Marlies Golab liebt ihre Rosen. Für sie ist ihr Schrebergarten wie ein zweites Zuhause. FOTO: Rüdiger Koslowski
+
Marlies Golab liebt ihre Rosen. Für sie ist ihr Schrebergarten wie ein zweites Zuhause.

Hobby

"Das ist mein zweites Zuhause"

Alltagspause in der Parzelle: So verbringen die Pächter in der Kleingartenanlage in der Schreberstraße die Sommertage.

Rüsselsheim -Hier schnippelt ein Mann mit einer elektrischen Gartenschere die Spitzen der Grashalme an den Randsteinen ab. Dort tragen zwei Männer einen Sichtschutz an seinen Standort. Hier sitzt eine Familie unter einer schattigen Plane beim Mittagessen, leckere Hähnchenschenkel liegen auf den Tellern. Dort dringt das fröhlich Geschrei von Kindern auf den Weg.

Ein Samstagnachmittag in der Kleingartenanlage in der Schreberstraße am Krankenhaus. Durchaus eine ansprechende Alternative zum Freibadbesuch für jene, die glückliche Besitzer einer Parzelle in einer Schrebergartenanlage sind.

So wie Marlies Golab, eine Obfrau der Schrebergartenanlage. Soll heißen, sie ist für einige Gärten in ihrem Umfeld Ansprechpartnerin bei Problemen. Seit 20 Jahren hat sie bereits ihre Parzelle direkt am Zugangsweg zur Kleingartenanlage. Die Rentnerin ist keine Schwimmbadgängerin. Früher, als ihre Kinder noch klein waren, schon. Jetzt verbringt sie lieber jeden Tag in ihrem geliebten Garten. "Das ist mein zweites Zuhause", sagt sie lachend. Sie hat gerade zu Mittag gegessen. Bratkartoffeln mit Spiegeleiern und dazu ein Glas Buttermilch. Klingt gut.

Trotz ihrer heiteren Stimmung wird sie traurig, wenn sie ihre Stube verlässt und ihre Rosenstöcke zeigt, ihre große Leidenschaft. In der vergangenen Woche konnten Hochstammrosen bei starkem Regen den Wassermassen nicht standhalten und knickten ein. "Ich hätte fast geheult", sagt sie.

Besuch von Freundinnen

Später am Nachmittag sollte sie wieder fröhlicher werden. Denn ihre Freundinnen, ebenfalls Pächter einer Parzelle, wollen sie zum Kaffee besuchen. Golab hatte schon mal mit dem Gedanken gespielt, ihren Garten abzugeben. Aber davon nahm sie wieder Abstand. "Dann sitze ich zu Hause auf dem Balkon", nennt sie die Alternative.

Während die rüstige Rentnerin also Kaffee trinkt, ist Dimitrios Kotarakos ordentlich am Schaffen. Er will gerade mit dem Lastenrad Grünschnitt zum Wertstoffhof fahren. Fünf Minuten benötige er, berichtet er. Naja, er legt den Weg mit einem E-Bike zurück, räumt er schmunzelnd ein. Fast schon aus dem Törchen, nimmt sich der 44-Jährige dennoch Zeit für ein Gespräch.

Er gehe mit seiner 14 Monate alten Tochter auch mal ins Schwimmbad. Aber heute steht Arbeit auf dem Tagesplan. "Die Hecken sind ausgeblüht", berichtet Kotarakos. Jetzt sei es an der Zeit, sie zurückzuschneiden. Er hat extra gewartet, bis die Blüten verblüht sind und die Bienen den Nektar herausgesogen haben. Denn sein besonderes Hobby sind seine Bienenstöcke. Er hält insgesamt neun Stöcke in seinem Garten. Die Bienen sollen die Blüten der gesamten Schrebergartenanlage bestäuben, sagt er. Er sei kein Honigimker, nehme nur ein wenig Honig aus den Stöcken.

Das nächste Großprojekt steht bereits bevor. Er will in seiner Gartenhütte im Dachstuhl Parzellen für Insekten integrieren. Kotarakos versteht das als Dienst an der Natur. Den Garten hat die Familie seit sechs Jahren. "Das ist eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung", so Kotarakos.

Helga und Gerhard Wagner haben ihren Garten bereits seit 1983. Die beiden 69-Jährigen sitzen gemütlich zusammen auf der Bank vor ihrer Hütte und genießen die Nachmittagssonne. In einem kleinen Teich tummeln sich die Goldfische.

Nein, die beiden sind keine Schwimmbadbesucher, Helga Wagner hält sich allerdings mit Wassergymnastik fit. Sie halten sich lieber fast jeden Tag in ihrem Garten auf.

Neue Hütte hochgezogen

In diesen Tagen steht das Entfernen des Unkrauts an. Nach den starken Regenfällen und den anschließenden sonnigen Tagen sei das Unkraut explodiert, berichtet Gerard Wagner, der viele Jahre im Vorstand des Schrebergartenvereins war.

Er kommt bald auf die Gartenhütte zu sprechen. Seine erste Aufgabe in seinem neuen Garten war es, die alte Hütte abzureißen und eine neue hochzuziehen. In Eigenarbeit, wie er betont. Die alte Hütte sei zu klein gewesen.

Er und seine Frau sind die Wirte des Vereinsheims "Schoppen". In der vergangenen Woche öffnete die gemütliche Wirtschaft das erste Mal wieder nach der Coronapause. Ob der "Schoppen" jedoch wie bisher zwei Mal die Woche öffnen wird, sei noch unklar, sagt Wagner. Denn sein Partner habe aufgehört. Die Stammkundschaft sei zumindest gleich zurückgekommen. Er hoffe, dass der "Schoppen" auch weiterhin für die Geselligkeit bewirtet werden könne. Rüdiger Koslowski

Gemütlich unter Geranien: Helga und Gerhard Wagner genießen die nachmittägliche Ruhe.
Dimitrios Kotarakos fährt seinen Grünschnitt mit dem E-Lastenfahrrad zum Wertstoffhof.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare