Völlige Zerstörung: Teile der eingestürzten Halle liegen auf einem ausgebrannten Opel.
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Völlige Zerstörung: Teile der eingestürzten Halle liegen auf einem ausgebrannten Opel.

Großbrand in Rüsselsheim

Defekt sorgt für verheerendes Feuer

  • VonMatthias Hoffmann
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Einen Tag nach dem Großbrand des Rüsselsheimer Sportsclub ist die Brandursache gefunden.

Technischer Defekt. Zwei Worte, fünf Silben, 17 Buchstaben. Und doch nach derzeitigem Ermittlungsstand Auslöser für einen Brand, der einen Schaden von mehreren Millionen Euro verursacht haben dürfte. Laut Pressemitteilung der Polizei handelte es sich um einen Fehler in der Elektrik, der das Großfeuer am Mittwochabend im Sportsclub Rüsselsheim ausgelöst hat. „Wir haben keine Hinweise auf Brandstiftung“, bestätigt Polizeisprecher Bernd Hochstädter auf Nachfrage dieser Zeitung.

Nach einem der verheerendsten Feuer der letzten Jahrzehnte in Rüsselsheim haben Stadt und Feuerwehr am Donnerstag zu einer Pressekonferenz geladen. Das hatte allen voran zwei Gründe: Zum einen sollte erneut auf die Schaulustigen hingewiesen werden, die die Arbeit der Rettungskräfte mitunter erschwert hätten.

Gerüchte machten Runde

Zum anderen wollten Stadt und Wehr sich von Gerüchten distanzieren, die in dem sozialen Netzwerk Facebook die Runde gemacht hatten. Dort hieß es in mehreren Rüsselsheim-Gruppen, dass die Feuerwehr 30 Minuten bis zum Einsatzort gebraucht hätte.

„Das stimmt so nicht“, machte Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) auf der Pressekonferenz im Rathaus deutlich. „Die Feuerwehr ist sehr zeitnah am Brandort gewesen.“ Burghardt und der ebenfalls anwesende Leiter der Rüsselsheimer Feuerwehr Thomas Meudt händigten einen Infozettel aus.

Darauf stand der zeitliche Ablauf des Einsatzes. Dieser sei auch in feuerwehreigenen Systemen dokumentiert, deren Funktionsweise der Rathauschef mit der eines Flugschreibers verglich. „Wir können klar nachweisen, dass die Zeit, bis die Feuerwehr am Einsatzort war, absolut akzeptabel war“, so Burghardt.

Demnach ertönte der Alarm der Wehr am Mittwoch um 18.30 Uhr. Er erging nach F2. Das bedeutet, dass der Einsatz als „Brand in einem großen Gebäude ohne Menschenleben in Gefahr“ kategorisiert wurde, erläuterte Meudt.

Um 18.36 Uhr – also sechs Minuten nach dem Alarm – waren laut Infoblatt die ersten Feuerwehrleute an der Einsatzstelle (Karlsbader Straße 33) eingetroffen. Weitere fünf Minuten später stuften sie den Brand in Kategorie F4 hoch. „Das ist die höchste Alarmstufe, ein absoluter Großbrand“, so Meudt.

Um 19.02 Uhr wurden dann die ersten Kräfte von benachbarten Wehren angefordert. Insgesamt waren Feuerwehrleute aus zehn Kommunen im Einsatz, hinzu kamen Männer der Werksfeuerwehr Opel und Berufsfeuerwehrleute aus Frankfurt mit einem Spezialfahrzeug.

„Unverantwortlich“

Da sich der gesamte Gebäudekomplex – bestehend aus Sporthallen, Fitnessstudio und Restaurant – bereits im Vollbrand befunden habe, zielte die Einsatztaktik der Feuerwehr darauf ab, angrenzende Häuser zu schützen. „Es wäre unverantwortlich gewesen, Leute da rein zu schicken“, sagte Meudt mit Blick auf das einsturzgefährdete Bauwerk.

Im Einsatz waren 263 Männer und Frauen, die bis in die Nacht mit Löscharbeiten beschäftigt waren. Mehrere Kilometer Schlauch wurden verlegt. „Wir haben aus allen Himmelsrichtungen versucht, Wasser zu bekommen“, sagte Meudt. Dieses wurde teilweise aus Raunheim abgepumpt. Mit Erfolg: Am Donnerstag war das Feuer gelöscht, die Tennis- und Soccerhalle des Sportsclub jedoch eingestürzt beziehungsweise in Teilen mit Hilfe eines Radladers abgetragen.

OB Burghardt, der zugleich Brandschutzdezernent der Stadt ist, ging bei der Pressekonferenz noch einmal auf die zahlreichen Schaulustigen ein. „Einige Einsatzkräfte hatten Verspätung, weil Menschen eher das Handy zum Fotografieren in der Hand hatten als Platz zu machen“, so Burghardt. Zum Glück habe das keine großen Auswirkungen gehabt, aber „wir sehen das mit Besorgnis“. Denn: „Schaulustige setzen Leben von Menschen aufs Spiel!“ Tatsächlich: Entlang des Weges standen immer wieder Menschen, filmten und machten Fotos. Der Polizei ging sogar zwischenzeitlich das Absperrband aus, so dass Leute hinter Hecken und Mäuerchen geschickt wurden, wo sie mal mehr, mal weniger verharrten.

Meudt, zum Zeitpunkt der Pressekonferenz seit 28 Stunden auf den Beinen, schloss mit dem Hinweis, dass es glücklicherweise keine Verletzten oder gar Toten gab. Und der Feuerwehr-Chef betonte, dass „zu keinem Zeitpunkt Gefahr für die Bevölkerung“ bestand.

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