Mitten im EKZ Dicker Busch II sprüht Christian Bihn den Schriftzug von "Walk of/f Shame" auf den Boden. Bürger sollen so aufgefordert werden, darüber zu berichten, warum sie gern in Rüsselsheim leben. FOTO: susanne rapp
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Mitten im EKZ Dicker Busch II sprüht Christian Bihn den Schriftzug von "Walk of/f Shame" auf den Boden. Bürger sollen so aufgefordert werden, darüber zu berichten, warum sie gern in Rüsselsheim leben.

Aktion

Das Image der Stadt aufpolieren

  • VonDr. Susanne Rapp
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Freier Kunstverein sucht positive Geschichten über Rüsselsheim

Rüsselsheim -Am gestrigen Mittwoch starteten Christian Bihn und Mitstreitende des "Freien Kunst- und Kulturvereins" (FKK) im Einkaufszentrum Dicker Busch II ihr neues Projekt "Walk of/f Shame".

Der Tag ist sonnig und warm. Überall vor den Geschäften im EKZ Dicker Busch II stehen Stühle und Tische, die zum Verweilen einladen. Obst, zu farbenfrohen Bergen aufgetürmt, wird vor dem Supermarkt angeboten. Kinder spielen ausgelassen zwischen den Plätzen, während die Eltern ein Eis, einen Kaffee, einen Tee genießen. Ein buntes, ein lebendiges Treiben ist zu sehen.

Warum also ist ständig von Negativem aus Rüsselsheim und seinen Stadtteilen zu hören? Wie ist das mit den Horrorstories und der Behauptung, alle wollen weg aus Rüsselsheim und stehen nicht zu ihrer Stadt? Christian Bihn hat sich die Frage gestellt, warum die Zahl der Bürger trotz allem wächst? Warum neue Wohngebiete entstehen, wie etwa die Eselswiesen in Bauschheim?

Ist Rüsselsheim so schlimm wie sein Ruf? Oft gebe es auch die stetigen nostalgischen Rückblicke auf die 1960er und 70er Jahre, wo angeblich alles besser war. Wo es dieses und jenes Geschäft noch gegeben habe und Rüsselsheim wegen Opel eine aufstrebende Stadt gewesen sei.

Diese Zeiten sind vorbei

Schön und gut. Diese Zeiten sind vorbei und kommen nicht wieder. Dennoch ist Bihn davon überzeugt, dass es auch im Hier und Jetzt, in der aktuellen Situation jede Menge Positives in Rüsselsheim gibt, das die Stadt lebenswert und liebenswert macht. Damit sei nicht der Vernapark oder das schöne Mainvorland gemeint. Zwei Orte, die wie aus der Pistole geschossen, immer sofort genannt würden. Bihn will mit seinem Projekt weiter gehen. In die Ortsteile, an die ganz normalen Stellen, an denen Menschen leben und das gerne.

Das Projekt Walk of/f Shame will sammeln. Fotos, Geschichten, Aussagen von Menschen, die zeigen und erzählen wollen, warum sie gern in Rüsselsheim leben. Und dabei soll es nicht darum gehen, dass früher alles schöner war.

Wie der Titel des Projektes deutlich macht, gibt es zwei Ansätze, wie vorgegangen werden kann. Nämlich, ob es ein Weg der Schande ist oder einer, der daraus heraus führt. (Wir berichteten). Neben der Internetseite walk-off-shame.de, auf der Details zum Projekt zu finden sind und, wo die Möglichkeit der Beteiligung besteht, traf man sich gestern im EKZ Dicker Busch II, um Informationspostkarten in den Geschäften zu verteilen, und um eine Linie zu sprühen.

Auch in anderen Stadtteilen

Orangefarben deutet sie ins Zentrum des Geschehens und informiert gleichzeitig über die Adresse der Website. Diese Aktion wird es auch in Königstädten, Alt-Haßloch, Haßloch-Nord oder Bauschheim geben.

Die Sprühaktion ist vonseiten der Stadt genehmigt und das Projekt wird auch finanziell unterstützt. Schließlich dient das Sammeln positiver Begründungen zugunsten einer Stadt mit Imageproblemen auch der Stadt selbst. Steffen Jobst, der als FKK-Mitglied bei der Aktion dabei ist, schüttelt den Kopf und meint, das sei ein interessantes Themenfeld, da man positives Darstellen aus verschiedenen Perspektiven sehen kann.

Die Innenstadt Rüsselsheim sei abends belebt wie nie. Nur eben vielleicht nicht mit den Leuten, die die Stadt gern dort sehe. Es gehe immer darum, wer was positiv wahrnehme. Das könne ganz unterschiedlich gesehen werden.

Besonders spannend wird nach Jobst die Auswertung des Gesammelten werden. "Denn Rüsselsheim verändert sich derzeit brutal." Spannend wird sein, zu sehen, wer sich bei der Aktion melden wird, wer das Angebot annimmt, und auch, welche neuen Fragen sich aus dem Gesammelten heraus neu ergeben. Fragen wie: "Wer lebt in dieser Stadt noch?", oder "Wer lebt diese Stadt?"

Für Bihn, der die Idee zu diesem Projekt hatte, geht es darum, Fakten aus dem Hier und Jetzt zu sammeln, um diese weiterverarbeiten zu können. Und dabei raus aus der Nostalgie zu kommen.

Das Aufsprühen der Linien entspricht dem analogen Teil des Projektes und wird so lange existieren, bis die Farbe verschwindet. Je nach Wetterlage kann das zwischen vier Wochen und einem halben Jahr dauern.

Die Internetseite als Sammelort soll ein bis anderthalb Jahre existieren. Und wer weiß, vielleicht finden sich dort Geschichten, die dazu geeignet sind, ein weiteres Projekt zu starten, oder das aktuelle Projekt zu erweitern, fügt Christian Bihn noch hinzu. susanne Rapp

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