Der schadstoffbelastete Boden ist ausgehoben. Nun wird die Fläche mit Kies und Mineralgemisch verfüllt. FOTO: Ittmann
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Der schadstoffbelastete Boden ist ausgehoben. Nun wird die Fläche mit Kies und Mineralgemisch verfüllt.

Obdachlosenunterkunft

Containeranlage der Diakonie wird teurer

Baupreissteigerung und Baugrundrisiko treiben Kosten in die Höhe

Rüsselsheim - Die alten desolaten Wohncontainer für Obdachlose auf dem Grundstück des Diakonischen Werks Groß-Gerau/Rüsselsheim sind mittlerweile abtransportiert worden. Die früheren Bewohner, die zwischenzeitlich woanders untergekommen sind, warten nun auf ihr neues Zuhause. Bevor die zweistöckige Containeranlage aufgebaut werden kann, muss eine Bodenplatte eingelassen werden. Dafür hat die beauftragte Baufirma Bodenmaterial bis zu drei Meter tief ausgehoben und neu verfüllt. Damit soll die Tragfähigkeit des Bodens erhöht werden, der auf dem ehemaligen Deponiegelände mit Müll verfüllt worden war. Die Zeit drängt, denn die Bauarbeiten sollen bis Ende November abgeschlossen sein.

Nun steht fest, dass das bereits auf 675 000 Euro erhöhte Budget für den Neubau der Containeranlage im Rugbyring nicht ausreicht und weitere um 100 000 Euro auf 775 000 Euro angepasst werden muss. Der Magistrat hat einen entsprechenden Antrag eingebracht, über den im Bauausschuss am morgigen Donnerstag abgestimmt werden soll.

Grund für die Mehrkosten seien Erschwernisse bei der Fundamentierung, heißt es in der Drucksache. Der Baugrund sei deutlich schlechter als angenommen, so dass der Bodenaustausch unter dem Fundament um weitere 50 auf 150 Zentimeter erhöht werden müsse. Die Höhe des Gründungspolsters, einer Schicht aus Kies, Beton oder Mineralgemisch, welche die Bodenplatte trägt, bewege sich nunmehr im maximal vorgegebenen Bereich des Baugrundgutachters.

Zudem müsse das nachweislich schadstoffbelastete Bodenmaterial in einer höheren Entsorgungsklasse auf die Deponie abgefahren werden. Laboruntersuchungen des Baugrundaushubs hatten ergeben, dass die prognostizierte Schadstoffbelastung des Bodenmaterials höher eingestuft werden muss als im Bodengutachten angegeben. Eine genaue Klassifizierung des schadstoffhaltigen Bodens stehe allerdings noch aus.

Mehrkosten nicht vorauszusehen

Ebenfalls zu Buche schlagen die konjunkturbedingten Baupreissteigerungen. Die Kosten für die Elektro- und Sanitärinstallation hätten sich gegenüber der Prognose von Juni 2021 fast verdoppelt. "Trotz sorgfältiger Vorgehensweise waren diese extremen Baupreissteigerungen und die Mehrkosten durch die Bodenbeschaffenheit nicht vorauszusehen", so die Stadt.

Sie verweist auf eine Mitteilung des Statistischen Bundesamtes vom Juli 2021. Darin heißt es, dass sich sowohl die massiv gestiegenen Erdölpreise als auch die Preise anderer Rohstoffe negativ auf die Preissteigerungen auswirkten. Gleiches gelte für die Entwicklungen der Erzeugerpreise für Vorprodukte aus Kupfer und Kupferlegierungen, die beispielsweise für den Einsatz im Heizungsbau oder in der Elektroinstallation genutzt werden.

Als freiwillige Leistung verbuchen

Dies sei nun eingetreten. Für die Elektro- und Trinkwasserinstallation sowie für die Gründungs-, Erd- und Kanalarbeiten rechnet die Stadt mit Mehrkosten in Höhe von insgesamt 37 500 Euro. Hinzu kommen Mehrkosten aufgrund sogenannter Baugrundrisiken, unter denen die höhere Schadstoffklassifizierung und die neue Statik für die Bodenplatte zusammengefasst werden. Die Mehrkosten belaufen sich hierbei ebenfalls auf 37 500 Euro. Zudem sind 25 000 Euro Puffer einkalkuliert. Unterm Strich also 100 000 Euro, die die Stadt Rüsselsheim als "sozialen Beitrag für die Einrichtung des Diakonischen Werkes aufgrund des dringenden Handlungsbedarfs" als freiwillige Leistung übernehmen werde, wie sie im Antrag schreibt.

Da die beauftragte Herstellerfirma der Container nach der Flutkatastrophe im Ahrtal längere Zeit Hilfe geleistet hatte und nur schwer zu erreichen gewesen war, habe sich die Planung verzögert und damit auch die Ausschreibung für die Installationen. "Dieser Zeitdruck ist bei den Angebotspreisen deutlich zu spüren", schlussfolgert die Verwaltung. dit

Die beiden alten Wohncontainer sind mittlerweile abtransportiert worden. Eine zweistöckige Anlage soll sie ersetzen.

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