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Herbert Eberts, gut gelaunt.

"Kurbelwellenmann" plätschert wieder

Denkmal für Opel-Mitarbeiter ist wieder in Betrieb

Zehn Jahre lang hat der „Kurbelwellenmann“ kein Wasser gesehen. Für 21 000 Euro wurde der Zierbrunnen in den vergangenen zwei Jahren restauriert. Seit gestern plätschert es wieder.

Da kam nur der Rüsselsheimer Riesling in Frage: Als die Winzerfreunde Albrecht Schmidt und Herbert Eberts gemeinsam mit Stadtrat Nils Kraft (SPD) die Wasserpumpe des imposanten Wasserspiels am Weinberg angeworfen hatten, da tauften die drei Herren den Brunnen erneut auf seinen bereits bekannten Namen: „Kurbelwellenmann“.

18 Zierbrunnen gibt es in Rüsselsheim, mit dem „Kurbelwellenmann“ sind nun sieben davon in Betrieb. „Erstmal wird es keine weitere Inbetriebnahme geben“, sagte Kraft, kurz nachdem er den Weißwein in den Brunnen getröpfelt hatte. Rund 76 000 Euro kostet die Pflege der Zierbrunnen im Jahr, erst im vergangenen Mai wurde über diesen Haushaltsposten diskutiert. Nun hat die Stadt 21 000 Euro in die Restauration und Technik des „Kurbelwellenmannes“ gesteckt: „Eine Sondermaßnahme aus einem anderen Budget“, sagt Kraft.

Vor der Inbetriebnahme wurde die Brunnentechnik vollständig überholt und repariert, Pumpen und Steuerungstechnik mussten ausgetauscht und erneuert werden. Zehn Jahre lang, seit 2006, strömte kein Wasser mehr durch die Zierbrunnen-Rohre. An eine spontane Inbetriebnahme war nicht zu denken, das Wasserspiel war defekt, reduziert auf seine skulpturale Wirkung.

Jetzt funktioniert er endlich wieder: Von 8 Uhr morgens bis 19 Uhr am Abend wird der bemerkenswerte Brunnen nun an der Stresemannanlage, Ecke Frankfurter Straße vor sich hin plätschern. „Dass wir uns heute über die Inbetriebnahme des Brunnens freuen können, das geht auf das Engagement der Winzerfreunde zurück“, sagte Kraft. Insbesondere Albrecht Schmidt und Herbert Eberts hätten sich für die Inbetriebnahme stark gemacht.

Der trockengelegte Brunnen war den Winzerfreunden tatsächlich lange schon ein Dorn im Auge: Der „Kurbelwellenmann“ liegt in der Nähe des Weinbergs, beim Hessentag soll dieses Areal die Besucher zur Weinverköstigung anlocken. „Wir haben die Patenschaft für den Brunnen übernommen und werden uns darum kümmern, dass der Platz schön aussieht“, sagt Albrecht Schmidt, Vorsitzender der Winzerfreunde.

Die Bronzeplastik wurde 1938 vom Bildhauer Ludwig Spiegel aufgebaut und gilt als Denkmal für Rüsselsheimer Opel-Arbeiter. Ludwig Opel soll in seinem Testament den Bau verfügt haben – mit dem Hinweis, die Stadt solle durch den „Kurbelwellenmann“ verschönert werden. Ob der Brunnen zwischen 1938 und 2006 durchgängig in Betrieb war, das weiß bei der Taufe niemand.

Arbeitskleidung und Werkzeug des Schmieds sind beeindruckend herausgearbeitet, wie auch Mimik und Körperhaltung. Das ist eine durchaus beeindruckende Arbeit, gleichwohl erinnert die Ästhetik des Brunnens an eine sehr dunkle Zeit. Und tatsächlich: „Körperhaltung und Gesichtsausdruck entsprechen dagegen der für die NS-Kunst typischen Heroik“, steht auf einem Schild am Brunnen. Und weiter: „1939 war die Plastik auf der jährlichen NS-Ausstellung ,Große Deutsche Kunstausstellung’ in München ausgestellt.“

Daran will heute aber niemand denken, schließlich erfüllt der Brunnen neben seiner imposanten Wirkung auch einen sehr profanen Zweck: „Wir können uns jetzt wieder nach unserer Arbeit am Weinberg die Hände waschen“, sagen die Winzerfreunde lachend.

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