeit, 23 dagegen. Im Saal herrscht gespenstische Stille, kein Räuspern, kein Hüsteln. Dennis Grieser ist abgewählt.

Rund eine Stunde später, die Sitzung ist beendet, stehen die Abgeordneten zusammen.

„Das ist Demokratie“

, sagt Grieser, während er von zahlreichen Abgeordneten umarmt wird. „Ich hätte gerne weitergemacht.“ Sechs Monate wird er noch das Bürgermeisteramt ausführen, dann wird er seine Arbeit als Fachanwalt für Familienrecht wieder aufnehmen. Doch ist das nicht der Abend, um über solche Dinge zu sprechen.

Oberbürgermeister Udo Bausch (parteilos) zeigt sich betroffen: „Dennis Grieser hat sein Amt mit Leib und Seele ausgeführt. Der Ausgang der Wahl hat mich überrascht. Und es tut mir leid für ihn.“

Schnell wird klar, dass das Vierer-Bündnis aus SPD, Linke / Liste Solidarität, WsR und Grüne gescheitert ist. Weil die WsR gegen Grieser votiert habe, sehen insbesondere die Grünen keine Chance für eine weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit. Und auch Karl-Heinz Schneckenberger (Linke / Liste Solidarität) sagt klar: „Von meiner Seite aus ist das

Bündnis am Ende

.“ Die Rüsselsheimer Politik muss sich jetzt neu ordnen.

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