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Unwetter in Hessen

Dauerstress für Einsatzkräfte

Die Unwetter der vergangenen tage hielten die Einsatzkräfte ziemlich in Atem. 300 Einsätze verzeichnete die Feuerwehr im Kreis, alleine in Rüsselsheim waren es in der Nacht zu Montag fast 60. Ob es in den nächsten Tagen so weitergeht, darüber gibt ein Meteorologe Aufschluss.

Von MATTHIAS HOFFMANN UND ROBIN GÖCKES

An Schlaf war für die Rüsselsheimer Feuerwehrleute in der Nacht zum gestrigen Montag nicht zu denken. Unwetterartige Regengüsse und Gewitter ließen in den Nacht- und frühen Morgenstunden zahlreiche Keller in Rüsselsheim volllaufen. Einsatzschwerpunkte der Feuerwehren waren im Gewerbegebiet Hasengrund, in Haßloch, Haßloch Nord und im Dicken Busch. Zwischen 1 Uhr in der Nacht und 14 Uhr am Montag rückten die Einsatzkräfte zu 58 Einsatzorten aus, darunter etwa auch das Einkaufszentrum Dicker Busch II. 80 Einsatzkräfte waren insgesamt bei der Arbeit. Der Einsatzgrund war immer gleich: „Vollgelaufene Keller“, wie Jörg Wintermeyer, der stellvertretende Leiter des Amts für Brandschutz in Rüsselsheim sagt. Oft ist der Grund dafür in defekten oder nicht vorhandenen Rückschlagklappen zu finden.

In der Nacht waren neben den hauptamtlichen Brandbekämpfern auch die freiwilligen Wehren Rüsselsheim Stadt, Haßloch und Bauschheim aktiv. Am gestrigen Vormittag wurden dann auch die Floriansjün-

ger aus Königstädten eingespannt.

„Das war schon ein deutlich erhöhtes Einsatzaufkommen, aber es war zu bewältigen. An unsere Grenzen hat uns das noch nicht gebracht“, bilanzierte Wintermeyer am gestrigen Vormittag, als die meisten Einsätze bereits beendet waren. „Es ist gut zu wissen, dass sich die Rüsselsheimer Bürger auf gut ausgebildete Feuerwehrmänner und -frauen verlassen können, die zum Wohl der Einwohner eng und engagiert zusammenarbeiten“, lobte Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) die Arbeit der Feuerwehren.

Auch im restlichen Kreis Groß-Gerau hatten die Einsatzkräfte in der Nacht zu Montag, aber auch schon an den Tagen zuvor, alle Hände voll zu tun. „Zwischen Freitagabend und Montagmorgen sind Kameraden zu mehr als 300 Einsätzen ausgerückt“, berichtete Friedrich Schmidt. Der Kreisbrandinspektor verwies darauf, dass schwerere Unglücke wie etwa in Baden-Württemberg im Kreis ausgeblieben sind. „Der Großteil der Einsätze beschränkte sich auf das Auspumpen von Kellern“, so Schmidt.

Am Freitag hatte es Kelsterbach erwischt (wir haben berichtet), wo allein 70 Einsätze zu absolvieren waren. Die Mainstadt musste Kräfte aus Mörfelden-Walldorf, Rüsselsheim, Groß-Gerau und Nauheim um Verstärkung bitten. „Im Gegensatz zu dem Unwetter über Kelsterbach mussten die übrigen Stadtteilwehren keine Verstärkung anfordern“, so Schmidt. Der Kreisbrandinspektor betonte, dass den Wehren viel Verständnis seitens der Bürger entgegengebracht worden sei. „Wir helfen allen – aber wir helfen nach Priorisierung“, bat Schmidt um Verständnis, wenn es in Nächten wie von Sonntag auf Montag auch mal länger dauern kann, bis die Einsatzkräfte mit ihren Pumpen für einen trockenen Keller sorgen.

Die Rüsselsheimer Brandbekämpfer hoffen, nun erst einmal einige Tage Ruhe zu haben. „Wir beobachten die Wetterentwicklung natürlich. Aber die regionalen Unterschiede machen es schwer, sich auf etwas einzustellen“, sagte Jörg Wintermeyer.

Wie stark die Niederschlagsmenge von einem Ort zum nächsten variieren kann, wissen nicht nur die Brandbekämpfer, sondern natürlich auch die Fachleute vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Sie verschicken Warnungen, wenn sich Schlechtwetterlagen ankündigen. Kleinräumige Spitzenwerte lassen sich aber schlecht vorhersagen. „In der Nacht zum Montag hatten wir zwar ein großräumiges Regengebiet, es gab aber trotzdem punktuell kurzzeitige Spitzen mit noch größeren Regenmengen“, erklärt Martin Jonas, Meteorologe beim DWD.

In Raunheim etwa seien zwischen 20 und 8 Uhr – also in nur zwölf Stunden – 38 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. In Wallerstädten waren es 40 Liter, in Darmstadt 26 Liter. Zum Vergleich: Deutschlandweit wurde im gesamten Monat Mai 2015 eine Niederschlagsmenge von 50 Liter pro Quadratmeter verzeichnet. Im langjährigen Mittel für Mai sind es 71 Liter.

Heute und an den kommenden Tagen könne es durchaus noch einmal zu weiteren Gewittern kommen, sagt Jonas. „Aber es wird im Vergleich zu dem, was hinter uns liegt, vergleichsweise ruhig. Die Helfer und Einsatzkräfte brauchen sich also nicht all zu sehr zu sorgen“, prognostiziert der Experte eine Entspannung der Wetterlage.

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