Kalweits Kritik zurückgewiesen

Bürgermeisterin bezieht Stellung zum Bundesverkehrswegeplan

Über viele Jahrzehnte prägte die Bahn die Gemeinde. Bis in die 1960er Jahre war der Güterbahnhof der zweitgrößte Rangierbetrieb in Süddeutschland. Soweit wollen es die Parteien und Vereine in Bischofsheim nicht wieder kommen lassen, darin sind sie sich einig – nur nicht über das Vorgehen.

Bürgermeisterkandidat Ingo Kalweit (CDU) hat das Thema bei seinem Wahlkampf in Erinnerung gerufen, so scheint es. „Da rollt was auf uns zu“, kündigte er in der Informationsveranstaltung zu neuem Bahnlärm in Bischofsheim an. Durch die Planungen des Bundesverkehrswegeplans 2030 verdoppele sich womöglich der Bahnverkehr auf den Schienen bei Bischofsheim.

Grund dafür sei die Neubaustrecke von Zeppelinheim nach Mannheim-Waldhof, die bis 2035 fertiggestellt werden soll. „Durch diese Neubaustrecke können eine Vielzahl von Zügen, die derzeit am Rhein entlang an Bischofsheim vorbeifahren künftig durch Bischofsheim über Nauheim und Groß-Gerau nach Darmstadt und von dort nach Süden geleitet werden“, erklärt Kalweit in einer Pressemitteilung. Hinzu komme die neue Direktverbindung von Troisdorf nach Bischofsheim, die das Mittelrheintal entlasten solle. Beide Pläne dienten der Verbindung zwischen dem Seehafen Rotterdam und Basel.

Kalweit erklärte, er hätte sich gewünscht, dass die Bürgermeisterin dem Positionspapier von 16 Bürgermeistern und Landräten aus den Kreisen Groß-Gerau und Bergstraße beigetreten wäre und sich eingebracht hätte. Er kündigte an, einen Antrag zu formulieren und diesen mit der Bitte ihn zu unterstützen an die anderen Fraktionen der Gemeindevertretung zu schicken.

Bürgermeisterin Ulrike Steinbach (SPD) widerspricht: „Es ist zu früh, um das gesamte Ausmaß der Auswirkungen des Bundesverkehrswegeplans auf Bischofsheim abschätzen zu können“, mahnt sie zur Vorsicht. Sie nehme die Befürchtungen aber ernst, dass sich der Bahnlärm in der Eisenbahnergemeinde verstärken könnte.

Steinbach habe im April 2016 in dieser Sache eine Stellungnahme an das Bundesverkehrsministerium gesandt. „Die Darstellungen der einzelnen Projekte sind keineswegs transparent und im Entwurf wurde das Thema Lärm nur unzureichend berücksichtigt“, kritisiert die Bürgermeisterin. In ihrer Stellungnahme sei sie darauf eingegangen, dass die Bevölkerung von Bischofsheim schon jetzt Lärmimmissionen, verursacht durch Flug-, Straßen- und Bahnverkehr ausgesetzt ist. Besonders die Lärmminderung in der Nacht müsse mehr Berücksichtigung finden.

„Ich fordere, dass die Ergebnisse der Norah-Studie Berücksichtigung finden müssen, um die Gesamtbelastung und die Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung eingrenzen zu können“, so Steinbach. In der Norah-Studie (Noise-Related Annoyance, Cognition and Health), mit dem Schwerpunkt Rhein-Main-Gebiet, wurde fünf Jahre lang untersucht, wie sich Verkehrslärm auf die Gesundheit und die Lebensqualität von Menschen auswirkt.

Sie sei auch im ICE-Forum Südhessen präsent, um sich mit anderen Bürgermeistern und Landräten über die Neubaupläne der Deutschen Bahn auszutauschen, dementiert Steinbach Kalweits Kritik, sie bringe sich nicht bei Initiativen gegen Bahnlärm ein.

Ulrike Steinbach verhandele gemeinsam mit den vier südhessischen Landräten, dem Darmstädter Oberbürgermeister sowie Bürgermeisterkollegen aus der Region mit dem Konzernbeauftragen der Deutschen Bahn wie die direkte kommunale Beteiligung und Einbindung in das Projekt sichergestellt werden kann, präszisierte Fraktionsvorsitzende Kerstin Geis (SPD). red

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