Darren Arvidson mit seinem iPad, mit dem er sich laufend über den Wahlkampf in den Vereinigten Staaten informiert.
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Darren Arvidson mit seinem iPad, mit dem er sich laufend über den Wahlkampf in den Vereinigten Staaten informiert.

US-Wahlkampf

Darren Arvidson schließt sogar einen Bürgerkrieg in den Staaten nicht aus

Darren Arvidson lebt als US-Amerikaner in Gustavsburg. Den Präsidentschaftswahlkampf beobachtet er mit großer Sorge.

Gleich zur Begrüßung zückt Darren Arvidson Handy und iPad. „Es ist unglaublich, was in diesem Wahlkampf los ist“, erklärt er temperamentvoll. „So eine Schlammschlacht und so viele böse Dinge, die über beide Kandidaten von der jeweils anderen Seite gesagt werden, gab es meiner Meinung nach in der amerikanischen Geschichte noch nie.“

Der Mann mit dem strahlenden Lachen lebt seit mehr als 30 Jahren in Deutschland, davon über zehn Jahre in Gustavsburg. Als Manager des Händlernetzwerks seines aktuellen Arbeitgebers reist er durch die ganze Welt. Die Familie von Arvidson ist erst in den 40er Jahren nach Minnesota ausgewandert. Seine Mutter lebt nach wie vor in den Staaten.

Erst am Mittwoch ist Arvidson, der eine Facebookseite zur Erforschung der Geschichte Gustavsburgs betreibt, von einem viertägigen Aufenthalt in den USA zurückgekommen. Während er auf US-Boden war, hat er noch einmal genau hingesehen. „Schauen Sie“, sagt er und deutet auf ein Foto auf seinem iPad, das zwei Türen benachbarter Häuser in Chicago zeigt. Die eine Tür ist mit der Flagge der USA geschmückt. Gleich beim Nachbarn steht auf Englisch: „Wir gehen wieder zurück nach Vietnam.“

Darren Arvidson denkt, die beiden Türen stehen symbolisch für das, was gerade in den USA passiert: „Ich sehe es auch bei meinen amerikanischen Freunden. Einige erklären offensiv, dass sie für Trump sind, weil sie unglaubliche Angst vor dem Establishment und der Kontrolle durch die Regierung haben. Andere sagen, dass für sie die Welt untergehen wird, sollte nicht Clinton zur Präsidentin gewählt werden.“

Arvidson hält es für möglich, dass es zu einer Art Bürgerkrieg kommen wird, sollte Clinton die Wahl gewinnen. „Trump hat seine Anhänger so aufgewiegelt, indem er sagte, er werde die Wahl von Clinton nicht anerkennen. Ich habe im Netz Kommentare von Amerikanern gesehen, die sagen, dass sie schon ihre Waffen bereithalten, um Trump notfalls mit Gewalt ins Weiße Haus zu befördern.“

Der Gustavsburger hat diesmal nicht gewählt, obwohl er nach wie vor nur die US-Staatsbürgerschaft hat: „Ich hätte per Briefwahl wählen können, aber ich habe kein Gefühl mehr für die USA. Das ist nicht mehr meine Heimat.“ Das sei Gustavsburg. Das sieht man auch an dem Haus: Es ist mit Fotos und Bildern aus der Mainspitze und aus Mainz geschmückt. Man merkt dem Wahl-Deutschen an, dass die Geschichte der Region seine Leidenschaft ist.

Die Wahl sei noch nicht entschieden, meint Arvidson, obwohl viele Medien das Gegenteil behaupteten. „Besonders gefährlich sind die Evangelicals – die extremen christlichen Gruppierungen in den USA. Sie stellen eine große Wählerschaft und werden für Trump stimmen, weil sie gegen alles sind, was Obama vorangebracht hat, wie die Ehe zwischen Homosexuellen, die Abtreibung, die Legalisierung von Marihuana in einigen Staaten und die Anerkennung von anderen Geschlechtern.“

Er hofft, dass Clinton zur Präsidentin gewählt wird und dann vielleicht Bernie Sanders in ihrem Kabinett einen Posten bekommt. „Sanders wurde leider nicht nominiert, doch er hat den Wahlkampf Clintons beeinflusst und ihre Ausrichtung sozialistischer gemacht. Ich hoffe, dass das auch so bleibt.“

Für den 8. November, den Tag der Wahl, hat sich Darren Arvidson nur eines vorgenommen: „Ich werde die Wahl schauen, bis ich weiß wie das Ergebnis lautet.“

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