Im Karosseriebau wurden zur Vorbereitung auf die neuen Modelle 400 zusätzliche Roboter installiert. Foto: Opel
+
Im Karosseriebau wurden zur Vorbereitung auf die neuen Modelle 400 zusätzliche Roboter installiert.

Unternehmen

Der große Umbau bei Opel

  • Olaf Kern
    VonOlaf Kern
    schließen

Viel hat sich getan in den vergangenen Monaten am Stammsitz in Rüsselsheim: Eine neue Plattform wurde installiert, aber auch andere Bereiche auf Zukunft getrimmt. Die Werksleitung erklärte jetzt erstmals die neuen Produktionsabläufe.

Rüsselsheim -Der Umbruch in der Automobilindustrie ist auch am Rüsselsheimer Opel-Stammsitz in vollem Gange. Seit rund einem Jahr arbeitet das Unternehmen am großen Umbau in den Produktionshallen, um das Werk "bereit für das Zeitalter der Elektromobilität" zu machen, wie es von Opel selbst heißt.

Wie konkret das aussieht, zeigte gestern erstmals die Werksleitung bei einer Führung durch die verschiedenen Bereiche. Was ist bis heute passiert? Im Vordergrund stand in den vergangenen Monaten vor allem die Integration der sogenannten EMP2-Plattform (EMP steht für "Efficient Modular-Plattform"), die mittlerweile weitgehend abgeschlossen ist. Diese Plattform aus dem PSA-Konzern dient als Basis für zahlreiche Modellvarianten und - ganz wichtig für die Zukunft - kann Fahrzeuge mit herkömmlichen Verbrennungsmotor und elektrifizierte Fahrzeuge auf derselben Linie produzieren: Die Produktion könne somit jederzeit auf die Wünsche der Kunden reagieren.

Derzeit läuft die Produktion des Insignia zusammen mit dem neu hinzugekommenen DS-Modell, dessen Serienherstellung in Rüsselsheim für Ende August geplant ist. Ab dem Spätherbst kommt dann noch der neue Astra hinzu. Das Werk fährt im Moment aber, kurz vor den Ferien, nicht mit voller Kraft, sondern ist derzeit noch mit den Qualitäts-Checks im Zuge der Umstellung beschäftigt.

Signifikanter Millionenbetrag

Für den Umbau wurde ein "signifikanter Millionenbetrag" in die Hand genommen, genauer wollte man es von Unternehmensseite nicht beziffern. Aufgebaut wurde aber damit auch beispielsweise in der Lackiererei die Zweifarbenlackierung und der sogenannte "3-Wet-Prozess" eingeführt, ein besonders emissions- und stromsparendes Lackierungsverfahren, wie Bereichsleiter Tilo Richter erläutert.

Umgestellt wurden aber auch die kompletten IT-Systeme. Bei den komplexen Arbeitsabläufen von heute ein nicht zu unterschätzender Teil der Produktion.

Im Karosseriewerk sind die Anlagen derweil für die neuen Modelle im Gebäude K180 aufgebaut worden. Umfassende Änderungen gab es auch in der Fertig- und Endmontage, in der unter anderem eine neue "Hochzeit" (Zusammenfügung von Karosserie und Motor) und eine neue Chassis-Linie aufgebaut wurden.

Automatisierte Abläufe

Zudem sind im Rüsselsheimer Werk fortan auch automatisierte Transportsysteme im Einsatz, um etwa die Materialanlieferung der Kleinteile für die Fertig- und Endmontage zu steuern. Statt Mitarbeiter auf ihren kleinen Transportwagen, schleichen jetzt fast lautlos kleine, über Magnetbänder auf dem Boden selbst fahrende Wägelchen durch die Halle K 170.

Überhaupt rückt mit den Umbaumaßnahmen der Roboter immer mehr in den Vordergrund, wie bei dem Rundgang deutlich wird. Im Karosseriebau wurden zur Vorbereitung auf die neuen Modelle 400 zusätzliche Roboter installiert (insgesamt damit 1178). Das spart natürlich Mitarbeiter ein, wie viele will man nicht genau sagen. Werksleiter Michael Lewald betont aber immer wieder, dass durch die neue EMP2-Plattform wieder eine zweite Schicht möglich ist. Durch die zweite Schicht würden noch in diesem Jahr rund 300 zusätzliche Stellen in der Fertig- und Endmontage entstehen. olaf kern

Nach monatelangem Umbau blickt Werksleiter Michael Lewald zuversichtlich in die Zukunft.
Der Bereich der "Hochzeit" in der Fertig- und Endmontage wurde beim Umbau komplett neu installiert.
213 fahrerlose Transportfahrzeuge auf Magnetbändern im Boden bringen das Material zur Montage.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare