Einsatz für kulturellen Austausch

Deutsch-Französische Freundschaft: Aus Liebe zum Nachbarland

Mit einem deutsch-französischen Nostalgieprogramm sind zahlreiche persönliche Geschichten und Beweggründe verbunden. Am Samstag wurde es in Nauheim auf den Weg gebracht.

Ehemalige Schüler des Groß-Gerauer Prälat-Diehl-Gymnasiums haben sich vorgenommen, die deutsch-französische Freundschaft zu bereichern. Dass das Projekt seinen Ausgangspunkt in Nauheim nimmt, hängt mit der internationalen Ausrichtung ihres Treffpunkts am Hegbachsee zusammen.

Auf knapp 20 Teilnehmer kam das erste Treffen der frankophilen Beteiligten, die sich um den Bischofsheimer Henri Hencke scharen. Er gehört wie die anderen zum Abiturjahrgang des Prälat-Diehl-Gymnasiums von 1966. Frauen und Männer, die meisten um die 70 Jahre alt, eint die Liebe zu Frankreich, die sie künftig noch intensiver ausleben und an Jüngere weitergeben wollen.

Dazu gehört beispielsweise Anneliese Kuhl, die in der Ginsheimer Kommunalpolitik bis 1997 bei den Grünen aktiv war. Sie erzählte, dass der Kreis der einstigen Schulkameraden viele französische Freunde habe und sich in überregionalen Organisationen engagiere, etwa zum „Institut Francais“. Auch Ferienreisen in das Nachbarland gehörten zum „Savoir Vivre“.

Anneliese Kuhl ist froh, dass die Kontakte bestehen „und wir uns nicht aus den Augen verloren haben“. Das gilt auch für jene, die längst nicht mehr im Kreis Groß-Gerau leben, wie Eginhard Wichmann, der aus Bad Arolsen am Samstag angereist ist. Bis 1971 wohnte er in der Kreisstadt. „Als Pfadfinder war ich 1958 in Nizza“, sagte er. Den Kontakt zu Groß-Gerau halte er mit Klassentreffen aufrecht. Der Besuch der Feier zum 50. Jahrestag des Abiturs im Groß-Gerauer Hotel Adler im vergangenen Februar war für ihn selbstverständlich.

Wichmann erklärte, dass die deutsch-französischen Freunde – unter ihnen auch einige Gäste aus Frankreich – ein Teil des damaligen Abiturjahrgangs seien, der seinen speziellen Interessen nachgehe. Wichmann mag beispielsweise Chansons. Und nach seinem französischen Lieblingsschauspieler befragt, wiegelt er ab, wenn die Rede auf Gerard Depardieu kommt. „Ich mag Michel Piccoli“, verweist er auf den französischen Charakterdarsteller, der unter anderem aus „Das Mädchen und der Kommissar“ mit Romy Schneider bekannt ist.

Unter den Teilnehmern weilte mit ihrer dreijährigen Tochter auch Nicole Lorenz. „Ich bin gespannt, was sich daraus entwickelt“, sagte die junge Mutter voller Vorfreude auf das Blättern in Alben mit Bildern, auf denen sie ihren verstorbenen Vater Heinrich Herzberger als Siebzehnjährigen erkennen konnte.

Herzlich im Kreis der länderübergreifenden Gemeinschaft aufgenommen wurde ebenso Miriam Bochmann, eine Enkelin von Dr. Philip Boch, dem alleinigen Sportlehrer des Gymnasiums zwischen 1954 und 1964, wie Organisator Henri Hencke berichtete. „Jeder kannte ihn“, sagte er. „Er war ein Original“, betonte Wolfgang Müller, ebenfalls ein Teilnehmer im Kreis der Freunde von einst und heute.

Hencke freute sich nicht nur über die rege Beteiligung. Dass er zum Treffen im Hotel-Bistro am Hegbachsee einlud, sei Absicht gewesen. Gastronom und Eigentümer Mevlüt Bayazit sei bekannt für sein tolerantes Wesen. Er unterstütze jegliche Form der Völkerverständigung und beschäftige Personal, das aus Bulgaren, Griechenland, Türkei, Serbien, Litauen und Pakistan stamme.

Hencke und Bayazit haben abgesprochen, gemeinsam Sterneköche in Frankreich zu besuchen und diese dann auch nach Nauheim einzuladen. Ferner wolle er eine berühmte Tangotänzerin in die Musikgemeinde bringen und schließlich auch noch zum bevorstehenden Frühlingsfest im Atrium einen französischen Rockstar einladen. Weiterhin sei geplant, das deutsch-französische Programm auszudehnen und junge Menschen zu integrieren.

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