Rüsselsheim - Eine Begegnungsstätte für Künstler, Kunstinteressierte, Fans des Vintage, des Industrial und der Kreativität. Ein Ort, dem es gelingt, eine Brücke zwischen Alt und Neu zu bilden und an dem die Menschen zusammenkommen, um etwas zu trinken und zu essen und sich dabei die immer wechselnden Werke und Exponate an den Wänden und im Raum anzusehen. Das alles in liebevoll gestalteter Inneneinrichtung mit ausgesuchten Alt-Möbeln.

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Chausseehaus steht vor dem Aus: Corona zerstört den Lebenstraum von Betreiber Sam Khayari

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Alles lief prächtig im neuen alten, liebevoll wieder hergerichteten Chausseehaus in der Darmstädter Straße. Doch dann kam Corona. Jetzt denkt Macher Sam Khayari ans Aufhören.

Rüsselsheim-Eine Begegnungsstätte für Künstler, Kunstinteressierte, Fans des Vintage, des Industrial und der Kreativität. Ein Ort, dem es gelingt, eine Brücke zwischen Alt und Neu zu bilden und an dem die Menschen zusammenkommen, um etwas zu trinken und zu essen und sich dabei die immer wechselnden Werke und Exponate an den Wänden und im Raum anzusehen. Das alles in liebevoll gestalteter Inneneinrichtung mit ausgesuchten Alt-Möbeln.

So fasst man wohl das Konzept zusammen, das Sam Khayari vor Augen hatte, als er vor knapp einem Jahr das Chausseehaus in der Darmstädter Straße neu eröffnete. Am 22. Juni 2019 konnte der "Kreativnomade", wie er sich selbst nennt, damit beginnen, seinen Traum zu leben. Von Beginn an war es ein Erfolg. Die Mischung aus Café, Bar und Partyraum wurde gut angenommen. Gäste nutzten den Raum für private Feste, mittags wurde stets ein selbst gekochtes Lunch angeboten.

Doch nun könnte dieser Traum, in den Khayari so viel Schweiß, Mühe und Liebe gesteckt hat, schon bald wieder zerplatzen. Der Grund ist, wie soll es auch anders sein, die Corona-Pandemie.

Zwar könnte der Künstler und Gastwirt das Chausseehaus nun unter Auflagen öffnen, doch das wird er nicht tun, wie er mit ernster Miene erklärt: "Die Regeln sind in meinem Fall mit einem realistischen Betrieb nicht vereinbar. Die Auflagen richten sich an Gaststätten, deren Hauptfokus auf dem Konsumieren liegt.

Keine Hilfe von der Stadt

Doch darum geht es bei dem Chausseehaus nicht. Der Laden lebt davon, dass verschiedene Menschen zusammenkommen und sich miteinander austauschen. Er lebt davon, dass sich die Gäste frei bewegen können.

Mit den von der Landesregierung auferlegten Regeln sei das nicht mehr umsetzbar. "Ich müsste Hinweisschilder aufhängen und Markierungen anbringen. Das würde das Ambiente und die Atmosphäre zerstören.", so Khayari weiter.

Auch die Datenerfassung der Gäste sieht der Künstler kritisch. Und von den Verantwortlichen der Stadt fühlt er sich etwas im Stich gelassen. "Ich habe erwartet, dass die Stadt auf die Gastronomen zukommt und ihnen Unterstützung in der Umsetzung der Maßnahmen anbietet, zumal die Maßnahmen regional ganz unterschiedlich gehandhabt werden. Leider ist das nicht passiert", stellt Sam Khayari kritisch fest.

Entscheidung in vier Wochen

Der letzte und wichtigste Grund, warum der Unternehmer das Chausseehaus zum jetzigen Zeitpunkt nicht öffnen möchte, ist das Thema Sicherheit: "Ich habe eine Verantwortung für die Gäste, für die Mitarbeiter und für meine Familie. Ich habe kein gutes Gefühl dabei, unter den aktuellen Umständen den Betrieb wieder hochzufahren."

Tatsächlich denkt Sam Khayari darüber nach, das Chausseehaus ganz zu schließen. Die Entscheidung möchte er in den kommenden vier Wochen treffen, auch wenn es ihm sehr schwerfällt, wie er zugibt.

Noch hadert er: "Das Chausseehaus ist mein Baby. Ich hatte bisher nur einen kurzen Moment die Gelegenheit, diesen Traum zu leben. Es zu schließen, würde mich auch emotional sehr treffen. Doch rational muss es für mich auch einfach weiter tragbar sein." Denn mit einer stark reduzierten Anzahl an Gästen kommt der Gastronom wirtschaftlich nicht über die Runden.

Sollte er sich für die Schließung entscheiden, dann bedeutet das für Sam Khayari abermals einen beruflichen Neuanfang.

Obwohl er auch hier eine realistische Einschätzung hat: "Ob ich so schnell wieder in meinen alten IT-Beruf zurückkommen kann, steht in den Sternen. Die meisten Firmen haben zurzeit Kurzarbeit und stellen keine neuen Mitarbeiter ein."

Künstlerisch tut sich bei dem gebürtigen Rüsselsheimer jedoch viel, wie er froh berichtet: "Ich schreibe aktuell an meinem "Covidiary", das auf Instagram und Facebook erscheint.

Erfolg mit Tagebuch "Covidiary"

Nun hat sich ein Verlag bei mir gemeldet und ich kann ankündigen, dass es das "Covidiary" auch bald analog in gebundener Form geben wird."

Khayari hat am Donnerstag bereits die 65. Episode seines besonderen Tagebuchs zur Pandemie - einer Mischung aus Zeichnungen und Texten - veröffentlicht.

Insgesamt möchte er 100 Tage lang seine Gedanken zur Corona-Krise mit Bildern und Worten darbringen. Danach soll das "Covidiary" im Druck veröffentlicht werden. "Das ist für mich ein toller künstlerischer Lichtblick in dieser unschönen Zeit", sagt Khayari.

Außerdem sei in Kooperation mit der Jugendförderung ein Workshop in Planung. "Der Workshop wird Corona-konform voraussichtlich im August stattfinden", so Khayari.

Zudem ist der Künstler an der Erstellung eines Magazins in Zusammenarbeit mit dem FKK - dem Freien Kunst und Kulturverein - beteiligt. Info: Einblicke in das "Covidiary" von Sam Khayari gibt es auf Instagram unter chausseehaus_ram/. 

Von Daniela Hamann

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