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Das Sgraffito Jesu und der Turm auf dem Dach sind charakteristisch für die Matthäuskirche.

Angemessener Abstand zu Kirche gefordert

Denkmalschutz: Landesamt kritisiert Plan für Zentrum auf Gelände der Martinsgemeinde

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In der Böllensee-Siedlung soll ein Gebäude entstehen, das mehrere soziale Einrichtungen beherbergt. Experten fehlen Informationen, um einschätzen zu können, wie der Denkmalschutz der angrenzenden Kirche sichergestellt werden kann.

Alles unter einem Dach: In der Böllensee-Siedlung soll auf dem Gelände der Martinsgemeinde ein Gebäude entstehen, in dem eine Kita, ein Kinder- und Jugendtreff sowie ein Nachbarschafts- und Familienzentrum untergebracht werden. Zudem sollen barrierefreie Sozialwohnungen für Senioren vom städtischen Wohnungsbauunternehmen Gewobau errichtet werden. Dafür weichen muss das Gemeindehaus der evangelischen Martinsgemeinde, das sich momentan noch auf der Fläche befindet.

Und es muss der Bebauungsplan geändert werden. Bei der dabei vorgesehenen Beteiligung der Träger öffentlicher Belange Ende des vergangenen Jahres, meldete sich unter anderem das Landesamt für Denkmalpflege zu Wort. Denn bei der angrenzenden Matthäuskirche, eingeweiht im Jahr 1956, handelt es sich um ein geschütztes Einzelkulturdenkmal.

Lageplan beilegen

In der Bauleitungplanung sei es jedoch versäumt worden, die negativen Auswirkungen auf das Denkmal differenziert zu beschreiben, kritisiert das Landesamt. Um die denkmalpflegerischen Auswirkungen beurteilen zu können, sei ein Lageplan beizulegen. Und zwar mit den aktuellen Bestandgebäuden, den colorierten Abrissgebäuden und aussagekräftigen Fotos, die die jetzigen Höhenabstufungen und die historischen Gestaltungsmerkmale der Fassaden des vollständigen Ensembles darstellten. Es sei zu berücksichtigen, dass die Baugrenze im Moment sehr dicht an der denkmalgeschützten Kirche liege. Dies lasse dem Denkmal „wenig Platz für seine räumliche Wirkung“.

Zwar sei die Matthäuskirche ein „recht schlichter Bau“, doch bringe er durch seine hervorgehobene städtebauliche Lage im Eckbereich des Grundstücks, das sogenannte Sgrafitto – ein in Putz an der Fassade gekratztes Bildnis Jesu – und den Dachreiter seine Vorrangstellung im Ensemble deutlich im Stile der Bauzeit zum Ausdruck.

Das Volumen des Bauwerks, die Höhe des Firstes und der Traufe, das Satteldach, der Dachreiter und die gestalterischen Mittel, die in der Architektur zum Ausdruck gebracht werden, bildeten den Maßstab, dem sich die umliegenden Gebäude in seiner näheren Umgebung unterordnen oder nach dem sie einen angemessenen Abstand halten müssten.

Die hier forcierte Art und das Maß der baulichen Nutzung seien nicht beurteilbar, da dies in Bezug auf das Denkmal betrachtet werden müsse. Ohne vergleichende Zahlen und visuelle Darstellungen mit Bezug auf das Denkmal sei dies nicht möglich.

Grundsätzlich könne angenommen werden, dass Bauten in der Umgebung des Denkmals umso eher seine Wahrnehmung beeinträchtigen können, desto exponierte dessen Lage im Ort ist. Neue Gebäude müssten sich an dem Maßstab messen lassen, den das Denkmal gesetzt hat und dürften es nicht erdrücken, verdrängen, übertönen, in der Umgebung als Fremdkörper empfunden werden oder die gebotene Achtung gegenüber den Werten außer Acht lassen, die das Denkmal verkörpert.

Nicht bis zur Baugrenze

Der städtische Magistrat versichert in einer Beschlussempfehlung für die Stadtverordneten, dass die exponierte Lage des Denkmals auch im Zusammenhang mit den Neubauten erhalten bleibe. Die aktuelle Planung des Bauherren zeige, dass der Neubau nicht bis an die Baugrenze gehe, sondern rund fünf Meter hinter dieser zurückbleibe. Die besondere Stellung der Südseite der denkmalgeschützten Kirche bleibe erhalten.

Aus Richtung Westen halte der dreigeschossige Neubau etwa 15 Meter Abstand. Der Wahrnehmbarkeit des Denkmals werde somit auch aus westlicher Sicht genüge getan. Der näher an die Kirche heranrückende hintere Teil des Neubaus bleibe mit einer Höhe von 7,5 Metern deutlich unter der Firsthöhe der Kirche. Die endgültige Planung werde dem Landesamt für Denkmalpflege im Bauantragsverfahren vorzulegen sein, heißt es schließlich.

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