Voller Einsatz: Mit einer speziellen Wurftechnik versucht der Bowler die Wickets mit dem Ball zu treffen. Der Schlagmann verteidigt. Zu bestaunen derzeit auf dem Sportgelände der TuS. FOTO: dit
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Voller Einsatz: Mit einer speziellen Wurftechnik versucht der Bowler die Wickets mit dem Ball zu treffen. Der Schlagmann verteidigt. Zu bestaunen derzeit auf dem Sportgelände der TuS.

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Cricket soll in Rüsselsheim ein neues Zuhause finden

  • Dorothea Ittmann
    VonDorothea Ittmann
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Freitagabends und sonntagmorgens rollt ein Cricket-Team seinen Pitch aus. Auf dem Gelände der TuS Rüsselsheim fliegt dann der rote Ball. Die Gruppe besteht vor allem aus Indern, aber auch Pakistanern, die bislang nur Gast sind, bald aber schon Teil des Vereins werden könnten.

Das Cricket-Spiel ist für Rajakuma Belkoti mehr als eine schöne Kindheitserinnerung aus seiner indischen Heimat. Es ist ein Sport, der den Körper fit hält, den Teamgeist stärkt und einen gesunden Ehrgeiz fördert. Nicht umsonst ist Cricket als "Gentleman's game" bekannt, bei dem die Mannschaften auf Fairness achten, wie Belkoti betont, der als Kapitän für die Mannschaft die Verantwortung trägt.

Seit etwa neun Jahren lebt und arbeitet er als Maschinenbauer bei Opel in Rüsselsheim. "Meine Kinder sind in Rüsselsheim geboren", macht der 37-Jährige seine Verbundenheit mit der Stadt deutlich. Mittlerweile spricht er gut Deutsch. Fehlen ihm die deutschen Begriffe, wechselt er ins Englische. Englisch ist denn auch die verbindende Sprache beim Training des "Rüsselsheim Cricket Club". Denn die 14-köpfige Gruppe bestehe vornehmlich aus Indern, aber auch Pakistanern, von denen jeder einen eigenen regionalen Dialekt spricht.

Die Liebe zum Cricket verbindet die Männer über Ländergrenzen hinweg - und die Arbeit beim selben Automobilhersteller. Zusammengebracht hat sie Rajakuma Belkoti, der im Oktober vergangenen Jahres das Cricket-Team gründete. Zunächst trainierte die Mannschaft im Stadion am Sommerdamm, seit Juni ist der Club zu Gast auf dem Grün der Turn- und Sportvereinigung (TuS) Rüsselsheim. Den Fußballern kommen die Cricket-Spieler nicht ins Gehege. Neben dem Geläuf am Keglerheim gibt es ein Baseballfeld, das ansonsten die Rüsselsheim Moskitos bespielen.

Schlagmann verteidigt Wickets

Freitagabends und sonntagmorgens rollt nun das Cricket-Team dort seinen Pitch aus - ein etwa 20 mal 3 Meter großer Streifen, auf dem geworfen und geschlagen wird. An beiden Enden stehen sogenannte Wickets - drei Stäbe -, die der Schlagmann (Batsman) mit seinem Schläger vor dem vom Werfer (Bowler) geworfenen Ball verteidigt. Mit flachen Hütchen markieren die Spieler vorab das äußere und innere Spielfeld. Dann kann es losgehen. Die Spieler gehen auf ihre Positionen; bei einem Turnier besteht eine Mannschaft aus elf Leuten.

Werfer und Schlagmann stehen sich gegenüber. Der Werfer schwingt den Arm und lässt den roten Ball - eine Art Tennisball - fliegen. Der Schlagmann wartet mit erhobenem Schläger vor dem Wicket, fasst den rasanten Ball ins Auge und schwingt. "Klong", der Ball prallt vom Schläger ab und fliegt im hohen Bogen über das innere ins äußere Spielfeld. "Nice shot!" (guter Schlag), ruft ein Teamkollege dem Schlagmann zu.

Während die Feldspieler der gegnerischen Mannschaft versuchen, den Ball zu fangen und so schnell wie möglich zurückzubringen, läuft der Schlagmann zur anderen Seite des Pitches und tauscht mit seinem Partner die Plätze. Für jeden gelungenen Seitenwechsel bekommt die Schlagmannschaft einen Punkt (Run). Das erste Duell ist schnell entschieden.

Hoffen auf

Unterstützung

Weil man für Tennisball-Cricket viel Platz braucht, versucht der Cricket Club so lange wie möglich im Freien zu spielen. Die Saison geht in der Regel von April bis Oktober. "Wir suchen gerade eine Sporthalle, in der wir auch im Winter trainieren können", sagt Belkoti. Dabei erhofft er sich Unterstützung vonseiten der TuS. Derzeit liefen Gespräche mit dem Vereinsvorstand, eine Cricketabteilung zu gründen. Belkoti möchte dem Cricket-Sport in Rüsselsheim auf diese Weise ein Zuhause geben. "Die Spieler kommen und gehen, aber die Sportart soll unter dem Dach des Vereins erhalten bleiben."

Kindermannschaft in Planung

Gelingt der Anschluss an die TuS, möchte Belkoti eine Kinder- und Jugendmannschaft gründen. Der Nachwuchs, zumeist aus den Spielerfamilien selbst, soll an den Traditionssport herangeführt werden. Und wer weiß, vielleicht wollen auch deutsche Kinder mitmachen. Das Interesse an dem Schlagballspiel mit englischen Wurzeln sei jedenfalls groß. Anwohner und Besucher hätten ihn schon mehrmals darauf angesprochen, schildert Belkoti.

Der Rüsselsheim Cricket Club übt nicht nur auf dem heimischen Geläuf. Die Mannschaft misst sich in regionalen Turnieren wie der Softball-Cricket-Liga, dem Eagles Cup und FCT-T10-Cup mit Gegnern wie den Frankfurt Eagles, den Mavericks aus Niederrad oder Darmstadt XI. Gelegentlich gehen die Rüsselsheimer dabei als Sieger vom Feld.

Kapitän Rajakuma Belkoti sieht noch viel Potenzial in seiner Mannschaft. "Wir geben unser Bestes und versuchen, wettbewerbsfähig zu sein." Bisher hat das Team immer auswärts gespielt. Sollten sich die Cricket-Spieler und der TuS-Vorstand einigen, könnten die Rüsselsheimer Schlagballer nächstes Jahr zu sich auf den Rasen am Keglerheim einladen und den Heimvorteil nutzen.

Der Rüsselsheim Cricket Club stellt übrigens nicht die einzige Cricket-Mannschaft im Nordkreis. Bei der Turngemeinde (TG) Rüsselsheim hatten die TGR Kings vor ihrer Auflösung vor drei Jahren erfolgreich gespielt. Sie waren im Februar 2018 von der Stadt für ihren ersten Platz bei der "Twenty20"-Meisterschaft der Deutschen Cricket Union geehrt worden.

Seit wenigen Monaten gibt es zudem eine Cricket-Abteilung beim TSV Trebur. Die 15 Cricket-Spieler trainieren zweimal in der Woche auf dem Rote-Erde-Platz.

Dorothea Ittmann

Mannschaftskapitän Rajakuma Belkoti hat den Rüsselsheim Cricket Club vor knapp einem Jahr gegründet.

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