Der neongelbe Lack korrespondiert mit der gerade erneuerten Opel-Firmenfarbe und umrahmt kontrastreich die charakteristisch schwarze Motorhaube.
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Der neongelbe Lack korrespondiert mit der gerade erneuerten Opel-Firmenfarbe und umrahmt kontrastreich die charakteristisch schwarze Motorhaube.

Automobile

Der Manta ist zurück

  • Olaf Kern
    vonOlaf Kern
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Eine Gruppe von Opelanern hat sich einem ganz besonderen Projekt verschrieben: Ein Manta A wird zu neuem Leben erweckt. Elektrisch, emissionsfrei und digital sollte er sein. Das Vorhaben spiegelt die Faszination einer wachsenden Fangemeinde zu "RestoMods" wider. Das Rüsselsheimer Echo durfte einen exklusiven Blick auf das Fahrzeug werfen, das es weltweit nur einmal gibt.

Sein Name ist Manta - Opel Manta. Er ist so zeitlos wie der berühmteste Agent im Dienste Ihrer Majestät. Vor über 50 Jahren mit Vierzylinder-Benzinmotor gestartet, steht er heute erneut in einer verlassenen Halle auf dem Rüsselsheimer Opel-Gelände im neuen Opel-Neon-Gelb da. Man traut seinen Augen kaum: Es ist auf den ersten Blick der alte Manta, aber auf den zweiten auch etwas unwirklich: Wie ein Raumschiff aus einer anderen Welt, bislang noch als ein gut gehütetes Geheimnis gehalten.

Opel hat in aller Stille in den vergangenen Monaten mit dem Manta den ersten ElektroMOD seiner Firmengeschichte gebaut. Der neue Opel Manta GSe ElektroMOD, so sein offizieller Name, soll das Beste aus zwei Welten verbinden: den klassischen Auftritt einer Stilikone kombiniert mit zeitgemäßer Technologie für einen nachhaltigen Einsatz - auch weit abseits einer Oldtimer-Rallye. Denn der neue Manta fährt elektrisch, emissionsfrei und steckt doch voller Emotionen, weil das Fahrzeug auf einem gut erhaltenen Original-Modell von 1973 mit rund 50 000 gefahrenen Kilometern basiert, das man aus der Classic-Werkstatt geholt hat.

Genauer ein orangeroter Opel Manta mit schwarzem Vinyldach in der Sammlung von Opel Classic. Ein typischer Vertreter der bunten wilden 1970er Jahre. Eine Stilikone. Insgesamt ordentlich in Schuss, aber doch ein wenig verlebt. Noch unrestauriert, vielleicht eher ein Teileträger.

Trend zu "RestoMods"

Gleichzeitig ist die Elektro- Offensive von Opel mit neuen Modellen wie dem Opel Mokka-e gerade im vollen Gange. Und so kam eins zum anderen. Den Start markierten die Opel-Classic-Experten: Es gibt in der Szene den Trend zu "RestoMods" - das Wort setzt sich aus Restaurieren und Modifizieren zusammen. Vor allem in den USA greift er gerade um sich. Also warum nicht den Manta elektrisch zu neuem Leben erwecken? Mit sattem Drehmoment an der Hinterachse für schnelle Sprints ohne großes Getöse. Der Gedanke war geboren und wurde geteilt - mit Designern, 3D-Modellbauern, Ingenieuren, Technikern, Mechanikern, Produkt- und Markenexperten. Eine Gruppe von Opelanern, die einfach in Autos verliebt ist.

Schnell bekam die Idee weitere Konturen. Aus dem 50 Jahre alten Manta wurde ein Kind dieser Zeit - elektrisch, emissionsfrei. Der Opel Manta GSe ElektroMod war geboren - zunächst in den Köpfen seiner Macher

Soviel Enthusiasmus begeisterte sofort wohl auch die Opel-Geschäftsführung. Es gab spontan grünes Licht - und aus der Idee wurde innerhalb weniger Monate Realität.

Saftige 147 PS

Im Fall des Manta GSe ElektroMod hat das Entwicklungsteam um Pierre-Olivier Garcia, Opel Global Brand Design Manager, dem Auto seine ursprüngliche Faszination erhalten und zugleich Top-Innovationen ins Spiel gebracht: Der neue Pixel-Vizor mit LED-Technologie in der Front, ein volldigitales Cockpit, als Element aus dem Mokka entnommen, und eben der batterie-elektrische Antrieb.

Der Neoklassiker, der auch eine Straßenzulassung hat und bald auch einer breiteren Öffentlichkeit auf Messen und Oldtimer-Treffen vorgestellt werden soll, ist sportlich wie ein echter Opel GSe. Darum weicht der Vierzylinder unter der Opel-typisch schwarz lackierten Haube einem Elektromotor mit saftigen 108 kW/147 PS Leistung. Das "e" in GSe bedeutet nun Elektrifizierung statt Einspritzung.

Damit ist der neue GSe der stärkste Manta A, den Opel ab Werk je gebaut hat. 1974 und 1975 war der Manta GT/E das kräftigste Modell der ersten Generation mit 77 kW/105 PS.

Beim 2021er Manta steht dem Fahrer ein maximales Drehmoment von 255 Newtonmeter zur Verfügung - aus dem Stand. Nun hat der Pilot die Wahl, ob er das originale Viergang-Getriebe per Hand schalten will oder einfach den vierten Gang einlegt und dann automatisch fährt. Egal wie er sich entscheidet, die Kraft wird stets an die Hinterräder geleitet. Die Lithium-Ionen-Batterie verfügt über eine Kapazität von 31 kWh und erlaubt damit eine mittlere Reichweite von rund 200 Kilometern. Wie bei einem serienmäßigen Opel Corsa-e oder Opel Mokka-e kann auch der Manta GSe Bremsenergie zurückgewinnen und in der Batterie speichern. Das reguläre Laden erfolgt über einen 9 kW-On-Board-Charger für ein- und dreiphasigen Wechselstrom. Damit dauert es knapp vier Stunden, um die Manta-Batterie komplett aufzuladen.

Optisch setzt der Manta GSe auf das neue Opel-Gesicht. Stand der Manta A schon für den Opel-Vizor von Mokka und Crossland Pate, so trägt der ElektroMOD nun über die gesamte Fahrzeugbreite selbst den Opel Pixel-Vizor. Über diesen LED-Screen kann der Manta GSe sogar mit seiner Umwelt kommunizieren (Bild unten links).

Widescreens und Alcantara

Im Innenraum hat die aktuelle Opel-Digitaltechnik Einzug gehalten. Die klassischen Rundinstrumente sind Geschichte, stattdessen blickt der Pilot nun auf ein breites "Opel-Pure-Panel" wie beim neuen Mokka. Hier zeigen zwei Widescreens mit zwölf und zehn Zoll Informationen zum Auto wie Ladezustand und Reichweite an. Die Musik kommt von einer Bluetooth-Box der legendären Verstärkermarke Marshall.

Die Sportsitze sind einst für den Opel Adam S entwickelt worden. Der Fahrer nimmt hinter einem von Opel überarbeiteten Petri-Dreispeichen-Lenkrad Platz. Der Fahrzeughimmel ist frisch mit Alcantara ausgeschlagen.

Wie geht es mit dem Auto nun weiter? Im nächsten Schritt wollen die Manta-Macher ihre Erfahrungen aus dem Bau des ElektroMod sammeln, analysieren und aufbereiten. Mit dem Ziel, den Opel-Fans ein Rezept für die eigene Umgestaltung eines Oldies zum elektrischen Neoklassiker an die Hand zu geben.

olaf kern

In den Radhäusern stecken extra designte 17-Zoll-Aluminiumräder. Man beachte auch den Manta-Rochen, der gleichzeitig ein QR-Code ist.
"Hallo Rüsselsheimer Echo": Über diesen LED-Screen in der Front kann der Manta GSe sogar mit seiner Umwelt kommunizieren. Echo-Lokalchef Olaf Kern (links) freut sich über den kleinen Gruß von Opel-Ingenieur Pierre-Olivier Garcia (rechts), im Hintergrund ein Mitarbeiter der Opel-Classic-Werkstatt.
Der Fahrer nimmt hinter einem Petri-Dreispeichen-Lenkrad mit einer gelben Markierung in 12-Uhr-Stellung Platz. Die Rundinstrumente sind Geschichte, stattdessen blickt der Pilot auf eine breite Digital-Anzeige.
Ein Neoklassiker: Die verchromten Stoßstangen sind verschwunden. Neu sind dafür die runden LED-Lichter am Heck. Trotzdem bleibt die Charakteristik des Original-Mantas, der für dieses Fahrzeug verwendet wurde, erhalten.

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