Sie stoßen schon einmal auf den Weingarten an: Matthias und Annette Nold, Sonja und Henrik Luijendijk sowie Silke und Ralf Förster (von links) würden lieber heute als morgen im Weingarten Rebensaft ausschenken. Fotos: Rüdiger Koslowski
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Sie stoßen schon einmal auf den Weingarten an: Matthias und Annette Nold, Sonja und Henrik Luijendijk sowie Silke und Ralf Förster (von links) würden lieber heute als morgen im Weingarten Rebensaft ausschenken.

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Der Biergarten wird zum Weingarten

Die Winecrew macht aus einem verwaistem Gelände eine Oase für Freunde des Rebensaftes. Damit geht ein lange gehegter Traum in Erfüllung.

Rüsselsheim -"Wir hauchen einem verlorenen Platz wieder Leben ein", sagt Ralf Förster und blickt schwärmend über die mit Kieselsteinen und Moos überdeckte Fläche, auf der die Bäume ein Blätterdach wie in einem Märchenwald bilden. Dass inmitten des verwunschenen Örtchens auch noch ein Brunnen steht, lässt die Fantasie erblühen. Bei der Anlage handelt es sich schlichtweg um den ehemaligen Biergarten der Gaststätte der Turngemeinde Rüsselsheim. Seit gut zehn Jahren ist das Restaurant und mithin auch der Biergarten verwaist.

Die Rüsselsheimer Winecrew will nach der gelungenen Generalprobe im vergangenen Jahr in dem Biergarten heimisch werden. Allerdings sollen dort nicht Hopfen und Malz den Durst löschen, sondern der vollmundige Rebensaft den Gaumen erfreuen. Aus dem Biergarten wird somit kurzerhand der Weingarten. Das Getränk mit der weißen Krone sowie Softdrinks werden gleichwohl nicht von der Speisekarte verbannt, versichert die Winecrew.

Im vergangenen Jahr gab es also ein nicht breit in der Öffentlichkeit beworbener Auftakt. An sechs Wochenenden im Spätsommer durften die Gäste unter Einhaltung von Hygienebedingungen den leckeren Rebensaft von zwei Weingütern genießen. 63 Plätze standen zur Verfügung. Der Weingarten sei sehr gut angenommen worden, sagt Henrik Luijendijk. Deshalb soll es nun eine Fortsetzung geben. Die Winecrew, bestehend aus den drei Pärchen Silke und Ralf Förster, Annette und Matthias Nold sowie Sonja und Henrik Luijendijk, wollen den verwunschenen Garten dafür auf Vordermann bringen.

Weindorf abgesagt

Das traditionelle Weinfest, das in diesem Jahr vom 3. bis 5. Juli geplant war, muss die Winecrew absagen. Die Winzer hätten zwar bereitgestanden. Es gebe aber keine Planungssicherheit, meint Nold. In der derzeitigen Corona-Situation sei ein Fest mit mehr als 1000 Besuchern eben nicht möglich. Man könne das Weindorf vielleicht einzäunen lassen und den Eintritt kontrollieren, aber dies sei viel zu teuer und aufwendig, sagt Luijendijk. Die Winecrew habe wenig Hoffnung, dass sie das Weinfest zu einem späteren Zeitpunkt nachholen kann. Für den Herbst würden die Rüsselsheimer schon zu weiteren fest eingeplanten sowie bereits verschobenen Feierlichkeiten eingeladen. Jedenfalls hält sich die Winecrew eine Hintertür offen und will flexibel reagieren.

Es sei kein Problem, Winzer für eine spätere Veranstaltung zu finden. Die Winecrew könne sich nach vier erfolgreichen Jahren die Weingüter aussuchen, sagt Luijendijk. Es gebe mehr Bewerber als Standplätze.

Jetzt hofft sie erstmal, dass der Weingarten seine Türen öffnen kann. Dies hänge nicht nur von der Inzidenz, sondern auch von der hessischen Landesregierung ab. Die habe sich allerdings noch nicht über Öffnungen der Außengastronomie geäußert, stellt Förster enttäuscht fest. Die Winecrew stehe jedenfalls in den Startlöchern. Innerhalb von 24 Stunden könnten die Winzer den Weingarten mit Rebensaft beliefern.

Öffnungszeiten noch unklar

Ursprünglich habe die Winecrew am Main einen Weinstand betreiben wollen. Allerdings hätten sie damals nicht den Zuschlag für "Wein am Main" bekommen. Die guten Erfahrungen des Weinfestes habe sie darin bestärkt, an ihrer Idee festzuhalten. Die Winecrew möchte ihren Kunden guten Wein in gemütlicher Atmosphäre servieren. Die TG habe bei Gesprächen ebenfalls Interesse daran gezeigt, dem Garten wieder Leben einzuhauchen.

Jetzt will die Winecrew sogar noch einen Schritt weiter gehen und die TG noch mehr in den Weingarten einbinden. Gerade würden sich beide Partner darüber austauschen, ob und wie sich die einzelnen Sparten integrieren können, ob sie den Weinstand betreiben, wie sie sich präsentieren können. Unklar sind auch noch die Öffnungszeiten. Diskutiert werde, an welchen der beiden Abende von Freitag bis Sonntag Wein ausgeschenkt wird. Konzeptionell sollen mehrere Weingüter ihre Rebensäfte vorstellen dürfen.

Die Winecrew hätte gerne schon über die Ostertage geöffnet. "Da hat uns aber die Notbremse ausgebremst", sagt Förster. Dann wäre jedenfalls der Boden der Ausschankhütte noch nicht repariert gewesen. Denn der ist morsch und muss ausgetauscht werden. Das Dach wurde bereits neu eingedeckt. Der Kieselsteinbelag des Gartens muss ebenfalls ausgetauscht werden, die Gartengarnituren müssen gesäubert werden. Bald wird der Weingarten im alten Glanz erstrahlen und eine Weinoase für Liebhaber des Rebensaftes sein, da ist sich die Winecrew sicher. Rüdiger Koslowski

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