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Bürgerpreis der Stadt geht an Christa Bracht-Kuckuck

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Christa Bracht-Kuckuck ist die Gründerin des Hospizvereins Mainspitze. Dafür bekommt sie den Bürgerpreis der Stadt Ginsheim-Gustavsburg verliehen.
Christa Bracht-Kuckuck ist die Gründerin des Hospizvereins Mainspitze. Dafür bekommt sie den Bürgerpreis der Stadt Ginsheim-Gustavsburg verliehen. © (RALPH KEIM)

Eine hohe Auszeichnung für eine engagierte Frau: Der Bürgerpreis 2018 geht an Christa Bracht-Kuckuck. Die heute 73 Jahre alte Ginsheimerin gründete vor mehr als vier Jahren den in Gustavsburg ansässigen Hospizverein Mainspitze.

Der Tod gehört zu dem wenigen, was alle Menschen verbindet. Und doch geht besonders die westliche Gesellschaft mit dem Tod und dem Sterben längst nicht so unbefangen um wie beispielsweise mit der Geburt. Nicht selten werden beim Sterben die Betroffenen im Stich und ihre Verwandten alleine gelassen. Geredet wird über den Tod, wenn überhaupt, nur so viel wie dringend notwendig. Und obwohl das Selbstbestimmungsrecht des Menschen als hohes Gut behandelt wird, so endet doch dieses bei der Entscheidung, seinem Leben bei einer schweren Krankheit selbst ein Ende zu setzen.

Christa Bracht-Kuckuck wurde vor 15 Jahren mit dem Tod eines von ihr hoch geschätzten Menschen konfrontiert. „Ich hatte damals eine Freundin, die sich zum Sterben selbst in ein Hospiz eingeliefert hat“, erinnert sich die heute 73 Jahre alte Ginsheimerin. Dieser Schritt und die Zeit damals hatten bei ihr nachhaltigen Eindruck hinterlassen. „Mit dem Begriff Hospiz verband ich zunächst eher eine mittelalterliche Herberge.“

Das Hospiz als Ort, um in Würde und nicht einsam zu sterben, gibt es erst seit den späten 60er Jahren. 1967 wurde in Großbritannien das erste Hospiz eröffnet, in Deutschland erst 1986, wo es spezielle Kinderhospize seit 1998 gibt. Der Tod der Freundin und der Ort, wo sie starb, hinterließ in Christa Bracht-Kuckuck auch einen Gedanken, der in der Gründung des Hospizvereins Mainspitze münden sollte. Die Aktiven engagieren sich nicht etwa in einem solchen Hospiz, sondern besuchen Sterbende in deren Zuhause, im Altenheim oder im Krankenhaus.

Beruflicher Erfolg

Zur Welt kam Christa Bracht-Kuckuck in Wetter an der Ruhr. „Ich wuchs in einem sehr armen Elternhaus mit drei Geschwistern auf“, erzählt sie. Nach der Volksschule arbeitete sie sich vom sogenannten Anlernling bei einer Bank in unterschiedlichen Branchen hoch bis zur erfolgreichen Personalmanagerin mit Verantwortung über rund 10 000 Menschen.

Ihre zweite Heirat und berufliche Wechsel führten Christa Bracht-Kuckuck Ende der 80er Jahre ins Rhein-Main-Gebiet. Seit knapp 25 Jahren lebt sie in Ginsheim. „Zum Ende unserer Berufszeit entschieden mein Mann und ich, auch im Ruhestand hier zu bleiben“, sagt sie. Als es für sie darum ging, sich im Ruhestand für die Gesellschaft engagieren zu wollen, lotete sie die Möglichkeiten aus, einen Hospizverein für die Menschen der Region zu gründen. „Damals gab es solche Einrichtungen nur in Mainz und in Rüsselsheim, was für die Betroffenen der Mainspitz-Region zum Teil weite Anfahrtswege zur Folge hatte.“

Bereits zu dieser Zeit engagierte sich die frühere Personalmanagerin in Mainz, wo sie sich zur Hospizhelferin ausbilden ließ. In Ginsheim-Gustavsburg stieß sie mit ihrer Idee, einen Hospizverein zu gründen, auf breite Zustimmung. Am 30. Juni 2003 war es schließlich soweit: Mit Christa Bracht-Kuckuck als Vorsitzende und Geschäftsführerin gründete sich der Hospizverein Mainspitze.

„Uns war von Anfang an wichtig, die bundesweit nur in Rheinland-Pfalz umgesetzten Mindeststandards bei der Sterbebegleitung ebenfalls anzuwenden.“ Zudem führte der Verein mit Beginn des Jahres 2014 Besuchsdienste in Alten- und Pflegeheimen ein. Mit Gesprächs- und Diskussionsabenden will der Hospizverein dem Tod den Stachel und den Menschen die Angst davor nehmen.

Er starb in ihren Armen

Christa Bracht-Kuckuck selbst hat im Laufe der Jahre mehr als 20 Menschen bis zum Tod begleitet. 2014 starb ihr zweiter Mann – in ihren Armen, in seinem Zuhause, wo er zum Abschiednehmen noch Stunden nach seinem Tod aufgebahrt in seinem Bett lag. „Es war mir damals sehr wichtig, dass er vom Bestatter nicht sofort weggebracht wurde, wie es normalerweise üblich ist.“

Die schwere Krankheit ihres Mannes hatte dazu geführt, dass sich Christa Bracht-Kuckuck vom Hospizverein und den Ämtern zurückziehen musste. Nach dem Tod ihres Mannes gab es noch einmal ein kurzes Comeback. Inzwischen hat Susanne Kühn-Benning den Vorsitz übernommen. Christa Bracht-Kuckuck ist weiterhin Mitglied im Verein. Ansonsten genießt sie ihre Freizeit mit Tanzen, Yoga und autobiografischem Schreiben.

Der Bürgerpreis wird der Gründerin Christa Bracht-Kuckuck am 26. Januar bei einer Sondersitzung der Stadtverordnetenversammlung im Bürgerhaus Ginsheim verliehen.

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